Intendanten Marmor (NDR) und Boudgoust (SWR): „Die Wiederholungsquote wird sich erhöhen“. Foto: dpa

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk fordert mal wieder mehr Geld. Ob es deshalb zu einer weitereren Erhöhung der Rundfunkgebühren kommt, ist noch unklar.

Stuttgart - „Jeder Sender spart, wo es nur geht. Aber allmählich sind die Reserven aufgebraucht.“ Mit klaren Worten hat Lutz Marmor, Intendant des Norddeutschen Rundfunks (NDR) und amtierender Vorsitzender der ARD, am Dienstag auf die Finanzlage der ARD hingewiesen. Zwei Tage hatten die Senderfürsten unter der Regie von Marmor bei ihrer Herbsttagung eine lange Tagesordnung abgearbeitet, die Finanzen waren dabei ein beherrschendes Thema. „Wir sind sechs Jahre auf Nullkurs gefahren. Nach dieser langen Durststrecke ist eine Erhöhung deshalb angemessen“, wurde Marmor von Peter Boudgoust, Intendant des Südwestrundfunks (SWR), in der Forderung nach einem Gebührenzuschlag bestärkt.

Die Gebührenfrage ist seit Jahrzehnten ein heikles, alle vier Jahre wiederkehrendes Thema. 2013 hatte die Politik das System reformiert und aus der sogenannten Rundfunkgebühr die Haushaltsabgabe gemacht. Während es anfangs völlig unklar war, wie sich dieser Schritt auf die Gebührensumme auswirken würde, steht mittlerweile fest, dass ARD, ZDF und Deutschlandradio in der noch bis 2016 laufenden Gebührenperiode mit Mehreinnahmen von rund 1,59 Milliarden Euro rechnen können. Doch die öffentlich-rechtlichen Sender können nicht über das Geld frei verfügen, es ist gesperrt.

Ob und wie viel die Sender davon für die neue Periode ab 2017 erhalten, ist derzeit völlig offen. Die ARD hatte erst vor kurzem bei der zuständigen Kommission für den Finanzbedarf (KEF) ihren Finanzbedarf für den Zeitraum 2017 bis 2020 angemeldet. Dabei ist von 99 Millionen Euro pro Jahr die Rede. Denkbar ist, dass ein Teil der gesperrten Gelder mit den von den Sendern erhofften neuen Geldern verrechnet wird, damit der monatliche Rundfunkbeitrag nicht über die aktuellen 17,50 Euro hinaus angehoben werden muss. Eine Entscheidung darüber, das wurde am Mittwoch nach Abschluss der Intendantentagung in Stuttgart deutlich, dürfte aber erst im April nächsten Jahres fallen, wenn die Experten der KEF die Finanzwünsche der Öffentlich-Rechtlichen geprüft haben.

„Alle Sender bauen Personal ab“

Für Marmor und Boudgoust steht freilich schon jetzt fest, dass die Sender dringend Geld benötigen – allein um Preissteigerungen bei Löhnen, Strom und anderen Alltagskosten abzudecken, aber auch für die Weiterentwicklung der digitalen Dienste.

„Alle Sender der ARD bauen Personal ab“, betonte Marmor mit Blick auf die Personalkosten. Boudgoust verwies in diesem Zusammenhang auf die Anstrengungen des SWR, der seinen Personalstamm zuletzt auf nunmehr 3704 Angestellte reduziert habe. Trotz der Sparanstrengungen – Marmor: „Wir ringen manchmal um eine Ausgabe von 1000 Euro“ – nähere man sich dem Punkt, an dem der Zuschauer den Sparkurs spüren wird. „Die Wiederholungsquote wird sich erhöhen“, so der ARD-Chef über die unvermeidlichen Konsequenzen im Programm.

Parallel dazu bauen die Öffentlich-Rechtlichen ihre Kooperationsbemühungen aus. Marmor sagte, man habe sich mit dem ZDF auf eine engere Zusammenarbeit bei den Digitalkanälen verständigt. So werde der Nachrichtensender Tagesschau24 ab 2016 neben dem ARD-„Morgenmagazin“ nun auch in der jeweils anderen Kalenderwoche das ZDF-„Morgenmagazin“ übernehmen. Im Gegenzug stellt der NDR dem Kanal ZDF info weitere Dokumentationen zur Verfügung. Mit Blick auf den nach wie vor anhaltenden Flüchtlingsstrom nach Deutschland wird die ARD ihre Kooperation mit der Deutschen Welle ausbauen. Dabei geht es unter anderem um Filme zum politischen System der Bundesrepublik, die ins Arabische übersetzt wurden, aber auch um Beiträge, in denen Asylsuchende in ihrer Heimatsprache wichtige Informationen über ihre Rechte und Pflichten in Deutschland erhalten.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: