Dank seiner Zweikampfstärke erobert Ruben Reisig (Mitte, im Testspiel gegen Regionalligist SG Sonnenhof Großaspach) viele Bälle im Mittelfeld für die Stuttgarter Kickers. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Ruben Reisig gehört zu den Stammkräften im Team des Oberligisten Stuttgarter Kickers. Vor dem Derby bei seinem Ex-Club SSV Reutlingen erzählt der Mittelfeldspieler, wie er sich in der Winterpause in Afrika fit hielt und was er von dieser Saison erwartet.

Stuttgart - Derbys zwischen dem SSV Reutlingen und den Stuttgarter Kickers sind immer etwas Besonderes. Speziell dann, wenn man schon für beide Clubs gespielt hat. Bei Ruben Reisig (25) von den Blauen ist dies der Fall. Dementsprechend freut sich der Mittelfeldspieler auf das Oberliga-Duell an diesem Freitag (19 Uhr) im Stadion an der Kreuzeiche.

 

Herr Reisig, ist ein Spiel beim SSV Reutlingen immer noch etwas Besonderes für Sie?

Ja, klar. Gegen seinen alten Club zu spielen, ist immer etwas ganz Spezielles. Dazu geht es an der Kreuzeiche immer heiß her. Wir Fußballer mögen es doch, wenn richtig Stimmung in der Bude ist.

Haben Sie noch Kontakt zum SSV?

Ja, immer wieder einmal. Am meisten tausche ich mich mit Stürmer Onesi Kuengienda aus.

Wie beurteilen Sie das Reutlinger Team?

Ehrlich gesagt bin ich kein Typ, der sich groß mit den anderen Mannschaften beschäftigt. Ich konzentriere mich auf uns, will eine gute Leistung zeigen und das Spiel gewinnen.

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Das ist zum Auftakt nach der Winterpause schon mal gelungen. Waren Sie rundum zufrieden?

Für unser erstes Spiel nach der Winterpause fand ich den Auftritt beim FC Astoria Walldorf II absolut in Ordnung. Klar gibt es noch Luft nach oben, aber wir haben das Spiel kontrolliert und souverän mit 3:0 gewonnen.

Dribblings noch gradliniger

Sie haben wieder im Mittelfeld gespielt. Ihre Lieblingsposition?

Absolut. Luigi Campagna spielt als alleiniger Sechser den Abräumer vor der Abwehr, ich kann mich an seiner Seite gut entfalten und Impulse für die Offensive setzen. Wenn meine Dribblings noch etwas gradliniger werden, können wir daraus künftig noch mehr Kapital schlagen. Aber wenn mich der Trainer als Innenverteidiger braucht, spiele ich natürlich auch hinten.

Jahrelang kamen Sie ja auch im Abwehrzentrum zum Einsatz.

Ich habe schon alles gespielt, beim SV Fellbach kam ich im Sturm zum Einsatz, in der Jugend stand ich auch im Tor. Aber es stimmt, in den aktiven Mannschaften – beim VfR Aalen, beim 1. CfR Pforzheim und auch lange in Reutlingen – spielte ich im Abwehrzentrum. SSV-Trainer Maik Schütt beorderte mich dann ins Mittelfeld, was meiner Spielweise schon sehr entgegenkommt.

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Wo landen die Kickers am Saisonende?

Ich hoffe schwer, auf Platz eins. Wenn es dann nur zu Platz zwei reicht, müssen wir es über die Aufstiegsspiele schaffen. Die Qualität dazu haben wir allemal.

Was sind die Trümpfe?

Wir spielen ein gutes Pressing, sind sofort mit drei, vier Leuten da, um den Ball zu erobern. Hinzu kommt unser schnelles Umschaltspiel und die individuelle Klasse einiger Spieler.

Lob für den Coach

Welche Rolle spielt der Trainer?

Mustafa Ünal ist ein Guter. Das Team mag ihn, obwohl er sehr streng und konsequent ist. Wenn ich im Training mal einen Trick zu viel einbaue, muss ich zur Strafe Linienläufe machen (lacht). Er redet viel mit uns Spielern, impft uns Selbstvertrauen ein und puscht uns. Er hat einfach was.

Sie selbst haben einen deutschen Vater und eine Mutter, die aus Ghana stammt. Sie leben den Mix der beiden Kulturen?

Auf jeden Fall. Auf dem Spielfeld versuche ich die deutsche Disziplin und die afrikanische Locker- und Leichtigkeit zu verbinden.

Wann waren Sie zuletzt in Ghana?

In der Winterpause 14 Tage lang, und ich wäre gerne länger geblieben. Dort hat es 30 Grad Celsius und hier drei Grad. Als ich zurückkam habe ich meinem Trainer gesagt, dass ich an fünf Tagen sieben Spiele hatte.

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Wie bitte?

Ich habe dort mit Freunden unglaublich viel Zeit auf dem Bolzplatz verbracht, wir haben mit Stollenschuhen auf Sand und Dreck gespielt, mal elf gegen elf, mal sechs gegen sechs. Das waren richtige Turniere. Zudem habe ich im Hinterhof ein Kraft- und Fitnesstraining absolviert mit schweren Steinen, das war richtig alte Schule.

Klingt nach Erholung pur?

(lacht) Wenn man mit Spaß bei der Sache ist, geht das sogar in diese Richtung.

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Wollen Sie dort mal leben?

Ich kann mir das nach meiner Karriere gut vorstellen, für mich wäre das ein Traum.