Jede und jeder Vierte in Baden-Württemberg leidet unter Rückenschmerzen. Daten von 4,5 Millionen AOK-Versicherten zeigen, dass es auch junge Menschen regelmäßig trifft. Wir analysieren die Details.
Rückenschmerzen sind ein wahres Volksleiden. Jede und jeder Vierte hat diese Diagnose erhalten. Selbst unter Jugendlichen beträgt der Anteil vier Prozent, bei den Älteren ist dann mehr als jeder Dritte betroffen. In diesem Text geht es um die Fakten zu Rückenschmerzen im Südwesten, basierend auf Daten der AOK Baden-Württemberg. Diese werten wir für unser Projekt „Gesundheitsatlas BW“ aus.
Rückenschmerzen werden bei Frauen häufiger als bei Männern diagnostiziert, und sie treten im Alter gehäuft auf. Das zeigt die Tabelle mit der Verteilung der Diagnosen nach Altersgruppen und Geschlechtern:
Verglichen mit 2012 ist der Anteil der Menschen mit Rückenschmerzen in Baden-Württemberg insgesamt moderat angestiegen – von 23,4 auf 25 Prozent. Innerhalb der einzelnen Altersgruppen fiel der Anstieg teilweise wesentlich deutlicher aus, vor allem bei den Älteren. Bei Kindern und Jugendlichen gingen die Werte dagegen zurück.
Was Rückenschmerzen sind und wie sie behandelt werden, erklären wir in diesem Beitrag.
Rückenschmerzen sind eine neue Volkskrankheit, sagt Sabine Knapstein von der AOK Baden-Württemberg. „Kreuzschmerzen zählen zu den häufigsten Beschwerden in der Bevölkerung - schon seit vielen Jahren und mit stetig steigender Tendenz", sagt die Ärztin mit Spezialisierung in Ernährungs- und Sportmedizin. Neben Bewegungsmangel liege ihnen häufig eine Fehlbelastung zugrunde. Bei langem Sitzen würden die Bandscheiben zusammengedrückt, das könne Schmerzen verursachen. „Gehen und Laufen helfen, die Bandscheiben wieder mit Nährstoffen und Flüssigkeit aufzufüllen", so Knapstein.
Rückenschmerzen in Baden-Württemberg
Wie verteilen sich Rückenschmerzen-Diagnosen in Baden-Württemberg und in der Region Stuttgart? Das zeigen die folgenden Karten. Zunächst visualisieren wir die Verteilung über alle Altersgruppen hinweg. Dunkelblau eingefärbte Stadt- und Landkreise liegen über dem Landesschnitt, hellblau eingefärbte darunter.
Über dem Schnitt liegen der Nordosten und der Zollernalbkreis – vermutlich wegen des höheren Anteils älterer Menschen, möglicherweise aber auch wegen der insgesamt weniger aktiven Einwohner. Die Großstädte mit Ausnahme von Ulm liegen dagegen deutlich unter dem Landesschnitt, ebenso Südbaden und der Bodenseekreis. Klicken Sie auf einen Landkreis für den exakten Wert:
Am häufigsten sind Menschen über 80 von Rückenschmerzen betroffen. Im Neckar-Odenwald-Kreis ist sind das sechs von zehn Frauen in dieser Altersgruppe und bei den Männern ein ähnlich hoher Anteil. Markant ist der Abstand etwa zum Bodenseekreis oder zum Stadtkreis Heilbronn, wo nur nur 38 Prozent der über-80-jährigen Frauen unter Rückenschmerzen leiden. Auch bei den Männern werden die Unterschiede sichtbar.
Rückenschmerzen waren früher häufig die Folge von Abnutzung bei einer körperlich härter als heute arbeitenden Bevölkerung. Mittlerweile haben sich die Lebensbedingungen geändert, sagt die Ärztin Sabine Knapsein. Außerdem seien mangelnde Kenntnisse über das Muskel- und Skelettsystem relevant.
Die folgende Karte zeigt nach Geschlechtern getrennt, wie sich der Anteil der Diagnosen bei älteren Erwachsenen in den Stadt- und Landkreisen verteilt. Ein Klick auf den Kreis zeigt Ihnen auch hier den exakten Wert an:
Rückenschmerzen in der Region Stuttgart
In der Region Stuttgart sind der Nordosten sowie der Raum Göppingen von Rückenschmerzen betroffen. Hier liegen die Werte flächendeckend über dem Landesschnitt. Doch auch in einzelnen anderen Gemeinden sind Rückenleiden deutlich häufiger als in Baden-Württemberg üblich.
Auf der Karte liegt der Anteil in den dunkler eingefärbten Gemeinden über dem Landesschnitt. Alfdorf (Rems-Murr-Kreis) hat mit 38,3 Prozent den höchsten Anteil in der Region, hier leidet also mehr als jede und jeder Dritte an Rückenschmerzen. Mm niedrigsten ist der Wert in Stuttgart-Mitte mit 15,2 Prozent.
Klicken Sie in der Karte auf die Gemeinde, die Sie interessiert, um den Anteil der Bewohner mit Diagnose Rückenschmerzen zu sehen:
Die Daten in diesem Beitrag stammen von der AOK Baden-Württemberg. Sie ist mit rund 4,6 Millionen Versicherten die größte Krankenkasse in Baden-Württemberg. Für zwölf ausgewählte Krankheiten stellt uns die AOK aggregierte Diagnosedaten ihrer Versicherten zur Verfügung.
Bis hinunter auf Postleitzahlebene kann man damit sehen, wie verbreitet die Krankheiten sind – aufgeschlüsselt nach Altersgruppen, von Kindern bis zu Hochbetagten. Die Verteilung der Diagnosen unter ihren Versicherten entspricht in etwa der Verteilung unter allen Einwohnerinnen und Einwohnern.
Zu unserem Projekt „Gesundheitsatlas“ gelangen Sie über diesen Link.
Zum Datenprojekt „Gesundheitsatlas“
Daten
Wie alle Krankenkassen erhält die AOK zu Abrechnungszwecken von Ärzten und Krankenhäusern Daten zu Diagnosen und der Therapie ihrer Versicherten. Diese Daten aggregiert sie nach Wohnort, Geschlecht und Alter der Patienten. Damit kann die AOK errechnen, wie hoch unter ihren Versicherten der Anteil einzelner Krankheiten in bestimmten Altersgruppen oder Postleitzahlbereichen ist.
Repräsentativ
Die Zusammensetzung der AOK-Versicherten entspricht bei Geschlecht und Altersgruppe in etwa der Gesamtbevölkerung in Baden-Württemberg. Bei Unter-45-Jährigen liegt der Anteil höchstens fünf Prozent über dem der Gesamtbevölkerung, bei Älteren höchsten 15 Prozent darunter. Lässt man Einkommensunterschiede außen vor, sind die Daten zur Verteilung einzelner Krankheiten unter AOK-Versicherten also annähernd repräsentativ für Baden-Württemberg.