Um die Verkehrbelastung in und um Perouse verträglicher zum machen, sind mehrere Umbauten notwendig. Foto: Stadt Rutesheim

Wie lange dauert es, bis ein Straßenbauvorhaben zwischen zwei Nachbarkommunen erfolgreich über die Bühne geht? Mindestens zehn Jahre – wie das Beispiel von der Heimsheimer Steinbruchspange zeigt.

Heimsheim/Rutesheim - Wie lange dauert es, bis ein Straßenbauvorhaben zwischen zwei Nachbarkommunen erfolgreich über die Bühne geht? Mindestens zehn Jahre – wie das Beispiel von der Heimsheimer Steinbruchspange zeigt. Sie wird nun zur Landesstraße aufgewertet. Gleichzeitig bleibt die Heimsheimer Straße in Perouse für Anlieger, Busse und für Notfälle offen, was den Heimsheimern wichtig war. Damit ist der Weg frei, Perouse vom Verkehr zu entlasten.

Der zehn Jahre lange Streit ist nun vergessen. „Es ist ein historischer Meilenstein für Perouse und es gilt: Ende gut, alles gut“, freute sich der Rutesheimer Bürgermeister Dieter Hofmann in der Sitzung des Gemeinderates am Dienstag . „Alle werden davon profitieren“, war denn auch der Tenor in den Redebeiträgen quer durch alle Fraktionen. Die Stadträte zeigten sich zufrieden und dankbar, dass ein für beide Seite tragbarer Kompromiss gefunden werden konnte. Im Heimsheimer Gemeinderat am Montag gab es ebenfalls einhellige Zustimmung. „Es gibt nur Gewinner, die Lösung ist von Vernunft getragen“, erklärte der Heimsheimer Schultes Jürgen Troll in der Sitzung.

Die Krönung gibt es am heutigen Donnerstag. Um 12 Uhr unterzeichnen im Rutesheimer Rathaus der Bürgermeister Dieter Hofmann und sein Heimsheimer Kollege Jürgen Troll eine öffentlich-rechtliche Vereinbarung, die das Projekt möglich macht. Wenn alle Formalitäten und Planungen erledigt sind, kann am 1. Oktober mit den Arbeiten begonnen werden. Diese werden voraussichtlich bis Sommer 2017 andauern. Das ist auch der Zeitplan für die Bauarbeiten im Osten von Perouse, die ebenfalls für die Verkehrsberuhigung in dem Waldenserort gedacht sind.

Worum ging es im Detail? Schon 2006 wurde in Perouse über eine Ortsumfahrung nachgedacht. Zudem sollte die sogenannte Steinbruchspange (auf der Grafik links) zur Landesstraße aufgewertet werden. Heimsheim und Rutesheim hatten 2006 schon einmal eine Vereinbarung unterzeichnet. Doch dann machte die Schleglerstadt einen Rückzieher und alles geriet ins Stocken .

Man war sich vor allem nicht über die Frage einig, was mit der alten Landesstraße L 1179 (auf der Grafik unten) geschehen soll. „Uns Heimsheimern war es wichtig, dass diese Straße offen bleibt“, erklärt der Heimsheimer Schultes Troll, „das ist für uns eine Verbindung nach Leonberg.“

Seither hat sich viel getan: Die Straße von Malmsheim wurde ausgebaut, eine neue Autobahn-Ausfahrt Rutesheim geschaffen, Bosch hat ein Forschungszentrum gebaut und Porsche seines erweitert. Rutesheim nicht locker. Der Stadt erreichte beim Regierungspräsidium Stuttgart und dem Landkreis, dass im Osten von Perouse die Straße weiter weg vom Ort verlegt wird, ein Kreisverkehr an der Straße nach Flacht gebaut wird und dass der Ort durch einen Lärmschutzwall abgeschirmt wird. Das schafft zudem Platz für die Ansiedlung eines Netto-Marktes.

Nur die Steinbruchspange blieb ein Politikum und Zankapfel. Nun wurde auch im Westen ein Kompromiss gefunden. Der sieht vor, dass die Steinbruchspange zur Landesstraße und die Heimsheimer Straße dafür zu einer Gemeindestraße wird. Heimsheim verzichtet auf Umbau der nördlichen Einmündung der Steinbruchspange in die Perouser Nordumfahrung (L 1180). Die Heimsheimer Straße in Perouse wird nicht radikal zurückgebaut, sondern bleibt für Busse, landwirtschaftliche Fahrzeuge und Anlieger frei. Auf ihr wird auch der Radweg verlaufen als Anbindung an den, den Heimsheim für 400 000 Euro in Richtung Perouse anlegen wird und an dem sich Rutesheim mit 50 000 Euro beteiligt. Die Straße wird zudem so ausgeschildert, dass keine Durchfahrt nach Rutesheim und Weissach in eine Richtung sowie nach Heimsheim/Enzkreis in die andere möglich ist.

Rutesheim kostet das Projekt etwas mehr als eine Million Euro. Davon sind allein 900 000 Euro für den Umbau der Einmündung der Heimsheimer Straße (L 1179) in die Steinbruchspange eingeplant. Rund 60 000 Euro zahlt Rutesheim an die Nachbarstadt als Hälfte der Baukosten für die 2002 errichtete Steinbruchspange.

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