Wolfgang Drexler hat sich bleibende Verdienste um die Stadt erworben. Foto: Michael Steinert

Jahrzehntelang hat sich der SPD-Politiker Wolfgang Drexler als Stadtrat, Kreisrat und Landtagsabgeordneter für seine Heimatstadt Esslingen engagiert. Demnächst wird sich der 75-Jährige aus dem Rathaus verabschieden. Einstimmig hat der Gemeinderat entschieden, ihm die Ehrenbürgerwürde zu verleihen.

Esslingen - Es gibt nicht viele, die Esslingen so geprägt haben wie er. Ein halbes Jahrhundert lang hat Wolfgang Drexler seine Heimatstadt im Kreistag vertreten, er saß seit 1975 für die SPD im Gemeinderat, war mehr als drei Jahrzehnte lang Landtagsabgeordneter und hat weit über die Grenzen der Stadt hinaus gewirkt – politisch, sportlich und kulturell. Und er war in all den Jahren immer für die Menschen da. Nun muss sich der 75-Jährige aus der ersten Reihe zurückziehen: Nach einem Schlaganfall ist Drexler in der Rekonvaleszenz. Weil er mehr auf seine Gesundheit achten muss, verabschiedet er sich nicht nur aus dem Kreistag, sondern am 20. Dezember auch aus dem Gemeinderat. Zum Abschied, der einem Vollblut-Politiker wie ihm überaus schwerfällt, hat der Gemeinderat in bemerkenswerter Einmütigkeit beschlossen, Drexler mit der Ehrenbürgerwürde auszuzeichnen.

 

Vielfältige Verdienste

Wer Drexlers Verdienste aufzählen will, braucht einen langen Atem. Denn der überzeugte Sozialdemokrat hat sich auf vielfältige Weise engagiert – auch weit über die Politik hinaus. Für viele Esslingerinnen und Esslinger war und ist es ein gutes Gefühl, dass da einer ist, der nicht nur zuhört, sondern auch anpackt. Und der auch denen seine Stimme leiht, die sonst kein Gehör finden. Ob anfangs bei den Pfadfindern oder später im Kreisjugendring, ob als Stadtrat, Kreisrat oder SPD-Landtagsabgeordneter und -Fraktionschef, ob als Landtagsvizepräsident, als Vorsitzender des Fördervereins Nord, als Chef des FC Esslingen oder als Präsident des Schwäbischen Turnerbundes – Drexler war stets zur Stelle. Er ist glänzend vernetzt und kennt das politische Geschäft wie kaum ein anderer. Und er hat ein feines Gespür dafür, wenn sich Bürgerinnen und Bürger übergangen fühlen – wie bei der Standort-Entscheidung zur Stadtbücherei, die dank seiner Initiative mit fulminanter Mehrheit per Bürgerentscheid korrigiert wurde.

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„Ich habe mich immer für eine tolerante, weltoffene und solidarische Gesellschaft eingesetzt“, hat Drexler an seinem 70. Geburtstag erklärt. Und er hat Haltung bewiesen, auch wenn ihm der Wind frontal ins Gesicht blies. Weil er die Menschen mag – und weil es Ehrensache für ihn war und ist, sich für sie einzusetzen. Deshalb hat er sich selbst nie geschont und sich mit ganzer Kraft engagiert. Sich selbst einen politikfreien Sonntag zu gönnen, wäre ihm nie in den Sinn gekommen. Und er wird sich gewiss auch in Zukunft zu Wort melden, wenn es gilt, sich für Esslingen und seine Mitbürger stark zu machen. Grüne, SPD, Freie Wähler, CDU, FDP und Linke haben die Ehrenbürgerwürde für Drexler gemeinsam beantragt, weil er sich „in ganz besonderer Weise um seine Heimatstadt verdient gemacht“ habe. Er habe stets ein offenes Ohr für die Anliegen der Bürger, kenne dabei keine Parteigrenzen und habe sich den Ruf erworben: „Der kümmert sich darum.“ Sein politisches und gesellschaftliches Lebenswerk verdiene diese besondere Auszeichnung. Coronabedingt wird Drexler das Ehrenbürgerrecht erst 2022 verliehen.

Stimmen zur Ehrenbürgerwürde für Wolfgang Drexler

Oberbürgermeister Matthias Klopfer „Wer Wolfgang Drexler kennt, weiß, dass er Esslingen 365 Tage im Jahr lebt. Durch sein Engagement ist er eine der prägendsten Figuren der Stadtgeschichte der letzten 50 Jahre und einer der profiliertesten Kommunalpolitiker Baden-Württembergs. Die Bürgerinnen und Bürger haben ihn immer wieder mit herausragenden Ergebnissen in Gemeinderat und Kreistag gewählt und so deutlich gemacht, welch hohe Wertschätzung er genießt.“

Carmen Tittel (Grüne) „Wolfgang Drexler hat sich in vielfältiger Weise zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger eingesetzt. Er war und ist Ansprechpartner für viele: Mitglied und Förderer in Sport- und Kulturvereinen, im Einsatz für die jüdische Gemeinde und für unsere Städtepartnerschaften und vieles mehr. Er ist ein Kümmerer, auch wenn es um Profanes wie zum Beispiel eine nicht funktionierende Straßenlaterne geht. Er hat alle Themen bespielt und sich unermüdlich für „seine“ Stadt eingesetzt. Wer, wenn nicht er, sollte die Ehrenbürgerwürde erhalten?“

Nicolas Fink (SPD) „Wolfgang Drexler hat stets für alle ein offenes Ohr und steht im Ruf, seine Versprechen zu halten: ‚Der Drexler kümmert sich drum.’ Wir ehren Mr. Esslingen. Dass sich der Gemeinderat einstimmig für diese Auszeichnung ausgesprochen hat, ist ein gutes Zeichen für die politische Kultur in Esslingen: Leistung wird anerkannt. Dahinter verschwinden die oft kleinen und kleinlichen Dinge, die uns trennen.“

Annette Silberhorn-Hemminger (Freie Wähler) „Auch wenn Politik sein Beruf war, so war es für Wolfgang Drexler immer mehr Berufung als Job. Mit seinem außergewöhnlichen Gespür für politische Themen und seinen unorthodoxen Aktionen erreichte er Aufmerksamkeit für Anliegen, die die Menschen umtrieben. Ich habe den politischen Schlagabtausch mit ihm sehr genossen.“

Jörn Lingnau (CDU) „Wolfgang Drexler hat sich in vielen Vereinen und Organisationen engagiert. Als Gemeinderat war er für mich ein zuverlässiger Ansprechpartner, mit dem man auch ohne parteipolitische Scheuklappen gemeinsame Anliegen voranbringen konnte. Der Bürgerschaft wird der große ‚Kümmerer’ fehlen.“

Rena Farquhar (FDP) „Wolfgang Drexler hat in außergewöhnlicher Weise das gesellschaftliche Leben in Esslingen weitergebracht, die Stadt vorangebracht und geprägt. Er ist immer nah an den Menschen und ihren Problemen. Ein echter Esslinger Bürger und Politiker zum Anfassen. Und er hat sich mit der Bibliothek ein kleines Denkmal gesetzt.“

Tobias Hardt (Linke) „Ein Tag hat nur 24 Stunden, außer der von Wolfgang Drexler. Uns verbindet das Engagement für den Erhalt des Standortes der Stadtbücherei. Beim Gewinn des ersten Esslinger Bürgerbegehrens bewies er in einem guten Team Spielmacherqualitäten. Drexler ist als Kümmerer bekannt, unbequem und streitbar.“

Ein kleiner Kreis von Auserwählten

Gewürdigt
 Die Ehrenbürgerwürde ist die höchste Anerkennung, die eine Kommune aussprechen kann. Geehrt werden Personen, die sich in herausragender Weise um das Wohl der Bürger oder das Ansehen ihrer Gemeinde verdient gemacht haben.

Verdient
 Als es die Ehrenbürgerschaft noch nicht gab, konnten verdiente Zeitgenossen das Esslinger Bürgerrecht ehrenhalber erhalten. Diese Auszeichnung wurde dem Landtagsabgeordneten Joseph Apollinaris Honoratus von Theobald (1819) und dem Mitbegründer des Schwäbischen Sängerbundes, Karl Pfaff (1841), zuteil.

Offiziell
Den Titel eines Esslinger Ehrenbürgers erhielten der Oberamtsarzt Paul Kapff (1882), der Direktor der Maschinenfabrik Esslingen, August Ehrhardt (1897), der Fabrikant und Stifter des Merkelschen Schwimmbads, Oskar Merkel (1907), der Vertreter von OB Mülberger im Ersten Weltkrieg, Ernst Schwarz (1919), der Oberbürgermeister Max von Mülberger (1928), der Fabrikant Paul Dick (1931), der frühere Oberesslinger Schultheiß und Stadtkämmerer Georg Deuschle (1952) und der frühere OB Eberhard Klapproth (1996).

Entzogen
Wegen unwürdigen Verhaltens wurde die Esslinger Ehrenbürgerschaft nach 1945 dem früheren NS-Reichsstatthalter Wilhelm Murr und dem Dichter und Ex-NS-Kulturwart Georg Schmückle entzogen.  

Designiert
Wolfgang Drexler wurde 1946 geboren und gehört seit 1975 dem Esslinger Gemeinderat an. Hinzu kommen 50 Jahre im Kreistag und mehr als drei Jahrzehnte als Abgeordneter im Landtag. Er ist Mitglied im Beirat der Galgenstricke, Vorsitzender des Fördervereins Esslingen-Nord, Vorsitzender des FC Esslingen und Präsident des Schwäbischen Turnerbunds.