Eine der wenigen noch vorhandenen Bänke im Rotwildpark Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Im Rotwildpark im Stuttgarter Westen sind viele Ruhebänke weg und die Spielgeräte abmontiert. Deshalb häufen sich beim Garten-, Friedhofs- und Forstamt der Stadt die Beschwerden von Spaziergängern. Die Forstabteilung aber wird wohl nicht einlenken.

Stuttgart - Es findet sich kaum noch ein Plätzchen zum Ausruhen. „Anfang des Jahres sind an den Wegen rund um den Bärensee, den Neuen See und den Pfaffensee etwa acht Holzbänke entfernt worden. Jetzt gibt es dort keine Sitzgelegenheit mehr“, klagt ein Spaziergänger, der auf seinem Weg durch den Rotwildpark gern eine Pause auf einem der Bänkchen einlegt und auf die Seen blickt. Die Bänke, sagt er, seien zwar etwas verwittert gewesen, wären beim Draufsitzen aber nicht zusammengekracht. Deshalb kann er nicht verstehen, dass dort nach und nach alle Holzbänke verschwunden sind.

Bei der Abteilung Forsten des Garten-, Friedhof- und Forstamts sind laut der ­stellvertretenden Abteilungsleiterin Judith Reinsperger bereits gut zwei Dutzend Beschwerden eingegangen. Nicht nur, weil der Großteil der Bänke im Rotwildpark weg ist, sondern auch, weil Spielplätze wie der große Spielplatz am Bettelweg abgeräumt oder wie der kleine Spielplatz beim Pappelwiesengarten zum Teil gesperrt worden sind. Und auch die Madenholzhütte ist nicht mehr benutzbar.

Familienvater: "Das erschließt sich mir nicht"

Familien, die in den Ferien extra mit Kind und Kegel dorthin marschiert sind, damit sich der Nachwuchs an den Geräten austoben kann, sind enttäuscht. „Grillen war wegen der Hitze verboten. Aber warum die Spielgeräte weg sind, erschließt sich mir nicht“, sagt ein Vater.

Nach Auskunft von Judith Reinsperger waren die Bänke und Spielgeräte weder marode, noch sind sie von Vandalen zerstört worden. „Der Grund ist, dass sich bei unseren Verkehrssicherungskontrollen herausgestellt hat, dass entlang der Wege und auf den Spielplätzen Unfallgefahr durch herunterbrechende Äste bestehen könnte. Deshalb werden seit vergangenem Frühjahr die Bänke und Schaukeln, Rutschen und Wippen abmontiert“, sagt Reinsperger.

Möglichkeiten, auf einem Bänkchen auszuruhen, gibt es derzeit in dem etwa 500 Hektar großen Waldgebiet nur noch entlang dem Bärensträßle und an der Schlössleallee. „Da kann nichts passieren. Die Bereiche wurden ebenfalls kontrolliert und gelten als sicher“, sagt Reinsperger.

Benutzung der Wege auf eigene Gefahr

Da der Rotwildpark Naturschutzgebiet ist und es sich bei den Bäumen um sehr alten Baumbestand handelt, zum Beispiel um 200 Jahre alte Buchen und 300 bis 400 Jahre alte Eichen, hat auch die Naturschutzbehörde bei den Sicherungsmaßnahmen für die Bäume mitzureden. Die alten Bäume sind sogar historisch bedeutsam, da es sich um sogenannte Hutewaldbäume handelt. Als Hutewald werden Wälder bezeichnet, die als Weide genutzt werden. Das war auch beim Rotwildpark früher der Fall. Rinder und auch Schweine haben dort die niederen jungen Bäume gefressen. Die größeren sind stehen geblieben. Dadurch sind offene, parkartige Wälder entstanden.

„Aufgrund ihrer Bedeutung sollen die Bäume nicht im Hauruckverfahren gefällt, sondern möglichst erhalten werden. Deshalb sollen Baumexperten jetzt prüfen, wie hoch die Gefahr für Waldbesucher durch die Bäume tatsächlich ist und welche Rettungsmaßnahmen für die Bäume ergriffen werden können.“ Außerdem, so Reinsperger, müsse geprüft werden, welche Tiere in den Bäumen lebten, die nicht mehr erhalten werden könnten. „Wir sind derzeit in Abstimmung mit der Naturschutzbehörde“, sagt sie und versichert, dass es das Ziel ihrer Abteilung ist, bis zum nächsten Frühjahr sowohl die Bänke als auch die Spielgeräte wiederaufzustellen.

Die Benutzung der Waldwege geschieht übrigens auf eigene Gefahr. Im Bereich von Hütten, Bänken und Spielplätzen wird jedoch mehrmals im Jahr kontrolliert – vor allem nach Unwettern und Gewittern.

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