An heißen Sommertagen wird es nahezu unmöglich sein, die geltenden Abstandsregeln im Freibad einzuhalten. Foto: Michael Steinert/Archiv

Eigentlich könnten Wasserratten in diesen Tagen wieder im Freien planschen. Doch daraus wird wegen der Corona-Krise zunächst einmal nichts werden. Allerdings stirbt die Hoffnung auch hier zuletzt.

Esslingen/Nürtingen/Weilheim - Normalerweise gibt es für die Fans des feuchten Vergnügens spätestens von Mai an kein Halten mehr. Doch der Start in die Freibadsaison muss in diesem Jahr verschoben werden. Zu groß ist die Gefahr, dass sich Menschen in ihrer Freizeit mit dem Coronavirus infizieren. Mit jedem geschlossenen Tag entgehen den Bädern und den Kioskpächtern Einnahmen. Hinzu kommt, dass der Wunsch nach einer Öffnung der Bäder mit steigenden Temperaturen bei immer mehr Menschen größer wird. Eine Umfrage unter einigen Freibadbetreibern im Kreis Esslingen zeigt, dass die Verunsicherung groß ist.

Das Esslinger Neckarfreibad bleibt vorerst geschlossen, auf unbestimmte Zeit. „Wir sind in Wartestellung, im Stand-by-Modus sozusagen“, sagt der Sprecher der Stadtwerke Esslingen, Benjamin Fritz. Ursprünglich sollte das Bad am 1. Mai geöffnet werden. Die Corona-Verordnung des Landes sagt jedoch, dass die Freibäder mindestens bis zum 3. Mai geschlossen bleiben müssen. Dass es danach schnell losgehen kann, damit rechnet im Moment aber kaum jemand. Man brauche etwa eine Woche Vorlauf, wenn klar sei, wann geöffnet werden dürfe, sagt Fritz. Derzeit sei noch nicht einmal Wasser in den Becken. „Es ist eine schwierige Zeit“, sagt er.

In Berkheim wird das Bad gerade saniert

Anders ist die Situation beim Hallenfreibad in Berkheim. Dort laufen derzeit im vergangenen Sommer begonnene umfangreiche Sanierungsarbeiten. Insgesamt investieren die Stadtwerke neun Millionen Euro. Die Wiedereröffnung ist erst im kommenden Jahr geplant.

In Nürtingen sind die Verantwortlichen ebenfalls in Lauerstellung. „Wir warten auf die Festlegungen der Landesregierung für den Zeitraum nach dem 3. Mai“, erklärt die Sprecherin Susanne Weisheit vom Amt für Stadtmarketing, Wirtschaft und Tourismus. Welche Auswirkungen die Schließung habe, könne derzeit noch nicht abgeschätzt werden.

Weilheim hat viel Geld investiert

Auch das Inselbad in Zizishausen wird dem Schul- und Vereinssport erst nach Aufhebung der Betriebsuntersagung wieder zur Verfügung stehen. In der nächsten Gemeinderatssitzung am 12. Mai werden die Coronakrise und deren Auswirkungen behandelt. Dort sollen dann auch erste Zahlen und Hochrechnungen zu Ausfällen und Einnahmerückgang genannt werden.

Besonders bitter ist die Situation in Weilheim. „Wir rechnen nicht damit, dass wir, wie geplant, am 9. Mai eröffnen dürfen“, sagte der Bürgermeister Johannes Züfle. Dabei hatte Weilheim zuletzt stolze 4,23 Millionen Euro in sein Freibad investiert, das im vergangenen Jahr deshalb erst im August in die Saison starten konnte. Die neue Anlage sei nach der Winterpause wieder in Betrieb genommen worden, erklärt Züfle. Technisch stehe einer Öffnung also nichts im Weg. „Das Wasser ist im Becken“, bringt es der Schultes auf den Punkt. Auch die Menschen fragten danach, wann das Bad eröffne. „Viele würden gerne gehen“, ist sich der Bürgermeister sicher. Finanziell sei der Schaden allerdings überschaubar. Rund 250 000 Euro lässt sich Weilheim sein Freibad jährlich kosten. Durch die Schließung entgingen dem Bad zwar Einnahmen, dafür seien die Betriebskosten aber auch geringer, erklärt der Weilheimer Bürgermeister.

Nur 700 Gäste dürften baden

In Kirchheim hofft der Geschäftsführer der Stadtwerke, Martin Zimmert, dass das Freibad am 1. Juni eröffnet werden kann. Bis dahin herrsche vielleicht auch wieder etwas mehr Klarheit, wie ein Freibadbetrieb trotz Coronakrise aussehen könnte. Bei Beibehaltung der derzeit geltenden Hygienevorschriften sei ein Freibadbetrieb aber nur schwer aufrecht zu erhalten, gibt er zu bedenken.

Gleichzeitig steige der Druck zu eröffnen, wenn viele Menschen in diesem Sommer wegen möglicherweise anhaltenden Reisebeschränkungen nicht in den Urlaub fahren könnten. An einem warmen Tag im Sommer kämen 3000 bis 4500 Menschen ins Kirchheimer Bad. Sollten die Abstandsregeln weiterhin eingehalten werden müssen, könnten man aber nur rund 700 Menschen einlassen. Was dann passiere, wenn tausende Menschen an einem heißen Tag ins Freibad drängten und nicht ins Wasser springen dürften? „Das will ich nicht erleben“, sagt Zimmert.

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