Fabian Mayer (2.v.l.) hörte sich an, wo in Botnang der Schuh drückt und welche Themen gerade aktuell sind. Foto: Torsten Ströbele

Erster Bürgermeister Fabian Mayer war zu Gast. Unter anderem ging es um das Haus der Jugend.

Stuttgart-Botnang - Das lange herbeigesehnte Haus der Jugend, der oft gescholtene neue Marktplatz, die Lärmproblematik des Bürgerhauses und die neue Konzeption für den Spielplatz an der Kauffmannstraße: All diese Themen wurden im Rahmen eines Stadtspaziergangs mit dem Ersten Bürgermeister Fabian Mayer besprochen. Bezirksvorsteherin Mina Smakaj war am Ende des Tages mit dem Ergebnis zufrieden.

Los ging es am in die Jahre gekommenen Jugendtreff an der Franz-Schubert-Straße. „Das ist ein sehr wunderschönes, altgedientes Gebäude, das dringend saniert werden müsste. Aber wir haben da ja seit einigen Jahren eine andere Idee“, sagte der Geschäftsführer der Stuttgarter Jugendhausgesellschaft, Ingo-Felix Meier. „Wir wollen an anderer Stelle das Haus der Jugend bauen.“ Wie dringlich es sei, dass dieses Projekt zeitnah auf dem ehemaligen Festplatz an der Beethovenstraße realisiert werde, machte er an einem Beispiel fest: „Sobald ein Zentimeter Schnee auf dem Dach liegt, dürfen wir das Gebäude nicht mehr betreten. Das wurde statisch geprüft.“ Die rund 20 Jugendlichen, die regelmäßig das Angebot an der Franz-Schubert-Straße wahrnehmen, müssten dann abends notgedrungen in den Kindertreff an der Griegstraße, sagte Hausleiter Alberto Company. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Gemeinderat, Gabriele Nuber-Schöllhammer, ließ keinen Zweifel daran, dass sehr viele Stadträte den Neubau des Hauses der Jugend unterstützen. 3,5 Millionen Euro müssten in den kommenden Doppelhaushalt eingestellt werden, um das Projekt zeitnah realisieren zu können. „Wir wollen 2020/2021 anfangen zu bauen“, betonte Meier. 18 Monate später könne das Gebäude dann eingeweiht werden. „Wir hoffen, im Sommer 2022 soweit zu sein.“

Am Rande der Besichtigung des Jugendtreffs diskutierten Mina Smakaj und der Leiter des Amtes für Liegenschaften, Thomas Zügel, darüber, was mit der Fläche rund um das Haus der Jugend passieren soll. Derzeit wird das städtische Grundstück noch als Parkplatz von der Firma Seat genutzt (wir berichteten). Bis Ende 2020 habe das Unternehmen noch einen gültigen Mietvertrag, sagte Zügel – obwohl Seat Ende des Monats seine Niederlassung an der Beethovenstraße 7 bis 11 aufgeben wird. Zügel plädierte dafür, dass der ehemalige Festplatz so lange als Stellfläche genutzt werden darf, bis auf dem Areal die Bürgergarten-Pläne und die Offenlegung des Metzgerbaches umgesetzt werden können – also nach der Fertigstellung des Hauses der Jugend. Smakaj sprach sich noch einmal vehement dafür aus, dass der Mietvertrag Ende 2020 nicht verlängert werden soll – weder mit Seat noch mit einem anderen Unternehmen. Das sei ein klarer Beschluss des Bezirksbeirates. Zügel möchte nun erst abwarten, wie die Pläne des Seat-Nachfolgers aussehen, ehe es zu einer Entscheidung kommt.

An der Kauffmannstraße soll bald die Spielfläche umgestaltet werden

Die Suche nach einem Nachfolger für die Räume an der Beethovenstraße 7 bis 11 sind währenddessen in vollem Gange. Eigentümer Bernd Röck hat schon Angebote einiger Interessenten vorliegen. Ihm wäre es am liebsten, wenn Seat von einem anderen namhaften Automobilhersteller abgelöst wird. „Natürlich spielt hierbei auch die Fläche auf dem ehemaligen Festplatz eine Rolle“, sagt Röck gegenüber unserer Zeitung. „Von den rund 3000 Quadratmetern, die für die Außenfläche des Hauses der Jugend vorgesehen sind, könnten doch wenigstens 1000 Quadratmeter weiterhin als Stellfläche genutzt werden. Das würde dauerhaft 50 Arbeitsplätze in Botnang sichern.“ Röck hofft, dass er in den nächsten drei Wochen einen Seat-Nachfolger präsentieren kann.

Aber das Haus der Jugend und der ehemalige Festplatz waren nicht die einzigen Themen, die an diesem Abend behandelt wurden. „Es ist ungemein toll, was hier passiert. Botnang hübscht sich auf“, sagte Mayer. Unter anderem soll in naher Zukunft rund um den Spielplatz Kauffmannstraße einiges passieren. Die Fläche liegt mitten im 16,6 Hektar großen Sanierungsgebiet Botnang 1. „Wir wollen im ersten Quartal nächsten Jahres bauen und die Spielanlage neu gestalten“, sagte Frank Friesecke von der STEG Stadtentwicklung GmbH. „Es wird das erste größere sichtbare Projekt im Rahmen des Sanierungsgebiets.“ Ende Mai wurde der Entwurf öffentlich vorgestellt. „Eigentlich gab es nur einen Punkt, der noch geändert werden soll. Da geht es um die potenzielle Feuerstelle an der Sporthalle, die beim traditionellen Laternenlauf benötigt wird. Sie ist im Entwurf überplant. Aber wir werden zeitnah eine Lösung präsentieren“, sagte Frank Friesecke.

Dass es dagegen auf dem Marktplatz noch eine Gestaltungslösung geben wird, die allen Botnangern zusagt, dürfte unwahrscheinlich sein. Zunächst einmal gab es aber am Montag im Beisein des Leiters des Garten-, Friedhofs- und Forstamtes, Volker Schirner, Applaus für die neuen bunten Blumen, die rund um den Marktplatz gepflanzt wurden. Danach ging es ins Detail. „Auf der Fläche wurde bewusst auf einen Spielplatz verzichtet“, erklärte Bezirksvorsteherin Mina Smakaj. Dafür gebe es die Spielpunkte Apfel und Birne. Doch nicht alle Anwesenden waren mit dem stählernen Obst in Großformat zufrieden. „Beide laden zum Klettern ein. Warum legen Sie denn nicht eine Matte drunter. Es gibt Kinder, die sich da die Knie aufschlagen“, meinte ein Botnanger. Auch Schirner sah noch Optimierungsbedarf: „Apfel und Birne sind Skulpturen und keine Spielgeräte. Aber ich finde die Regelung hier grenzwertig. Die Verlockung, zu klettern, ist schon groß. Ich werde Ihr Anliegen auf jeden Fall mitnehmen.“

Lärmschutz ist beim Bürgerhaus ein großes Thema

Wegen des neuen Brunnens auf dem Marktplatz wurde zumindest am Montag keine Kritik laut. In Botnang oft mal verbal als Urinal verunglimpft, fanden beim Stadtspaziergang anscheinend alle Gefallen am Brunnen. „Ich oute mich: Mir gefällt er“, sagte Fabian Mayer.

Wenige Meter weiter steht eine Sanierung erst noch an. Der Bezirksbeirat und auch viele Stuttgarter im Rahmen des Bürgerhaushalts haben den Wunsch geäußert, dass das Bürgerhaus umfangreich modernisiert werden soll. Vor allem der Lärmschutz ist ein großes Thema. „Es gab immer wieder Beschwerden, weil sich Leute nach 22 Uhr im Innenhof aufgehalten haben“, sagte Smakaj. „Es hallt hier einfach auch sehr stark.“ Mittlerweile achte der Vorstand des Bürgerhausvereins konstant darauf, dass niemand mehr zu später Stunde vor der Tür steht. Aber Lärmschutzfenster seien dennoch zwingend notwendig. Und noch mehr: „Durch das Dach regnet es rein. Zudem müssen die Fassade und die Toiletten modernisiert werden“, sagte Smakaj. Der Leiter des Liegenschaftsamtes, Thomas Zügel, erklärte, dass das Hochbauamt derzeit ein Gesamtpaket für das Bürgerhaus schnüre: „Ich weiß aber nicht, ob das bis Weihnachten klappt.“ Somit könnten die notwendigen finanziellen Mittel erst einmal nicht in den kommenden Doppelhaushalt eingestellt werden. Smakaj hofft dennoch, dass zumindest die neuen Fenster auch ohne konkreten Beschluss der Stadträte in den anstehenden Haushaltsberatungen zeitnah erneuert werden können.

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