Eine Radiologin analysiert in ihrem Büro in der Lungenklinik Gauting die Röntgenbilder der Lunge einer aus der Ukraine geflüchteten Person. Die in der Pandemie stark belasteten Gesundheitsämter in Deutschland sehen sich angesichts der Ankunft von Flüchtlingen aus der Ukraine mit Zusatzaufgaben konfrontiert. Foto: Balk

Sie schien nahezu ausgerottet zu sein, doch nun wird wieder häufiger von Infektionen mit der Krankheit Tuberkulose berichtet. Ist die heimtückische Lungenkrankheit zurück im Schwarzwald-Baar-Kreis?

Schwarzwald-Baar-Kreis - Im Nachbarlandkreis Rottweil beschäftigt die Tuberkulose – auch Tb oder Tbc genannt – die Behörden jüngst wieder häufiger.

 

Dunkelziffer dürfte höher sein

Und auch im Schwarzwald-Baar-Kreis gibt es einige Personen, die daran erkrankt sind. Auf Anfrage unserer Redaktion berichtet Heike Frank, Pressesprecherin des Landratsamtes Schwarzwald-Baar, von "einigen" Tuberkulosefällen in der Bevölkerung, wenngleich dies "zahlenmäßig noch zu keiner nennenswerten Bedrohung geworden" geworden sei. Die Dunkelziffer dürfte jedoch höher sein: Mit dem Erreger Infizierte bleiben oft unerkannt, weil meist nur ein kleiner Teil dieser Menschen im Laufe des Lebens tatsächlich erkrankt.

Starker Anstieg in 2015

Im Jahr 2015 habe die Zahl der bekannten Tuberkulosefälle im Schwarzwald-Baar-Kreis tatsächlich deutlich zugenommen, bestätigt Heike Frank. Entsprechende Gerüchte, wonach das 2015 auf den Zustrom von Flüchtlingen zurückzuführen gewesen sei, bestätigt sie zwar nicht direkt – räumt aber ein, dass Tuberkulose tatsächlich in anderen Regionen der Welt wesentlich präsenter sei als in Deutschland und deshalb auch durch Flüchtlings-Immigration aus betroffenen Gegenden durchaus in Deutschland wieder Fuß fassen könnte. Eine besorgniserregende Entwicklung muss damit aber nicht zwangsläufig einher gehen. So erzählt Heike Frank nach dem Anstieg der Fallzahlen im Jahr 2015 auch von einer bemerkenswert positiven Entwicklung: Schon im Jahr 2020 wurden in Deutschland die niedrigsten Zahlen seit Einführung des Infektionsschutzgesetzes registriert.

Sondersituation in der Ukraine

Warum gerade jetzt die Lungenkrankheit wieder in den Fokus gerät, liegt nach einem Blick in die Statistik auf der Hand: Die Ukraine verzeichnete im Jahr 2020 eine der höchsten Tuberkulose-Inzidenzen in der europäischen WHO-Region.

Mit dem Zustrom von Flüchtlingen aus dem Kriegsgebiet könnte also auch der eine oder andere Tuberkulose-Fall in den Landkreis schwappen. Summa summarum rechnet man im Schwarzwald-Baar-Kreis mit mindestens 2600 Personen aus der Ukraine, die in der Region aufgenommen werden sollen.

Unabhängig davon behandele das Gesundheitsamt des Landratsamtes ganz aktuell zwischen zehn und 15 Tuberkulose-Fälle. "Dabei ist der Tuberkuloseverlauf sehr langsam, vor allem im Verlauf zur Covid-19-Pandemie", stellt Heike Frank klar. "Den" Risikopatienten scheint es hier im übrigen nicht zu geben – alle Altersstufen und Nationalitäten seien betroffen, "die meisten Verläufe sind gering bis asymptomatisch".

Maßnahmenkette ähnlich wie bei Covid-19

Normalerweise befallen die Bakterien bei Tuberkulose die Lunge. Dort lösen die Erreger als erstes Anzeichen in der Regel starken Husten aus, sie können aber auch jedes andere Organ betreffen und schwere Krankheiten auslösen, obwohl die Krankheit in den allermeisten Fällen gar nicht ausbricht. Chronischer Husten mit blutigem Auswurf, nächtliches Schweißtreiben und starke Gewichtsabnahmen sind also eher die Seltenheit. Behandelt wird in der Regel mit einem Antibiotikum – unbehandelt aber kann Tuberkulose durchaus tödlich verlaufen. Weltweit ist jährlich von 1,5 Millionen Todesopfern die Rede, die auf das Tbc-Konto gehen.

Neben ihrer Affinität zur menschlichen Lunge hat Tuberkulose auch noch andere Gemeinsamkeiten mit den Covid-19-Fällen. Zum Beispiel die Maßnahmenkette, die dann greift – wenn auch viel langsamer als im Falle der Corona-Infektionen: Nach einer entsprechenden Diagnose, durch Blutuntersuchungen und entsprechende Röntgenbefunde bestätigt, beginnt eine Therapie – in der Regel mit dem Verabreichen von Tabletten. Im Anschluss wird auch hier die Umgebungsuntersuchung der Patienten angestoßen, um mögliche Kontaktpersonen zu ermitteln und zu untersuchen.

Im Schwarzwald-Baar-Kreis werden die Tb-Patienten in der Regel durch Mitarbeiter des Gesundheitsamtes mit Unterstützung der Hausärzte behandelt. "Manchmal benötigen die Patienten stationäre Aufenthalte im Lungenzentrum in Donaueschingen, mit dessen Ärzten unser Gesundheitsamt eine intensive und erfolgreiche Kooperation betreibt", so Heike Frank abschließend.