Winfried Kretschmann hielt immer schon große Stücke auf Boris Palmer. Foto: dpa/Bernd Weissbrod

Es ist kein Geheimnis, dass Winfried Kretschmann große Stücke auf Boris Palmer hält. Am Mittwochabend hat er auf Nachfrage erneut seine Sympathien für den Tübinger Oberbürgermeister bekundet. Aber wie realistisch ist eine Rückkehr in die Partei?

Es ist erst etwas mehr als ein Jahr her, dass Boris Palmer bei den Grünen ausgetreten ist. Doch es gibt nach wie vor Parteimitglieder, die ihm nachtrauern. „Es wäre schön, wenn er wieder zurückkehrt“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann bei der Aufzeichnung des Podcasts „Alles gesagt?“ der Wochenzeitung „Die Zeit“ in Stuttgart. Kretschmann hatte nie einen Hehl daraus gemacht, wie er zu Palmer steht. Schon nach dessen Austritt nach einem umstrittenen Judenstern-Vergleich, sagte er. „Persönlich tut es mir leid um diesen klugen Kopf, der unsere Partei über eine sehr lange Zeit streitbar bereichert hat.“

 

Erst im Juni hatte auch der als Kretschmann-Nachfolger gehandelte Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir – ebenfalls bei einer Veranstaltung der „Zeit“-Verlagsgruppe gesagt, er würde sich wünschen, dass es einen Weg zurück gebe. „Menschen für immer abschreiben, das sollte man ganz selten machen.“ Allerdings stellte Özdemir Bedingungen: „Natürlich würde ich mich freuen, wenn er sagt: ‚Ich lasse mir helfen, ich höre jetzt auf mit dem Blödsinn, dass ich nachts um zwölf Uhr bei Facebook mir Schlachten liefere mit irgendwelchen Leuten und konzentriere mich auf meinen Job.’“

Palmer bemüht sich um Besonnenheit

Das scheint Palmer nur in Teilen beherzigen. Auf die Anfrage unserer Zeitung, was er zur Äußerung Kretschmanns sage, antwortet er zwar sehr besonnen, er müsse erst mit ihm sprechen.

Gleichzeitig kann er sich auf Facebook nach dem Austritt des Bundesvorstands der Grünen Jugend aus der Partei nicht zurückhalten und kommentiert die Gründung einer neuen linken Jugendbewegung als einen „historisch richtigen Schritt“. Dabei will der hiesige Landesvorstand der Grünen Jugend einfach weitermachen wie bisher.

Ganz abgeschlossen mit den Grünen hat sich Palmer ganz offensichtlich noch nicht. Im Juni erwidert er auf die Aussage Özdemirs: „Eine Entwicklung, an deren Ende ich wieder respektiertes Mitglied der Grünen sein könnte, wäre für beide Seiten gut.“

Doch ob der Tübinger Oberbürgermeister nach den Schlachten in den eigenen Reihen mit offenen Armen empfangen wird, ist offen. Im baden-württembergischen Landesvorstand war bereits die Rede von abgebrochenen Brücken, deren Aufbau eine Mammutaufgabe wäre, zumal Palmer bei der Kommunalwahl für die freien Wähler im Kreistag kandidierte. Am Donnerstag reagierte der Grünen-Vorstand auf die Frage, wie man zu einer Rückkehr Palmers stehe, nur schmallippig: „Dieses Thema ist keines, das uns aktuell beschäftigt.“ Die Grünen haben mit der Rücktritt ihres eigenen Bundesvorstands ganz offensichtlich aktuell andere Sorgen.