Die Naturwissenschaften werden im neuen neunjährigen Gymnasium mit zusätzlichen Wochenstunden gestärkt. Foto: picture alliance / Daniel Karmann/dpa/dpa

Das Kultusministerium hat Einzelheiten zur Schulreform bekannt gegeben. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum neuen G9 im Überblick.

Der erste Reigen von Elternabenden ist vorbei. Und viele Mütter und Väter aus Stuttgart hatten Fragen zum neuen neunjährigen Gymnasium. Dieses wird vom kommenden Schuljahr an die Regelform sein, und zwar aufwachsend mit den Klassen 5 und 6. Das bedeutet, die Schulreform betrifft alle Kinder, die aktuell in der fünften Klasse oder jünger sind. Viel mehr konnten die Lehrkräfte und Schulleitungen auf den Elternabenden aber noch nicht sagen. Inzwischen hat das Kultusministerium aber einige Eckpunkte zum neuen G9 auf seiner Internetseite veröffentlicht. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

 
Das G8 in Baden-Württemberg soll bald Geschichte sein, allerdings haben die Schulen die Möglichkeit, auch künftig G8-Züge anzubieten. Foto: dpa/Armin Weigel

Ist das neue G9 ein gestrecktes G8?

Nein. Das Ministerium hat in den vergangenen Monaten zusammen mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft und Praxis die Anforderungen an ein neues G9 definiert. So sollen den Kindern wichtige Kompetenzen und Fähigkeiten vermittelt werden, um die Herausforderungen der Zukunft meistern zu können. Das neue G9 umfasst fünf zentrale Innovationen. Gestärkt werden:

  • die Grundlagenfächer Deutsch und Mathematik
  • der naturwissenschaftliche Bereich
  • die Demokratiebildung
  • die berufliche Orientierung
  • sowie die Lern- und Leistungsentwicklung durch ein individuelles Mentoring

Was gilt künftig für Mathe und Deutsch im künftigen G9?

Bisher waren es in Mathe und Deutsch jeweils 24 Wochenstunden, verteilt auf die Klassenstufen 5 bis 10. Künftig sind es 26 Wochenstunden, verteilt auf die Klassenstufen 5 bis 11. Die Stärkung der Grundlagenfächer, vor allem in der Unterstufe, geht einher mit einer verbindlichen Verankerung einer leistungsbezogenen Differenzierung. Dies soll die Entwicklung individueller Stärken und die Kompensation von Schwächen ermöglichen.

Was verändert sich im naturwissenschaftlichen Bereich?

Im neuen G9 wird „Informatik und Medienbildung“ durchgängig von Klasse 5 bis 11 zum Pflichtfach. Es gibt nur noch das Profilfach „Naturwissenschaft und Technik“ (NWT). Das Profilfach „Informatik, Mathematik, Physik“ (IMP) wird eingestellt. Es gibt mehr Wochenstunden in den Fächern Biologie, Chemie und Physik. Das Fach „Biologie, Naturphänomene und Technik“ (BNT) in Klasse 5 und 6 wird aufgelöst, die entsprechenden Wochenstunden werden dem Fach Biologie zugeschlagen.

Wie bekommt die Demokratiebildung im neuen G9 mehr Gewicht?

Die Demokratiebildung soll mit einem neuen Konzept gestärkt werden. Es umfasst die Klassen 5 bis 11. In den Klassen 5 und 6 wird das Thema verbindlich in den Klassenlehrerstunden aufgegriffen. Darauf folgt der Schwerpunkt „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE) als Projektunterricht, angebunden an das Fach Geografie. In der Oberstufe kann der Schwerpunkt Demokratiebildung mit einem zusätzlichen Projektkurs in Klasse 11 vertieft werden, angedockt an das Fach Gemeinschaftskunde.

Wie wird die berufliche Orientierung gestärkt?

Das Fach „Wirtschaft/Berufs- und Studienorientierung“ (WBS) beginnt weiterhin in Klasse 8 und wird um neue, verbindliche Praktikumselemente zur beruflichen Orientierung erweitert. So soll die Berufswahlkompetenz der Schülerinnen und Schüler erhöht werden.

Wie sieht das individuelle Mentoring aus?

Im neuen G9 soll die fachübergreifende individuelle Lern- und Leistungsentwicklung der Schülerinnen und Schüler gefördert werden, und zwar durch ein systematisches Mentoring. Dieses ist an allen Gymnasien verbindlich. Es fokussiert auf die Klassen 7 und 10, also auf den Übergang von der Unter- zur Mittelstufe sowie den Übergang von der Mittel- zur Oberstufe. Das Ziel ist es, die fachübergreifende individuelle Lern- und Leistungsentwicklung zu stärken.

Inwiefern werden die Schüler bei G9 entlastet?

Im neuen G9 haben die Schülerinnen und Schüler weniger Wochenstunden pro Schuljahr als bisher und damit wohl vor allem weniger Nachmittagsunterricht. Laut der vom Ministerium veröffentlichten Stundentafel gilt:

  • fünfte Klasse 28 Wochenstunden und damit eine weniger als bisher
  • sechste Klasse 29 Wochenstunden und damit zwei weniger als bisher
  • siebte Klasse 29 Wochenstunden und damit genauso viele wie bisher
  • achte Klasse 31 Wochenstunden und damit vier weniger als bisher
  • neunte Klasse 32 Wochenstunden und damit drei weniger als bisher
  • zehnte Klasse 33 Wochenstunden und damit drei weniger als bisher
  • in der elften Klasse soll es 33 Wochenstunden geben

Allerdings sind bei dieser Rechnung die Poolstunden, die jede Schule individuell und entsprechend ihres Profils einsetzen kann, nicht berücksichtigt.

Wie sieht die Stundentafel im neuen G9 aus?

Künftig gibt es eine verbindliche Stundentafel für die Klassen 5 bis 11. In ihr sind je Fach und Stufe die entsprechenden Wochenstunden festgelegt. Dies soll einen eventuellen Schulwechsel erleichtern und zu einer landesweit einheitlichen Qualitätssicherung und -entwicklung an Schulen beitragen. Die einzelnen Schulen brauchen und können keine eigenen, schulspezifischen Stundentafeln mehr erarbeiten.

Gibt es künftig nur noch G9?

Nein, es gibt weiterhin die Möglichkeit, in acht Jahren zum Abitur zu gelangen. Die Gymnasien können eigenverantwortlich entscheiden, ob sie beim Regierungspräsidium einen Antrag zur Einrichtung eines G8-Zuges stellen. Staatliche Schulen, an denen es nur G8 gibt, soll es aber nicht geben.

Was passiert mit den bisherigen G9-Modellschulen?

An den 43 G9-Modellschulen erfolgt ebenfalls ab dem Schuljahr 2025/2026 die Umstellung auf das neue neunjährige Gymnasium, und zwar ebenfalls beginnend mit den Klasse 5 und 6.

Wie geht es auf dem politischen Weg jetzt weiter?

Der Gesetzentwurf befindet sich in der Anhörungsphase. Im Anschluss wird er noch einmal dem Kabinett vorgelegt, bevor der Landtag über den Gesetzentwurf entscheidet. Dies ist für Ende Januar 2025 vorgesehen.