Das gefüllte Retentionsbecken am Montag: Der Damm macht die Wiese zum Weiher Foto: jps

Belastungsprobe bestanden: Das neue Regenrückhaltebecken am Ende des Maurener Tals hielt in der Nacht auf Montag erstmals eine Flutwelle von Ehningen fern. Auch andernorts zeigte der Hochwasserschutz Wirkung.

Die dunklen Wolken hängen noch immer über dem Kreis Böblingen. Unwettertief Radha verwandelte übers Wochenende Rinnsale in reißende Ströme: In Darmsheim schwoll die Schwippe an, von Altdorf bis Hausen die Würm. Am stärksten schüttete es in der Nacht auf Montag, gebietsweise fielen bis zu 30 Liter pro Quadratmeter in 24 Stunden, meldet die Wetterstation in Gärtringen am Montag. Die Gewässer und Kanäle im Kreis Böblingen kamen an ihre Belastungsgrenze. Doch der Hochwasserschutz hielt den Wassermassen Stand.

 

In früheren Jahren kam es bei derart starkem Regen vor, dass das Wasser am Auslauf des Maurener Tals Richtung Ehningen zusammenlief und eine Flutwelle im Ort die Keller und Straßen überschwemmte. Am Morgen nach Radhas ergiebigen Güssen ist die Lage am nagelneuen Regenrückhaltebecken im Ehninger Ortsteil Herdstelle unter Kontrolle.

Der etwas übernächtigte Bauamtsleiter Dan Häring überwacht das regulierte Abfließen der braunen Brühe Richtung Ort. „Momentan lassen wir ungefähr zweieinhalb bis drei Kubikmeter pro Sekunde durchfließen, so viel verträgt das Kanalnetz gerade noch“, sagt er. Er sei seit Mitternacht im Einsatz, zu dieser Zeit hatten die Sensoren des neuen Bauwerks alarmierende Pegelstände gemeldet.

Daraufhin setzte sich eine Maschinerie in Gang, die den 9300-Einwohner-Ort vor nassen Füßen bewahren sollte. Häring ist als Bauamtsleiter gleichzeitig Stauwärter des Rückhaltebeckens, das erst Mitte April eingeweiht wurde. „Die Feuerwehr kam zusätzlich vor Ort und Bürgermeister Lukas Rosengrün war bis nach 4 Uhr ebenfalls da“, sagt Häring. Der Abfluss müsse so lange überwacht werden, bis der See verschwunden ist, der sich auf der Maurener Seite des 4,8-Millionen-Euro-Damms gebildet hat.

Pegel stieg sprunghaft an

Am Morgen danach lässt sich sagen: Der Damm hat gehalten, was er versprochen hat. Bürgermeister Rosengrün (SPD) kommt noch einmal vor Ort und macht sich ein Bild der Lage. „Mich hat überrascht, wie viel Wasser dann tatsächlich die Würm runterkam“, sagt er. Sprunghaft seien die Pegel nach Mitternacht angestiegen, doch selbst nachdem es aufgehört hatte, zu regnen, habe der Nachlauf bis in die frühen Morgenstunden weiter Wellen nachgedrückt.

Um 6.06 Uhr notierte Häring auf der Tafel im Wärterhäuschen den vorläufigen Pegelhöchststand im Staubecken: 3,41 Meter. Seitdem sinken die Stände wieder. Doch bis der See abgelassen ist, kann es bis zum Abend dauern, sagt er. Die Würm steht für rund 80 Prozent der Hochwassergefahr im Ort. „Doch der Krebsbach, der ja erst hinter dem Damm in die Würm fließt, steht für weitere 20“, sagt Rosengrün. Daher müsse der Ablauf am Rückhaltebecken vor allem mit Rücksicht darauf gesteuert werden, um das Ehninger Kanalnetz nicht zu überlasten.

Das neue Schutzschild gegen überflutete Keller zog am Sonntag und Montag einige Einwohner an. Sie wollen sich selbst überzeugen, ob das jahrzehntelang geforderte Bauwerk endlich hält, was so lange versprochen wurde. „Gestern hätte man tagsüber hier Würstchen und Bier verkaufen können, das hatte schon fast Volksfest-Charakter“, sagt Lukas Rosengrün tags darauf. So richtig was zu sehen ist allerdings erst am Montag.

Ein Bild davon macht sich das Ehepaar Remmlinger, das in einem Haus direkt am Krebsbach wohnt. „Vor sechs Jahren habe ich einem Nachbar noch geholfen, den Keller leer zu pumpen“, sagt Karl-Heinz Remmlinger. „Jetzt schlafe ich tatsächlich ruhiger.“ Von seinem Grundstück aus schaut er auf eine Bolzwiese hinter dem anderen Ufer des Krebsbachs. „In früheren Jahren war diese bei Starkregen bis zu einem halben Meter überflutet“, sagt er. Jetzt blieb sie trocken.

In Altdorf schwillt die Würm ebenfalls an

Weiter oben am Bachlauf der Würm in Altdorf, sei der Pegel ebenfalls angeschwollen und das Wasser braun und schnell fließend. Aber im Moment sei „alles im grünen Bereich“, sagt Hauptamtsleiterin Karin Grund. Sie erinnerte an das starke Hochwasser, das das große Tief vom 31. Mai bis 1. Juni 2018 in Altdorf auslöste. Damals habe ein Gewitter über Altdorf gekreist und mit 120 bis 130 Litern Regen pro Quadratmetern großen Schaden angerichtet. „In der Bachstraße war Land unter“, sagt sie.

Seitdem habe die Gemeindeverwaltung sich mit den Betroffenen zusammengesetzt und darüber hinaus mit Fachingenieuren die Hochwassermarke aufgenommen. Im Anschluss seien an einigen Straßen Gräben mit einem Pumpensumpf gezogen worden, die bei starkem Regen das Wasser aufnehmen sollen, und die auch regelmäßig kontrolliert würden. Dennoch: Über größere Regenrückhaltebecken werde sich die Gemeinde wohl Gedanken machen müssen, sagt sie.