Seit mehr als anderthalb Jahren steht der Regisseur Kirill Serebrennikow in Moskau unter Hausarrest. Foto: AP

Die russische Regierung wirft Kirill Serebrennikow Veruntreuung vor, Kritiker halten den Prozess für inszeniert. Trotz Hausarrest in Moskau arbeitet der liberale Künstler weiter – unter anderem für die Stuttgarter Oper.

Moskau - Der russische Regisseur Kirill Serebrennikow (49) muss für weitere drei Monate mit massiven Einschränkungen seiner Freiheit im Hausarrest in Moskau leben. Ein Gericht in Moskau verlängerte am Dienstag auf Antrag der Staatsanwaltschaft den bereits seit mehr als anderthalb Jahren bestehenden Arrest bis 3. Juli, wie die Agentur Interfax meldete. Das Verfahren steht international als inszeniert in der Kritik. Filmstars, Theaterschaffende und Politiker haben Russland aufgefordert, die Verfolgung liberaler Künstler zu beenden.

Vorwurf: Veruntreuung staatlicher Fördermittel

Die russische Justiz wirft Serebrennikow sowie weiteren Angeklagten Veruntreuung staatlicher Fördermittel in Millionenhöhe vor. Der Regisseur weist das zurück. Die Staatsanwaltschaft hatte beantragt, den Künstler auch künftig in seiner Wohnung festzuhalten, um weitere offene Fragen zu klären. Immer wieder gab es Vorwürfe, die Ermittler hätten nichts in der Hand gegen Serebrennikow.

Aufführungen des Regisseurs in Stuttgart

Serebrennikow arbeitet trotz eingeschränkter Bewegungsfreiheit in seiner Wohnung. So führte die Staatsoper Hamburg im März seine Neuinszenierung von Giuseppe Verdis Oper „Nabucco“ auf. Auch die Oper Stuttgart und weitere Häuser hatten Aufführungen trotz Abwesenheit des Regisseurs auf die Bühne gebracht. Am Wochenende erhielt er den renommierten russischen Filmpreis „Nika“ - für die beste Regie. Sein voriges Jahr auch in Deutschland gezeigter Film „Leto“ erzählt die Geschichte des sowjetischen Rockstars Viktor Zoi.

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