Der von Trump gefeuerte FBI-Chef James Comey Foto: AP

Die Umstände der Entlassung von FBI-Chef Comey nähren den Verdacht, dass Trump eine Aufklärung der Verbindungen nach Russland sabottieren will. Damit kommt er durch solange die Republikaner im Kongress mitmachen, meint unser Kommentator Michael Weißenborn.

Stuttgart/Washington - Wenn ein US-Präsident, gegen dessen Mannschaft ermittelt wird, den Regierungsbeamten entlässt, der diese Ermittlungen leitet, erregt das natürlich einen ungeheuren Verdacht: Hat Donald Trump FBI-Chef James Comey etwa gefeuert, weil auch der Präsident im Fokus der Untersuchungen verbotener Wahlkampfhilfen aus Russland steht? Trump selbst stellt diesen Zusammenhang her, indem er im Entlassungsschreiben an Comey betont, der geschasste oberste US-Bundespolizist habe ihm drei Mal versichert, dass nicht gegen ihn persönlich ermittelt werde. Die offizielle Begründung für Comeys Entlassung, dieser habe sich in der E-Mail-Affäre seiner demokratischen Rivalin Hillary Clintons nicht korrekt verhalten, klingt dagegen reichlich konstruiert.

Nun wird erneut der Ruf nach einem unabhängigen Sonderermittler zur Aufklärung der Russland-Connection laut. Dieser könnte in der Tat größeres Vertrauen in eine wirklich unabhängige Untersuchung stärken, „wo auch immer diese hinführen mag“, wie Comey dies vor kurzem noch für das FBI versprochen hatte. Doch daran haben der Präsident und seine republikanischen Verbündeten im Kongress ebenso wenig ein Interesse wie an der schonungslosen Aufklärung in den Geheimdienstausschüssen im US-Parlament.

Einmal mehr wird klar: Dieser Präsident hat weniger Respekt für Amerikas demokratische Regeln und Gebräuche als jeder andere Mann im Weißen Haus seit dem kriminellen Watergate-Präsidenten Richard Nixon. Ob Trump damit auf Dauer durchkommt, hängt davon ab, ob ihm die Republikaner im Kongress trotzdem weiter die Stange halten.

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