Die AfD hat in der Region Stuttgart gut 250 Mitglieder.. Foto: dpa

Der ehemalige FDP-Politiker Jan Rittaler ist zur eurokritischen Partei „Alternative für Deutschland“ übergetreten. Sofort bekam er einen Spitzenplatz auf der Landesliste und will jetzt die Strukturen vor Ort aufbauen.

Rutesheim - Irgendwann war der Druck für den langjährigen FDP-Funktionär zu hoch. Die Entscheidung des Bundestages, auch dem klammen Zypern unter die Arme zu greifen, hat das Fass zum Überlaufen gebracht. „Ich habe mir gesagt, wenn die FDP dem zustimmt, trete ich aus“, sagt Jan Rittaler. So hat es der Rutesheimer Unternehmer gemacht, und trat zur eurokritischen Partei „Alternative für Deutschland“ über. Sofort wurde er Schatzmeister, bekam einen Spitzenplatz auf der Landesliste, und will jetzt die Strukturen vor Ort aufbauen.

Gut 250 Mitglieder hat die AfD schon in der Region Stuttgart, 74 im Kreis Böblingen. „Bis Mitte Juni wollen wir 15 bis 20 Kreisverbände gegründet haben“, sagt der ehemalige FDP-Funktionär. Für den Kreis Böblingen soll dies am 14. Juni in Sindelfingen stattfinden, Ludwigsburg und die übrigen Kreise sowie Stuttgart sollen folgen.

Jan Rittaler ist ein typischer Vertreter der neuen Partei: Jahrelang war er ein liberales Urgestein, hat sich langsam entfremdet und ist jetzt übergetreten. Der 54-Jährige stammt aus Ludwigsburg, kam auf dem Mörike-Gymnasium schon als Schülersprecher mit Politik in Berührung. Rittaler hat in Hohenheim Wirtschaftswissenschaften studiert und über Kartellrecht promoviert.

Bis zum Jahr 2004 war er im Management verschiedener Firmen, hat 2002 den hessischen Kabelfernsehkonzern Easy Kabel umstrukturiert und eigene Anteile gekauft. Aus dem Erlös der Sanierung hat er sich dann 2004 selbstständig gemacht, berät mit seiner Ein-Mann-Firma in Rutesheim andere Unternehmen und steigt auch mal selbst operativ ins Management ein.

Ein liberales Urgestein verlässt die Partei

Schon am Mörikegymnasium hat sich Rittaler für Politik interessiert und Helmut Schmidt bewundert. „Als ich gemerkt habe, dass Schmidt in der SPD ist, bin ich bei der FDP eingetreten“, erzählt er. Als sich 1982 der FDP-Nachwuchsverband Jungdemokraten gespalten hat, gründete Rittaler die Jungliberalen im Land, und war von 1982 bis 1987 deren Landesvorsitzender. Nachfolgerin wurde übrigens Birgit Homburger.

Auch in der Mutterpartei war Rittaler aktiv im Landesvorstand, 2011 war er Landtagskandidat in Böblingen. „Die Entfremdung von der FDP hat schon 2009 begonnen, als die Koalitionsvereinbarung mit Steuersenkungen von Wolfgang Schäuble aufgekündigt wurde“, sagt er. Die Zustimmung zum Euro-Rettungsschirm sei dann der endgültige Bruch gewesen. „Das Parlament hat sich aufgegeben, das ist von der Sache her vergleichbar mit dem Ermächtigungsgesetz, natürlich ohne dessen Folgen“, findet der Rutesheimer kernige Worte. Schon 2011 hat er einen langen Brief an den FDP-Bundestagsabgeordneten und Fraktionsvize Florian Toncar geschrieben.

Der übergetretene Regionalrat Roland Geiger hat Jan Rittaler schließlich überzeugt, bei der AfD mitzumachen. Auf dem Gründungsparteitag in Karlsruhe wurde der Selbstständige schnell zum Schatzmeister. „Es gab für die Vorstandsposten viele Kandidaten, aber nur drei für den Kassenwart“, erzählt er. Wenig später wurde er auf dem ersten Listenparteitag auf Platz vier gewählt. „Wenn die AfD in den Bundestag kommt, bin ich dabei“, sagt er.

Gründung des Kreisverbandes ist in Sicht

Jan Rittaler schätzt das „Chaospotenzial“ der neuen Partei als gering ein, trotz der Querelen in Bayern, wo der Landesverband erst einmal gescheitert ist. „Dort hat man den Fehler gemacht, Gründungs- und Listenparteitag zusammen zu legen“, analysiert der Unternehmer. Zudem legt er wert darauf, dass die „Alternative für Deutschland“ nicht gegen den Euro sei: „Wir wollen nur, dass die Südländer austreten, damit sie ihre Währungen wieder abwerten können“, betont er. „Ob der Euro dann scheitert, ist eine andere Frage, ein Nebeneffekt.“

Bei der Frage, ob die AfD auch andere Themen hat als die Eurokrise, redet er zunächst über die Europäische Zentralbank, die niedrigen Zinsen für Rentenversicherungen – also alles artverwandte Themen.

Schließlich fällt ihm noch die „Entideologisierung der Energiepolitik“ ein. Seine neue Partei, die AfD, macht ihm jedenfalls viel Spaß: „Es gibt keine Kungelrunden, alles ist demokratisch, das gefällt mir.“

Ob er keine Sorge hat, mit 4,7 Prozent der schwarz-gelben Koalition im September entscheidende Stimmen zu nehmen? Rittaler ist geschult in Gremiendebatten, kennt solche Strategiefragen und kontert keck: „Mit dem Argument könnte auch die FDP ihre Kandidatur zurückziehen.“

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