Rufus Wainwright "Wünschte, wäre Lulu gewesen"

Von Michael Tschernek 

Rufus Wainwright Foto: Kevin Westenberg/Promo
Rufus Wainwright Foto: Kevin Westenberg/Promo

Rufus Wainwright und der Liederzyklus „All Days Are Nights: Songs For Lulu“ - Ein Gespräch.

Stuttgart - Nur die Stimme und ein Klavier sind übrig. Rufus Wainwright, der bisher mit der Opulenz seiner Popentwürfe auffiel, versucht sich auf dem Album "All Days Are Nights: Songs For Lulu" an einem klassischen Liederzyklus.

Mr. Wainwright, wenn Sie jetzt Lieder für Lulu singen, denken Sie dann auch an die Figur, die Louise Brooks in dem Stummfilm "Die Büchse der Pandora" spielte?

Genau, ich denke vor allem an Louise Brooks und den Film von Georg Wilhelm Pabst. Aber auch an das Theaterstück von Frank Wedekind und die Oper "Lulu" von Alban Berg. Es geht um diese Vorstellung von einer Person, die so umwerfend ist, dass sie alles und jeden auf ihrem Weg zerstört. Ein bloßer Wimpernschlag von ihr genügt, um ganze Gebäude zum Einsturz zu bringen (lacht).

Hat diese Figur etwas mit Ihnen zu tun?

Das Witzige ist, dass ich mich früher selbst in dieser Rolle gesehen habe. In Wirklichkeit war ich es nie, aber ich wünschte mir, ich wäre Lulu gewesen. Da wollte ich hin, als ich jung war. Aber tatsächlich besaß ich nie eine derartig magnetische Anziehungskraft. Ich war sehr talentiert, aber ich war zu ... Nun ja, nicht zu nett, aber vielleicht zu aufgeräumt, um diese Rolle zu geben. Ich habe mich ein wenig zu sehr darum bemüht, ein Albtraum zu sein, ein wunderschöner Albtraum zu sein.

In drei Ihrer Songs vertonen Sie Sonette William Shakespeares.

Ich habe ja für Robert Wilson und das Berliner Ensemble die Musik zu zehn Shakespeare-Sonetten geschrieben. Die drei, die ich jetzt für mein Album ausgewählt habe, funktionierten am besten für das Klavier. Außerdem gefallen mir diese drei Sonette besonders gut. Insbesondere das Sonett 20, "A Woman's Face". Das ganze Album ist stark von meinen Erfahrungen am Theater beeinflusst. Das waren intensive Momente, die ich mit Wilson, aber auch mit meiner Oper "Prima Donna" und einem vollen Orchester erlebt habe.

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