Alevtina und Arnold Ross wohnen seit kurzem auf den Fildern. Foto: z/privat

Die Musiker Alevtina und Arnold Ross wohnen seit kurzem in Dürrlewang. In ihrer russischen Heimat waren viele ihrer Schüler Preisträger bei internationalen Wettbewerben. Nun will sich das Ehepaar in Stuttgart eine neue Existenz aufbauen.

Dürrlewang - Für Arnold Ross war Johann Sebastian Bach ein großer Philosoph. „Aber er hat seine Gedanken nicht in Worte, sondern in Noten gefasst“, sagt der 54-Jährige. Und auch seine Frau Alevtina ist der Meinung: „Mit Musik und insbesondere mit klassischer Musik kann man alles erzählen.“ Alevtina und Arnold Ross lieben die deutschen Komponisten – und das, obwohl sie eigentlich aus Russland kommen. Bis Juli 2007 haben die beiden in ihrer Heimat als Solisten und Klavierlehrer gearbeitet. Viele ihrer Schüler sind Preisträger bei internationalen Wettbewerben gewesen. Seit Kurzem wohnen die zwei in Dürrlewang. Ende September haben sie ihr erstes Konzert in der Laurentiuskirche gegeben. „Die Atmosphäre war wunderschön“, sagt Alevtina Ross. Es habe viel Applaus gegeben – und nach dem Konzert viele Fragen. Kein Wunder – schließlich hat das Ehepaar auch viel zu erzählen.

Vor fünf Jahren kamen die beiden nach Deutschland. Es sei vor allem das Interesse an der deutschen Kultur gewesen, weshalb sie Russland hinter sich gelassen hätten, sagt Arnold Ross. Zudem habe er deutsche Wurzeln. „Ich bin eigentlich hier zu Hause. Es ist eine Ehre, in der Heimat der großen Komponisten zu leben“, sagt er.

Die Liebe zur Musik

Als das Paar vor fünf Jahren in Deutschland ankam, konnten sie nur ein paar Brocken deutsch. Inzwischen können sie die Sprache fast perfekt, wenn auch mit Akzent. „Wir haben viele Kurse besucht“, sagt Alevtina Ross. „Für uns ist das eine Selbstverständlichkeit“, ergänzt ihr Ehemann. Zunächst lebte die Familie in Bad Mergentheim. „Die Stadt ist perfekt. Wir haben dort viele Konzerte gegeben“, sagt Alevtina Ross. Das einzige Manko: „Es gibt fast nur Kurgäste“, sagt die Pianistin. In Stuttgart wollen sich die beiden nun mit Hilfe der Musik eine neue Existenz aufbauen. Sie wollen Kinder für das Klavierspielen begeistern und Konzerte geben.

Woher ihre Liebe zur Musik kommt? „Meine Mama hat mir empfohlen, mit der Musik anzufangen. Ich war ein braves Mädchen und habe fleißig geübt“, verrät Alevtina Ross. Mit zehn Jahren habe sie sich dann endgültig für die Musik entschieden. Bei Arnold Ross war es ähnlich. „Ich war ein ganz normaler Junge, der gern Fußball und Tischtennis spielte. Doch mit sieben Jahren habe ich zum ersten mal eine Orgel gehört, und von da an wollte ich Organist werden“, sagt der Konzertmeister.

Wer sich in Russland für die Musik entscheidet, der hat als Kind nur wenig Freizeit. Das sei der Unterschied zu Deutschland, sagt Alevtina Ross. Ob das gut oder schlecht ist, möchte sie nicht bewerten. Allerdings sei die intensive Förderung in Russland vielleicht ein Grund dafür, weshalb es dort scheinbar so viele talentierte Mädchen und Jungen gebe. Auf die Frage, ob in Deutschland zu wenig für die Förderung der Kultur getan wird, antwortet Arnold Ross: „Ich glaube jedes Land würde gern mehr machen. Aber ein bisschen mehr könnte man schon tun.“

Doch viel wichtiger als die Politik ist Alevtina und Arnold Ross die Musik selbst. Die beiden bereiten sich akribisch auf jedes ihrer Konzerte vor. „Ich habe dafür den besten Klavierlehrer, den man haben kann – nämlich meinen Mann“, sagt Alevtina Ross. Arnold Ross gibt das Kompliment zurück. Auch er lerne immer wieder von seiner Frau. „Wenn man neben dem Klavier steht, hört man einfach besser“, sagt der Pianist. Doch in ihrer Wohnung in Dürrlewang sitzen die beiden gar nicht so oft am Klavier, wie man meinen könnte. „Die Möglichkeiten sind begrenzt. In Deutschland muss man Ruhezeiten einhalten. Wir akzeptieren diese Gesetze“, sagt Alevtina Ross. Dankbar sind sie und ihre Mann dafür, dass sie am Flügel in der Laurentiuskirche üben dürfen.

Derzeit arbeiten die beiden Musiker an einem neuen Projekt. „Wir wollen als Duo auftreten“, sagt Alevtina Ross, und meint damit nicht das vierhändige Klavierspiel, sondern tatsächlich das Spielen an zwei Klavieren gleichzeitig. Doch um die Stücke einstudieren zu können, braucht das Ehepaar einen Ort, an dem es zwei Flügel nebeneinander gibt. „Solche Orte sind rar“, sagt Alevtina Ross. Für einen entsprechenden Hinweis sind wir daher dankbar.“

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