Die Erschließungsarbeiten auf dem ehemaligen Bosch-Areal haben in diesem Jahr begonnen. Foto: /Simon Granville

Geschichten des Jahres: In Rutesheim geht das Quartiersprojekt auf dem ehemaligen Bosch-Areal endlich los. Zudem arbeitet die Stadt weiter an ihrer kommunalen Wärmeplanung.

Ein Spatenstich und die ersten Erdarbeiten für die Erschließung des 2,7 Hektar großen Areals in Rutesheim an der Ecke Robert-Bosch-Straße und Bahnhofstraße waren in diesem Jahr sichtbarer Startschuss für ein Projekt, für das seit etwa fünf Jahren im Hintergrund gearbeitet und verhandelt wurde. In zentraler Innenstadtlage entsteht hier ein Quartier mit etwa 250 Wohneinheiten. Davon sollen 30 Prozent geförderte Wohnungen sein. Vorgesehen sind auch Arztpraxen und Dienstleister wie ein Bäcker oder Café. Unterkellert werden soll das neue Quartier mit einer Tiefgarage.

 

Seit 1956 war Bosch in Rutesheim angesiedelt

Rückschau auf das Jahr 2016: Damals im März hatte der Technologiekonzern Bosch verkündet, seinen Standort in Rutesheim bis 2019 vollständig schließen zu wollen. Von den 730 Arbeitsplätzen sollten 500 nach Feuerbach verlagert werden, insgesamt 230 befristete Arbeitsverträge wurden nicht verlängert. Der damalige Rutesheimer Bürgermeister Dieter Hofmann war schockiert – und auch völlig überrascht. Seit 1956 war Bosch in der Stadt angesiedelt, fertigte an diesem Standort Lambdasonden und Sensoren zur Abgasnachbehandlung für die Automobilindustrie. Wie angekündigt ließ der Konzern die Gebäude abreißen. Seit 2019 lag die Fläche brach. Der Baustart hatte sich aus verschiedenen Gründen verzögert. Beim Spatenstich im vergangenen September lieferte die Rutesheimer Bürgermeisterin die Erklärung hierfür: „Wir haben lange mit Bosch über den Kauf des Grundstückes verhandelt, das war nicht immer einfach und nicht immer fair und es hat ein paar Anläufe gebraucht, doch wir haben ein gutes Ergebnis erzielt.“ Über die Höhe des Kaufpreises sei, so die Rutesheimer Rathaus-Chefin, Stillschweigen vereinbart worden.

In einem Atemzug mit dem geplanten neuen Quartier muss ein weiteres großes Projekt in Rutesheim genannt werden: Die Stadt arbeitet an ihrer kommunalen Wärmeplanung. Ursprünglich sollte nur das Bosch-Areal an das Rutesheimer Wärmenetz angebunden werden. Doch jetzt werden sowohl das Schulzentrum, die Bühlhallen und optional auch private Anwesen entlang der Robert-Bosch-Straße angeschlossen. Sie alle profitieren dann von möglichst erneuerbaren Energiequellen wie Photovoltaik, Abwärme, Wind, Biogas oder Holzhackschnitzel und werden in Zukunft unabhängiger von externen Energiequellen wie Gas oder Öl. Mit dem Bau einer eigenen Heizzentrale nahe des Schulzentrums – mit einem 18 Meter hohen Wärmespeicher, der 1000 Kubikmeter heißes Wasser fassen kann – soll es im Juli 2025 losgehen.

Erschließungsarbeiten werden Anfang 2025 vergeben

Der Verlust sehr vieler Bosch-Arbeitsplätze ist in Rutesheim noch immer präsent. Der Schmerz soll aber durch ein weiteres Großprojekt kompensiert werden. In diesem Jahr wurde die Erschließung im Gewerbegebiet „Gebersheimer Weg“ geebnet. Der Verwaltungsgerichtshof in Mannheim hat eine Normenkontrollklage gegen den Bebauungsplan in allen Punkten zurückgewiesen und das Landgericht Stuttgart die Umlegung bestätigt. Die Erschließungsarbeiten werden Anfang 2025 vergeben. „Ein guter Branchenmix und ein gesunder Mittelstand sind elementarer Bestandteil zukunftsfähiger Strukturen. Wir wollen örtlichen Betrieben Entwicklungsmöglichkeiten geben“, sagte Susanne Widmaier.

„Höchste Priorität in unserer Stadt haben Energiesparen, Energieeffizienz und erneuerbare Energien“, sagte Susanne Wiedmaier in der letzten Gemeinderatssitzung des Jahres 2024. „Das erfordert unser Klima sowie die Sicherheit der Versorgung. Bei der Photovoltaik nutzen wir alle Möglichkeiten und kämpfen immer noch für eine große Anlage entlang der Autobahn auf der Südseite des straßenabgewandten Lärmschutzwalls.“ Für den Bau von Windrädern sei die Exklave Perouse ein Glücksfall und die iterra Energy GmbH als Projektentwickler sei bei den Pachtverträgen gut vorangekommen.

Fragt man die Bürgermeisterin nach weiteren Projekten im Jahr 2025, dürfen unter anderem die Erweiterung des Kindergartens Richard-Wagner-Straße, die Planung des Hortneubaus in der Hindenburgstraße, das Starkregenrisikomanagement, die Rettung des Wochenmarkts oder auch die energetische Sanierung der Kläranlage nicht fehlen.