Rundgang in S-Ost Stadt tut sich bei Immobilienkäufen schwer

Von Georg Linsenmann 

Bei einem Stadtrundgang mit dem Verwaltungsbürgermeister wird intensiv über diverse Problemzonen des Stuttgarter Ostens diskutiert, zum Beispiel über den Steg über die Talstraße oder über die Möglichkeiten beim Wohnungsbau.

Stadtbezirksspaziergang durch Stuttgart-Ost mit Verwaltungsbürgermeister Fabian Mayer, Bezirksvorsteherin Tatjana Strohmaier und dem stellvertretenden Bezirksvorsteher Thomas Schneider-GrafFoto: Georg Linsenmann

S-Ost - Dorthin solle es gehen, wo „der Schuh drückt“, betonte Bürgermeister Fabian Mayer am Treffpunkt zum Rundgang durch den Stadtbezirk auf dem Fußgängersteg über die Talstraße, war also sogleich mitten drin in einer Problemzone. Der übliche Feierabendstau hatte sich zwar noch nicht voll entwickelt, die „zerschneidende Wirkung der Talstraße zwischen Gablenberg und Ost“, so die Bezirksvorsteherin Tatjana Strohmaier, war von der erhöhten Position aus gleichwohl bestens einsehbar. Im Fokus stand dann der Steg selbst – und damit auch die Kontroverse im Bezirksbeirat zum Bauwerk: Ausbau zur Radfahrerbrücke mit Rampe auf der Westseite, für die etwa Thomas Schneider-Graf (Bündnis 90/Die Grünen) plädierte, Staus-quo-Erhalt und Radler-Querung auf den vorhandenen Ampel-Querung anderseits, was Bernhard Herp (CDU) als zumutbar bezeichnete. Eine Steilvorlage für die „Vision“ der Bezirksvorsteherin Tatjana Strohmaier, „den Auto-Verkehr in einen Ostheim-Tunnel zu packen und damit viele Probleme mit einem Schlag zu lösen“.

Kritik an der SSB AG

Ein Katzensprung war es von da zum SSB-Gelände an der Ostendstraße, das das Gremium seit anderthalb Jahrzehnten umtreibt und wo „nichts vorangeht“, wie mehrfach beklagt wurde. An der Straße entsteht mit dem in Sanierung befindlichen Depot-Gebäude zwar ein soziales Zentrum mit bunter Nutzung, auf dem Gelände dahinter aber hocke die SSB „wie auf Tafelsilber“. Von der Terrasse beim Bürgersaal hatte Mayer den Überblick – und schloss sich dem allgemeinen Votum an: „Es wäre sinnvoll, das Areal mit Wohnbebauung zu arrondieren.“

Konsens herrschte auch auf dem Schotterweg in der Ostendstraße, wo der Weg unsortiert ausfranst, das Grün vor sich hin kümmert und ein Trafohäuschen die Blickachse der historischen Allee via Villa Berg blockiert. „Das sieht sehr vernachlässigt aus“, stellte Mayer fest und ergänzte: „Wozu hat man eine Allee? Zum Flanieren und Verweilen. Das Potenzial ist überhaupt nicht genutzt.“ Ingrid Schwerdtfeger (Bündnis 90/Die Grünen) ergänzte: „Die Situation verschärft auch die Müllproblematik, denn hier scheint man ja sowieso auf nichts achten zu müssen!“

Eingebremst wurde die Runde von Mayer aber am Ostendplatz: Angesichts bereits realisierter Privatinvestitionen in einzelne Gebäude, einschließlich jenem am Schnittpunkt zwischen Haußmann- und Landhausstraße, das dem Wohnungsbauverein gehört, der nur noch dem Namen nach ein Verein ist, sah die Runde das historische Bild der Arbeitersiedlung bedroht – und forderte Aufkäufe durch die Stadt. „Da ist generell viel weniger möglich, als die meisten glauben“, sagte Mayer, „zum einen baurechtlich hinsichtlich der Gestaltung, zum anderen wegen des Gemeindewirtschaftsrechts, das der Stadt nur erlaubt, mit zehn Prozent über dem Verkehrswert zu erwerben. Angesichts der aktuellen Mondpreise sind wir da schnell raus.“

„Stuttgart 29“ heiß diskutiert

Ein Beispiel dafür bot sich gleich am Stöckachplatz, wo nun anstelle des einstigen Tanzschuppens ein Wohnungsbau steht. Die Wohnungen gingen problemlos weg, für 6000 Euro pro Quadratmeter. Das Gebäude fand Irene Köberle (Bündnis 90-SÖS/Linke-plus) „einfach scheußlich, denn städtebaulich stimmt da gar nichts!“ Einziger Trost: „Sieht besser aus als die Ruine vorher.“ Heiß diskutiert wurde zum Thema „Stuttgart 29“, wobei zunächst positiv registriert wurde, dass sich der Technische Ausschuss am Vortag dem Votum des Bezirksbeirates angeschlossen hatte, das Areal „Hauswirtschaftsschule“ nicht an einen Investor zu verkaufen, sondern die Neugestaltung selbst umzusetzen. Brisant erwies sich nach wie vor die Frage, wie für den künftigen Stöckachplatz angesichts des komplexen Verkehrsknotens samt Stadtbahnteiler „mehr Fläche“ gewonnen werden könnte. Den Verkehr über die Schiene leiten? Einen Tunnel bauen oder die Autos wenigstens partiell per „Underfly“ versenken, wofür Strohmaier plädierte? Dazu großräumigere Lösungen für den Straßenverkehr insgesamt? Alles offen – und das nächste Verkehrsgutachten kommt bestimmt!

Nicht minder brisant dann das Thema, das im Hof des Zeppelin-Gymnasiums aufschlug, wo eine Mensa mit Klassenräumen darüber gebaut wird: Gespart hatte man sich den Gang zum EnBW-Gelände, nicht aber die Verwunderung darüber, dass die EnBW wieder ausgestiegen ist aus den Verhandlungen zur Zukunft der über vier Hektar Fläche. Wobei diese Information nicht richtig ist: EnBW und Stadt sind nach Angaben eines Unternehmenssprechers nach wie vor im Dialog über das Thema Areal an der Hackstraße. Selbstredend denkt der Bezirksbeirat hier an Wohnbau. „Möglich wären hier mehrere hundert Wohnungen“, sagte der Stadtrat Christoph Ozasek (SÖS/Linke-plus). Der Verwaltungsbürgermeister, der für die Stadtbezirke zuständig ist, resümierte den Rundgang dann so: „Stuttgart-Ost hat eine große Entwicklungskraft und zeigt schon jetzt ein starke Aufwärtsentwicklung.“