Die Gemeinde baut eine Unterbringung für Geflüchtete am Pfadweg. Derweil hat der Enzkreis eine Containeranlage am Mühlweg errichtet.
Gleich zwei Unterkünfte für Geflüchtete beschäftigten 2024 Jahr die Menschen in der Gemeinde Wimsheim. Die eine Anlage hatte die Gemeinde selbst schon im Jahr 2023 beschlossen. In dieser sollen künftig im Pfadweg neben der alten TSV-Sporthalle Menschen in der Anschlussunterbringung (AU) durch die Kommune und Obdachlose Platz finden. Die zweite Anlage hat der Enzkreis in Containerbauweise in den letzten Monaten am Mühlweg gegenüber der Hagenschießhalle errichtet. Dort sollen vorübergehend 73 Geflüchtete leben, davon 57 in der vorläufigen Unterbringung (VU) durch den Landkreis und 16 in der Verantwortung der Gemeinde Wimsheim. Im März stellten Landkreis und Gemeinde die Pläne dazu in einer öffentlichen Gemeinderatssitzung in der Hagenschießhalle vor. Rund 200 Bürgerinnen und Bürger kamen und drückten ihren Unmut darüber deutlich aus.
Rund 200 Bürgerinnen und Bürger äußern ihren Unmut
Rund 6600 Geflüchtete sind derzeit in den Kommunen im Enzkreis untergebracht. Für durchschnittlich 70 neue Flüchtlinge im Monat muss der Kreis weitere Unterkünfte finden. Je nach der Einwohnerzahl der Gemeinden werden die Flüchtlinge verteilt. Für die zweitkleinste Enzkreis-Gemeinde Wimsheim mit knapp 2900 Einwohnern bedeutet das derzeit ein Aufnahmesoll von 93 Migranten in der Anschlussunterbringung. Das hat die Gemeinde bisher geschafft, weil sie mehrere eigene Häuser und Wohnungen sowie von Privat angemietete Immobilien dafür nutzt. Doch manche Mietverträge laufen aus und andere Gebäude müssen saniert werden. Deshalb beschloss die Gemeinde, eine neue zentrale Unterkunft für Flüchtlinge und Obdachlose am Pfadweg zu bauen. Dieses Gebäude für 80 Menschen in unterschiedlich großen Wohnungen soll bis Mitte 2026 bezogen werden können. Es wird mit festem Fundament in Holzmodulbauweise errichtet und soll rund 4,5 Millionen Euro kosten.
Fast zeitgleich mit diesem großen Projekt der Gemeinde ergab sich für den Enzkreis die Möglichkeit, auf einem Grundstück, das die Gemeinde Wimsheim zur Verfügung stellt, eine auf zwei Jahre angelegte Interimslösung für die vorläufige Unterbringung (VU) zu schaffen. Im Frühjahr 2024 gingen Gemeinde und Landratsamt damit an die Öffentlichkeit. Doch auf Gegenliebe in der Bevölkerung stießen diese Pläne nicht. Vor allem der Standort gegenüber der Hagenschießhalle samt einem neu angelegten Spielplatz sowie die räumliche Nähe zu Kindergarten und Schule treibt die Eltern um. „Wie schützen Sie unsere Kinder?“ rief eine Besucherin in den Saal. „Warum muss eine solche Einrichtung gerade dorthin, wo das meiste soziale Leben im Ort stattfindet“, fragte eine andere Frau. „Zeigen Sie uns jetzt, vor dem Beschluss, Ihre Sicherheitskonzepte“, forderte eine Elternbeirätin. „Man hat den sensibelsten Ort ausgewählt, den es in Wimsheim gibt, und das alles ohne Einbeziehung der Bürgerschaft“, kritisierte ein Besucher, der künftig zwei große Flüchtlingsunterkünfte im Ort befürchtet.
Bürgermeister Weisbrich verweist auf intensives Betreuungskonzept
Er könne verstehen, dass man Vorbehalte gegen solche Einrichtungen und auch Angst hat, sagte Mario Weisbrich, der auch CDU-Kreisrat ist, auf Nachfrage. Die könne er niemandem nehmen und auch keine Garantie geben. Er verwies auf das intensive Betreuungskonzept, das das Landratsamt für die Einrichtung am Mühlweg vorsieht. So soll es dort neben der Unterkunftsleitung einen Rund-um-die Uhr-Sicherheitsdienst, Hausmeister und einen Sozialdienst geben. „Wir haben seit 2014 Flüchtlinge hier im Ort und im Großen und Ganzen keine Probleme“, sagt Mario Weisbrich. Übrigens gibt es auch in den Nachbarorten Heimsheim und Mönsheim Kreiseinrichtungen mit 68 beziehungsweise 60 Flüchtlingen in der VU, Stand 31. Oktober 2024.
Die Gemeinde Wimsheim mietet 16 der 73 Plätze in der inzwischen fertiggestellten Containeranlage vom Enzkreis an, um dort Flüchtlinge unterzubringen, die jetzt schon im Ort sind. Außerdem, so erklärt der Bürgermeister Mario Weisbrich, werden die Menschen in der vorläufigen Unterbringung durch den Enzkreis auf den AU-Schlüssel der Gemeinde angerechnet. „Wegen der 57 Menschen in der VU rechnen wir etwa zwei Jahre lang nicht mit weiteren Zuweisungen in unsere Anschlussunterbringung.“ Denn Wimsheim erfülle damit seine Aufnahmequote. In diesen zwei Jahren werde die gemeindeeigene Unterkunft am Pfadweg für die Menschen in der Anschlussunterbringung fertiggestellt.
Die Belegung der Container-Anlage am Wimsheimer Mühlweg startet laut dem Landratsamt des Enzkreises aller Voraussicht nach noch in diesem Januar.