Die CDU fordert Youtuber Rezo zum Gespräch auf Foto: Gregor Fischer/dpa

Die millionenfach geklickte Kritik des Youtubers Rezo wollte die CDU zunächst mit einem eigenen Video kontern. Dafür wurden bereits Aufnahmen mit dem 26-jährigen Bundestagsabgeordneten Philipp Amthor gemacht. Doch es kam anders.

Berlin - Eine geplante Videoantwort der CDU mit dem 26-jährigen Bundestagsabgeordneten Philipp Amthor auf den millionenfach angeklickten Clip des Youtubers Rezo wird es doch nicht geben. Das erfuhr unsere Zeitung am Donnerstag aus Parteikreisen. Dabei waren schon Aufnahmen mit Amthor für die Erwiderung gedreht worden. Stattdessen äußerte sich CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak am Donnerstag auf Twitter und forderte Rezo zum Gespräch auf.

„Wir machen das in der CDU seit 70 Jahren: Wir zerstören einander nicht, sondern wir hören einander zu, wir reden miteinander, wir finden gemeinsame Lösungen“, erklärte Ziemiak. „Wir machen nicht alles richtig. Du hast Kritikpunkte benannt, die berechtigt sind“, räumte der CDU-Politiker ein. „Wir können beim Klimaschutz noch mehr tun, mit besseren Technologien und guten Ideen.“

Video millionenfach aufgerufen

Rezo hatte seinem fast einstündigen Youtube-Video den Titel „Die Zerstörung der CDU“ gegeben. Bis Donnerstagmittag wurde der Clip fast fünf Millionen Mal abgerufen. Darin geht Rezo hart mit der CDU ins Gericht und wirft ihr unter anderem Lügen, Inkompetenz und soziale Ungerechtigkeit vor. Klar sei, dass die CDU „aktuell unser Leben und unsere Zukunft zerstört“, wirft er der Partei vor.

Der Youtuber kritisiert etwa die Klima-, die Sozial- und die Friedenspolitik der Union, schont aber auch andere Parteien nicht. Viel Zeit widmet er der Umweltpolitik und nicht eingehaltenen Klimazielen. Rezo führt zahlreiche Statistiken und Videoausschnitte an, um seine Kritik zu belegen.

Ziemiak räumt Fehler ein

Die Lösungen im Bereich Klimaschutz müssten so sein, „dass die Menschen in Deutschland unseren Weg akzeptieren und nicht aus Wut über Preise und Vorschriften zu ‚Gelbwesten’ werden“, twitterte Ziemiak am Donnerstag. „In der Diskussion um Uploadfilter haben wir nicht den richtigen Ton angeschlagen, das können wir besser“, gab der CDU-Generalsekretär zu. Er bezog sich dabei auf die gerade von vielen jungen Leuten kritisierte EU-Urheberrechtsreform, durch Einschränkungen bei der Meinungsfreiheit im Netz befürchtet werden.

Das Rezo-Video war am Samstag hochgeladen worden, die CDU schwieg zunächst dazu. Nachdem die Clickzahlen in die Millionen gingen, reagierte CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak am Mittwoch und warf Rezo eine „Vermischung von Pseudofakten“ vor. Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer sagte, sie habe sich gefragt, warum die CDU nicht auch noch für die biblischen Plagen verantwortlich gemacht werde.

Auch Amthor soll an Treffen teilnehmen

„Man kann man uns natürlich kritisieren, man kann die CDU wählen oder nicht wählen – aber einfach alle Parteien und Politiker oder die Wählerinnen und Wähler der CDU in einen Sack zu stecken und für dumm oder inkompetent zu erklären, dagegen trete ich entschieden ein“, erklärte Ziemiak am Mittwoch. Denn „Populismus, Beleidigungen und falsche Vereinfachungen“ gebe es in den sozialen Netzwerken und in der Politik schon mehr als genug. Ihn beunruhige aber, wie viele junge Menschen sich das anschauten, räumte der 33-jährige Ziemiak ein.

Nun zeigte sich der CDU-Generalsekretär versöhnlicher: „Lass uns über Deine Kritik an der CDU sprechen aber bitte höre auch uns zu, wie wir die Dinge sehen“, rief Ziemiak den Youtuber am Donnerstag zum Dialog auf. „Nicht als Show sondern so wie die meisten Menschen bei uns: aus Sorge über unsere Zukunft und über Wege unseren Planeten zukunftsfest zu machen, über Ideen für bessere Lösungen.“ An einem möglichen Treffen werde auch Amthor teilnehmen, kündigte Ziemiak an und beendete seine Tweet-Serien mit „Dein Paul“.

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