Ruoff-Stiftung verlängert Barlach-Ausstellung Linien zwischen „Bestialität und Mystik“

Von Nikolai B. Forstbauer 

in der Ruoff-Stiftung in Nürtingen (Schellingstraße 12, Donnerstag 15-18, Sonntag 14-18 Uhr). Mehr unter: www.ruoff-stiftung.de Foto:  
in der Ruoff-Stiftung in Nürtingen (Schellingstraße 12, Donnerstag 15-18, Sonntag 14-18 Uhr). Mehr unter: www.ruoff-stiftung.de Foto:  

Mit wenigen Linien schafft Ernst Barlach 1913 ergreifende Figurenszenen. „Ist das noch Bestialiät oder schon Mystik?“, fragt er selbst. Die Ruoff-Stiftung in Nürtingen versammelt eindringliche Werkbeispiele.

Stuttgart - Schnelle Striche zeichnen eine Frauenfigur. Sie wankt, stürzt vielleicht. Eine flüchtige Szene, notiert von Ernst Barlach. „Existenz Mensch“ heißt eine Schau in den Räumen der Fritz- und Hildegard Ruoff-Stiftung in Nürtingen (Schellingstraße 12). Eine Kooperation mit dem Ernst Barlach Haus in Hamburg ermöglicht die Ausstellung, und ­Barlach Haus-Direktor Karsten Müller gab bei der Eröffnung im vergangenen November Fingerzeige für die Bedeutung des Projektes.

Hermann Reemstma sieht Sammeln als „innere Verpflichtung“

„,Kunst, die mich angeht’ – so charakterisierte“, sagte Müller, „unser Museumsstifter Hermann Reemtsma 1948 die Werke Ernst Barlachs. Als der Hamburger Zigarettenfabrikant den Bildhauer im Sommer 1934 erstmals in Güstrow besuchte, war er tief beeindruckt von dessen Persönlichkeit und Kunst. ,Alles, was daraus folgte’, so erläuterte Reemtsma weiter, ,war innere Verpflichtung und hat nichts mit Mäzenatentum zu tun.’“

Geht uns Ernst Barlachs Kunst noch etwas an?

Im allgemeinen Bewusstsein zählt Barlach – vor allem als Bildhauer – noch immer zu den bekanntesten deutschen Künstlerpersönlichkeiten. Karsten Müller jedoch schränkt ein: „Heute, ein gutes Jahr vor seinem 150. Geburtstag am 2. Januar 2020, ist es um Ernst Barlach recht still geworden“. Und weiter: „Barlachs Oeuvre scheint aus dem Fokus öffentlicher Aufmerksamkeit ­gerutscht, umso mehr, als es alles verweigert, was attraktive Bildwelten heutzutage auszeichnen sollte: Farbkraft, Lautstärke, ­Frische, Glätte. Es scheint also durchaus fraglich, ob Barlachs Kunst uns wirklich noch etwas angehen kann“.

Tagebuchaufzeichnungen als Blick in die Künstlerseele

Gerade deshalb – „Ja, Barlach geht uns etwas an!“ , möchte man mit Karsten Müller antworten. Und Barlach selbst gibt in seinen Tagebuchaufzeichnungen (1928, zehn Jahre vor seinem Tod, unter dem Titel „Ein selbsterzähltes Leben“ veröffentlicht) weitere Impulse.

„Noch Bestialität oder schon Mystik?“

„Wie mag es nun damit stehen“, schreibt Barlach Mitte März 1913, „dass ich die Welt, die Menschen, besonders die Menschen, recht eigentlich anfange von hinten zu ­sehen, dass ich Linien, in denen sich die Menschen hauptsächlich darstellen, als ihr eigentliches, Wesentliches empfinde?“ Barlach will „erkennen, was da verborgen steckt in einem Menschen, dessen Ganzes in zwei oder drei Tönen klingt“. Und er fragt: „Ist das noch Bestialiät oder schon Mystik?“.

Barlach im Dialog mit Fritz Ruoff

Es ist vor allem ein Grund, in Nürtingen – nun verlängert bis zum 20. Januar – den in Dialog zu Arbeiten von Fritz Ruoff gebrachten Werken aus dem Barlach Haus in ­Hamburg zu begegnen.

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