Einer der Hobbyspieler in dem strittigen Arsenal-Trikot. Foto: Putsch

Ruanda bezahlt mehrere Millionen Euro für Trikot-Werbung an Arsenal London. Dabei überweist Deutschland dem afrikanischen Staat pro Jahr 26 Millionen Euro Hilfen. Ist das in Ordnung?

Kigali - Ruandas Arsenal-London-Fan Nummer eins sitzt auf der Tribüne und grantelt. Jean-Marie Mukasa hat als Vorsitzender ein Freundschaftsspiel des Fanklubs des Premier-League-Vereins in der Hauptstadt Kigali organisiert. Gegner sind Ruandas Anhänger des FC Liverpool. „Die haben Erstligaspieler mitgebracht“, sagt Mukasa. Dann zeigt er auf seinen Stellvertreter, über dessen Bauch sich das Arsenal-Trikot spannt. „Einige unserer Spieler sind sehr alt. Hätten wir das gewusst, hätten wir auch Profis geholt.“

Fußball ist eine ernste Angelegenheit in Ruanda, in diesen Tagen besonders. Das liegt an den Ärmeln der Arsenal-Shirts, wo seit dieser Saison die Aufforderung „Visit Rwanda“ zu sehen ist – besucht Ruanda. Drei Jahre lang wird das Entwicklungsland den Verein sponsern. Arsenal London ist trotz zuletzt überschaubarer Erfolge laut Beratungsunternehmen KPMG der sechstwertvollste Fußballverein der Welt. Das Geschäft sorgt für Irritationen, schließlich besteht das Staatsbudgets Ruandas trotz seines beachtlichen Wirtschaftsaufschwungs noch immer zu 17 Prozent aus Entwicklungshilfe. Es heißt, rund 33 Millionen Euro soll das Sponsorenpaket gekostet haben.

Darf ein Land, das Entwicklungshilfe bezieht, einen Fußballverein unterstützen? Das hatte besonders in England für Irritationen gesorgt, das in diesem Jahr knapp 64 Millionen Euro überweist. In Deutschland, das jährlich mit rund 26 Millionen Euro Projekte unterstützt, stellte die AfD eine Anfrage. Die Bundesregierung antwortete, dass die Mittel „zweckgebunden für spezifische Projekte“ bezahlt würden und die Haushaltsplanung „grundsätzlich nicht Gegenstand der Regierungskonsultationen“ sei.

Die englische Premier League ist in Ruanda populärer als die eigene

Laut Entwicklungsbehörde Rwanda Development Board (RDB) wird die Investition ausschließlich aus Tourismuseinnahmen generiert und soll helfen, das Land vom Armutsetikett zu befreien. „Entweder, die Kritiker dieser Vereinbarung wünschen sich, dass Ruanda arm bleibt, oder sie verstehen nicht, dass in jedem Geschäft Marketing Teil der Geschäftsausgaben sind“, betonte Behördenchefin Clare Akamanzi.

Auf der Tribüne kann Arsenal-Fan Mukasa die Aufregung nicht verstehen. „Entscheidend ist doch, dass dafür keine Entwicklungshilfe verwendet wurde“, sagt er. „Das ist ein guter Deal, die richtige Plattform, damit Ruanda als attraktives Tourismusziel wahrgenommen wird.“

Die englische Premier League ist in Ruanda populärer als die eigene. Auch Präsident Paul Kagame ist Arsenal-Fan. Die Regierung betont aber, dass Kagames persönliche Präferenz keine Rolle gespielt habe. Vielmehr würden pro Tag weltweit 35 Millionen Menschen das Arsenal-Trikot sehen, teilt das RDB auf Anfrage mit. „Wir bekommen weltweite Aufmerksamkeit bei Spielen, durch die Interviews und eine große Reihe anderer Marketingrechte.“

Ist der durchschnittliche Arsenal-Fan die geeignete Zielgruppe?

Das rohstoffarme Land sieht Tourismus als wichtigen Wirtschaftssektor an. Er macht 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus und ist mit 132 000 Jobs einer der wichtigsten Arbeitgeber. Die Zahl der Besucher stieg laut Tourismusministerium von 926 000 im Jahr 2015 auf 987 000 im Jahr 2016, was zusätzliche Einnahmen in Höhe von 55 Millionen Euro generiert habe.

Sponsoring-Pakete der Premier-League sind zunehmend in der Tourismus-Branche beliebt. Der FC Fulham warb für Florida, der FC Liverpool für den karibischen Inselstaat Barbados. Dort vermeldet man, dass im Jahr 2017 die Zahl der Touristen im Vergleich zum Jahr 2014 um rund 20 Prozent gestiegen seien – mehr als ein Drittel der 625 000 Besucher kämen aus England. Man kann jedoch berechtigt die Frage stellen, ob der durchschnittliche Arsenal-Fan die geeignete Zielgruppe ist. Ruanda hat sich mit Erfolg vor allem im mittel- bis hochpreisigen Tourismus platziert. Wer zum Beispiel die weltberühmten Gorillas des Landes sehen will, der bezahlt pro Person 1300 Euro.

In Kigali ist Oberfan Mukasa inzwischen gnädiger gestimmt – sein Team hat gerade den ersten Treffer erzielt. „Alles verdient eine Chance“, sagt er, „wir sind daran gewöhnt, dass unsere Regierung die Dinge anders als alle anderen macht, egal ob es daran Kritik gibt.“ Oft würde sich das auszahlen.

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