Abschied im Juni: die SPD-Kovorsitzende Saskia Esken Foto: Kay Nietfeld

Saskia Esken wird nicht erneut für den Vorsitz der SPD antreten. Damit geht eine ungewöhnliche Karriere in der Spitzenpolitik zu Ende. Gerade in den vergangenen Wochen war die Debatte um Esken hässlich geworden.

Es klingt jetzt alles so leicht und selbstverständlich. Sie habe, so sagt es Saskia Esken, „in den vergangenen sechs Jahren die große Freude und die große Ehre gehabt, die SPD als Parteivorsitzende zu führen“. Eine „altehrwürdige und quicklebendige Partei“, fügt die 63-Jährige hinzu. Dann sagt sie den entscheidenden Satz: „Ich gebe jetzt mein Parteivorsitzendenamt auf und mache Platz für die Erneuerung.“

 

Damit ist klar: Esken tritt beim Parteitag im Juni nicht noch einmal an. Und sie macht gute Miene zu dem, was sie als böses Spiel gegen ihre Person empfunden haben muss. Denn an Esken ist in den vergangenen Wochen in der SPD immer wieder harte Kritik geübt worden – es wurde hart gegen die Vorsitzende geschossen.

Sie wäre gern Entwicklungshilfeministerin im Kabinett geworden. Doch ihr Co-Parteichef und viele andere in der SPD, darunter mehrere Ministerpräsidenten, wollten das nicht. Am Ende musste Esken, die zuvor in den Koalitionsverhandlungen auf ihre Rolle als Parteichefin gepocht hatte, sich geschlagen geben.

Eine Vorsitzende und ihre Geschichte

Um zu verstehen, warum Esken in der SPD so polarisiert, muss man auch wissen, wie sie Parteichefin geworden ist. Als im Jahr 2019 Andrea Nahles als Vorsitzende stürzte, entschied die SPD in einem Mitgliedervotum über den Parteivorsitz. Esken bewarb sich gemeinsam mit dem früheren nordrhein-westfälischen Finanzminister Norbert Walter-Borjans als Doppelspitze. Mit der Unterstützung von Juso-Chef Kevin Kühnert gewannen die beiden. Esken war damals eine Hinterbänklerin im Bundestag. Ihr schlugen Missachtung und teils auch Verachtung aus der Fraktion entgegen.

Esken ist in Stuttgart geboren und in der Nähe von Böblingen aufgewachsen. Sie war die Erste in der Familie, die eine Universität besucht hat – brach das Studium aber ab, tourte als Straßenmusikerin und schlief im Auto. Sie kellnerte, trug Pakete aus und ließ sich zur Informatikerin ausbilden. 2013 zog sie erstmals in den Bundestag ein. Bevor sie Parteichefin wurde, war ihr höchstes Amt das der stellvertretenden Vorsitzenden des Landeselternbeirats in Baden-Württemberg.

Zur Überraschung vieler auch in der SPD überlebte Esken an der Parteispitze der SPD. Mehr noch: Nachdem Walter-Borjans und sie den zuvor im Kampf um die Parteispitze besiegten Scholz zum Kanzlerkandidaten gemacht hatten, gewann dieser die Bundestagswahl 2021. Das geräuschlose Teamspiel in der SPD hatte viel mit dem Einsatz von Saskia Esken zu tun. Scholz konnte sich als Kanzler auch dank ihr stets darauf verlassen, keine gravierenden Probleme mit dem linken SPD-Parteiflügel zu bekommen.

Zugleich ist Saskia Esken, wie auch Lars Klingbeil, dafür verantwortlich, dass Scholz im Jahr 2025 in weitgehend aussichtsloser Lage noch mal antreten durfte – obwohl die SPD mit Verteidigungsminister Boris Pistorius den beliebtesten Politiker Deutschlands in ihren Reihen hatte. Es war ein kapitaler Fehler.

Was Befürworter und Gegner sagen

Eskens Befürworter – es wurden zum Schluss immer weniger – führten neben ihrer innerparteilichen Integrationsleistung immer auch an, dass diese sich in ihren Fachgebieten, unter anderem der Bildungspolitik, hervorragend auskenne. Das war nach Eskens Wahl zur Parteichefin auch der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel aufgefallen, die gemeinsam mit Esken einen Bildungsgipfel veranstaltete. Esken machte sich unter anderem für ein 100-Milliarden-Euro-Sondervermögen für die Bildung stark. Auch für die Infrastruktur forderte sie große Summen. Man kann nicht sagen, dass ihre Ideen keinerlei Spuren hinterlassen hätten.

Ihre Gegner verwiesen immer wieder darauf, dass Esken ihren Wahlkreis – anders als Co-Chef Klingbeil – nie direkt gewonnen habe. Ihr Wahlkreis Calw ist für eine Sozialdemokratin zwar praktisch kaum zu gewinnen. Doch die zuletzt nicht einmal 13 Prozent der Erststimmen sind für eine Sozialdemokratin auch hier dürftig. Eskens größte Schwäche waren verpatzte Auftritte im Fernsehen. Aus der Partei gab es sogar mal die Forderung nach einem „Talkshow-Verbot“ für die Vorsitzende. Solche Anwürfe dürften ihr künftig erspart bleiben.