Noch prägt der Adler das Owener Stadtbild. Bald wird dort eine Wohnanlage stehen. Foto: Horst Rudel

Der Adler in Owen ist Geschichte. Die Traditionsgaststätte wird abgerissen. Auf dem Gelände will die Russ-Gruppe mehr als 20 Eigentumswohnungen und Büros errichten.

Owen - Im Adler haben einst die Mannen der Stuttgarter Bergwacht auf dem Heimweg von der Schwäbischen Alb geschmettert, was das Zeug hielt, befeuert vom Freibier, das die heimischen Bauern ihnen spendiert haben. Nach dem Krieg hat der aus der ausgebombten Landeshauptstadt ausquartierte Spindelhersteller Novibra bis ins Jahr 1951 hinein in der Wirtsstube produziert. Das alte Fachwerkhaus hat in seiner wechselhaften Geschichte nicht nur eine Spindelfabrik, sondern auch eine Brauerei, zwei Tankstellen, eine Kegelbahn und eine Metzgerei beherbergt. Jetzt schlägt der Investor Stefan Russ mit dem „Lauterpark“ ein neues Kapitel in der Stadtmitte von Owen auf.

Auf dem gut 2000 Quadratmeter großen Adler-Areal wird eine Anlage mit Läden, Büros, mindestens 20 Eigentumswohnungen und einem kleinen Park entstehen. Russ geht davon aus, dass der Bauantrag für das Sechs-Millionen-Euro-Projekt Mitte des kommenden Jahres gestellt werden kann. Wenn dann alles nach Plan läuft, könnten die ersten Besitzer Ende des Jahres 2019 einziehen. „Das ist sportlich“, sagt Russ angesichts des konfliktträchtigen Standorts zwischen der Hauptstraße und dem Bachbett.

Andererseits brennt das Problem auf den Nägeln. „Wir brauchen dringend Wohnraum für Mitarbeiter und neue Fachkräfte, die wir zu uns in die Region holen wollen“, sagt der Investor, der mit einer Tochtergesellschaft der im Autogeschäft tätigen Russ-Gruppe seit sieben Jahren auf dem Immobilienmarkt mitmischt. „Wenn wir im Autohaus schon einmal einen der begehrten Nutzfahrzeug-Mechaniker an der Angel haben, dann ist die nächste Frage: ‚Habt ihr mir auch eine Wohnung?‘ Da müsste ich dann lügen“, beschreibt Russ den Handlungsdruck.

Der Mangel trifft den Erfahrungen des Investors zufolge nicht nur Facharbeiter, sondern auch Auszubildende. „Die wollen nach der Lehre gerne auf eigenen Beinen stehen, finden aber im nahen Umfeld keine bezahlbare Wohnung“, sagt er. Um der Not abzuhelfen, will der Autohändler, der die Daimler-Niederlassungen in Esslingen, Nürtingen und Dettingen betreibt, auch im Steingau-Quartier in Kirchheim einsteigen. Die Idee, als Unternehmen im Wohnungsbau Nägel mit Köpfen zu machen, sei ja nicht neu, sagt Russ unter Hinweis auf den Albflecken Hochwang, dessen Bau in den 1950er Jahren von der Lenninger Papierfabrik Scheufelen vorangetrieben worden war.

  
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