Bei der Deutschen Bahn läuft es nicht mehr rund. In den konjunkturabhängigen Sparten stottert das Geschäft. Bahnchef Rüdiger Grube (dritter von links) muss beweisen, dass es sich nur um ein Zwischentief handelt. Foto: dpa

Bei der Deutschen Bahn läuft es nicht mehr rund. In den konjunkturabhängigen Sparten stottert das Geschäft. Bahnchef Rüdiger Grube muss beweisen, dass es sich nur um ein Zwischentief handelt.

Berlin - „Nur begrenzt optimistisch“ schaut Rüdiger Grube auf die nächsten Monate. „Sorgen und Kopfzerbrechen“ plagen Richard Lutz. Der Vorstandschef der Deutschen Bahn und sein Finanzmanager sprechen an diesem Donnerstag von hoher Unsicherheit und ungelösten Problemen. Gemeint ist damit nicht nur die Konjunkturschwäche in weiten Teilen Europas, sondern auch ein Branchenproblem: Die Bahn bekommt keine neuen Fernzüge auf die Schiene, weil sie nicht geliefert werden. Nach einem durchwachsenen ersten Halbjahr sind auch die Aussichten für die zweite Hälfte eher trübe.

So ist noch nicht absehbar, was das Juni-Hochwasser die Bahn am Ende kosten wird. Es könnten 500 Millionen Euro sein, deutet Infrastruktur-Vorstand Volker Kefer an. Die Bahn setzt darauf, dass der Eigentümer Bund die Kosten für die Reparaturen übernimmt. Schwerer wiegt für den Verkehrskonzern aber, dass die Strecke Berlin-Hannover noch immer an einer Elbebrücke unterbrochen ist. Das führt zu Umleitungen und deutlich längeren Fahrzeiten, was die Kunden nervt, auch wenn es nun einen Ersatzfahrplan gibt. Bleibt es noch monatelang bei diesem Zustand, steigen Kunden vielleicht vom Zug auf Auto, Bus oder Flugzeug um.

Schon bis Ende Juni konnten 32.700 Züge nicht planmäßig fahren, 1600 fielen aus, bilanziert Grube, und er nennt die Riesenzahl von 400 000 Verspätungsminuten als Folgen der Flut. Wie von ihm gewohnt, bedankt sich der Bahnchef „für die Geduld und das Verständnis unserer Kunden“. Ulrich Homburg, im Vorstand für den Personenverkehr zuständig, macht gleich klar, dass es trotz der Umwege keine Fahrpreisermäßigung geben werde. Kostenlose Zeitungen auch für die zweite Klasse und Reclam-Heftchen sollen als kleiner Ausgleich genügen.

Der Mangel an einsatzbereiten ICE und anderen Zügen hemmt die Bahn

Der Mangel an einsatzbereiten ICE und anderen Zügen hemmt die Bahn immer mehr. Schuld sind Lieferprobleme der Hersteller Siemens und Bombardier und komplizierte Zulassungsverfahren. Nun wird zwar ein Projektteam mit Vertretern von Industrie, Bahn und Eisenbahn-Bundesamt (EBA) auf die Beine gestellt, das Hand in Hand arbeiten soll, wie Kefer berichtet. Aber Kollege Homburg hat keine Hoffnung mehr, dass er zu Beginn des Winterfahrplans 2013/14 im Dezember neue ICE einsetzen kann. Die ersten acht dieser 16 bestellten Schnellzüge standen Ende 2012 kurz vor der Zulassung, bevor bei Probefahrten Software-Fehler auftauchten.

Grube und Lutz betonen bei der Vorlage der Sechsmonatszahlen auffällig, dass die Anfang 2012 verkündete Strategie bis zum Jahr 2020 weiterhin richtig sei. Dazu gehört eine höhere Kundenzufriedenheit, mehr Ökostrom für die Bahn, ein attraktiverer Arbeitgeber zu werden, aber eben auch eine erfolgreiche Transport- und Logistiksparte. Den Umsatz auf 70 Milliarden Euro zu verdoppeln, rief Grube damals als Ziel aus - gerade war der tiefe Absturz des Jahres 2009 überwunden. Dabei sollten nur 10 Milliarden durch Zukäufe hereinkommen, der Rest aus eigener Kraft.

Wenn nun nichts Überraschendes herauskommt, muss Grube in diesem Jahr mit Nullwachstum leben und mit einem deutlich kleineren Gewinn. Finanzchef Lutz erwartet 2,2 Milliarden Euro vor Zinsen und Steuern, das wären 500 Millionen Euro weniger als im vergangenen Jahr. Fast genau diese Summe, 525 Millionen, hat die Bahn dem Bund für das Jahr 2012 als Dividende gezahlt. Kein Wunder, dass jetzt die Frage auftaucht, ob die Ausschüttung gestrichen werden muss. Lutz hält sie für verfrüht, außerdem müsse das die Bundesregierung entscheiden. „Wir haben da bisher immer verantwortliche und vernünftige Entscheidungen getroffen“, zeigte sich der Manager diplomatisch.

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