Wolfgang Arnold hat Jahrzehnte für den Ausbau des Nahverkehrs in Stuttgart und der Region gearbeitet. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Der langjährige Vorstandssprecher und Technikchef der Stuttgarter Straßenbahnen AG verabschiedet sich mit 68 Jahren in den Ruhestand. Gelobt werden sein Fachwissen und das bescheidene Auftreten.

Stuttgart - Der Aufsichtsrat der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) und 351 geladene Gäste haben am Montag den SSB-Vorstandssprecher und gleichzeitig für die Technik verantwortlichen Vorstand Wolfgang Arnold in den Ruhestand verabschiedet – und die künftige Rolle der SSB bei der Bewältigung der Verkehrsprobleme betont. Arnold feierte an diesem Tag auch seinen 68. Geburtstag.

Höchstes Lob für den scheidenden Chef nicht nur mit Blick auf dessen Fachwissen kam vom Nachfolger Thomas Moser, 98 Stadtbahnwagen, zwei Betriebshöfe, so Moser, das sei die SSB-Zielzahl gewesen. Nun habe man bald 224 Wagen und vier Betriebshöfe. Das Fundament, auf dem die aktuellen Herausforderungen bewältigt werden könnten, habe Arnold gelegt. Er kam 1987 in den Betrieb, war seit 2000 Technikvorstand. Arnold sei ein „reflektierter Kopf mit werteorientiertem Menschenbild, mit Haltung und respektvoll im Umgang“. Die Co-Vorstandsmitglieder Stefanie Haaks und Sabine Groner-Weber sprachen von einer Zäsur.

Kuhn holte sich Rat bei Arnold

Die spürt auch OB Fritz Kuhn (Grüne), der sich beim SSB-Chef häufiger Rat einholte. Arnold neige zur Bescheidenheit, sei aber ein „genialer Netzwerker mit Autorität“, so Kuhn, sogar bei den Gegnern des Bahnprojekts Stuttgart 21 hoch angesehen. Er habe die SSB zur „Komfortmarke des öffentlichen Nahverkehrs in Deutschland“ ausgebaut. Verraten müsse Arnold ihm noch, wie der es geschafft habe, regelmäßig Besprechungen um 7 Uhr abzuhalten. Legendär, schilderten einige Redner im Waldaupark, waren auch die Sendezeiten seiner Mails, die öfter im Morgengrauen im elektronischen Postfach landeten.

Arnold sei „einer vom alten Schlag“, sagte Gerd Hickmann (Grüne) vom Verkehrsministerium. Einer, der von seiner Aufgabe durchdrungen sei, die Materie durchdringe und ein Verkehrsangebot „in exzellenter Qualität“ betreibe. Nur bei Stuttgart 21 könne er nicht verstehen, weshalb Arnold so hinter einem Projekt stehe, dass zwar 30 Prozent mehr Schienenverkehr ermöglichen werde, mit dem aber die nötige Verdoppelung nicht geschafft werden könne. Dafür brauche man Ergänzungen. „Für acht Milliarden hätte man mehr für den Schienenverkehr im Land erreichen können“, so Hickmann.

Qualität hoch halten

IHK-Hauptgeschäftsführer Johannes Schmalzl lobte in einer Grußbotschaft die Weitsicht Arnolds. Er habe die Wichtigkeit des Nahverkehrs früh erkannt. Das sei für die regionale Wirtschaft existenziell. Für den Dachverband der Verkehrsbetriebe in Deutschland (VDV) gehe „jemand verloren, der in der Branche seinesgleichen sucht“, sagte Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff. Der Betriebsratsvorsitzende Platon Karipidis lobte Arnolds „besonnene Art“.

„Mit verschärften Lob hatte ich schon immer ein Problem“, bekannte Arnold, er habe wohl auch zu wenig Lob an Mitarbeiter verteilt, wofür er um Verzeihung bitte. Für die Beschäftigten werde er in dieser Woche noch eine Vereinbarung zur lange bis vor Gericht strittigen Wegezeit paraphieren, dann aber freue er sich, die Weiterentwicklung der SSB als Fahrgast zu begleiten. „Halten Sie die Qualität hoch!“, ist sein Wunsch für den Ruhestand.

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