Nach der hohen Fluktuation auf der Führungsebene beim DRK-Kreisverband Böblingen meldet sich der Betriebsrat Michael Maier zu Wort. Er bestätigt Probleme beim Betriebsklima.
Nach den Berichten über die Führungskrise beim DRK-Kreisverband Böblingen meldet sich nun erstmals der Betriebsrat Michael Maier zu Wort. Er vertritt die Interessen der Belegschaft im Rettungsdienst und wurde kürzlich mit deutlicher Mehrheit wieder in sein Amt gewählt. Maier bestätigt im Gespräch mit unserer Zeitung Probleme beim Betriebsklima und kritisiert indirekt die Zusammenarbeit mit Kreisgeschäftsführer Wolfgang Hesl.
„In Teilen der Belegschaft nehmen wir eine Verunsicherung wahr", sagt Maier auf die Frage nach dem derzeitigen Betriebsklima. Eine Aussage, die die bereits berichteten Vorwürfe von Mitarbeitern untermauert. Diese hatten dem Geschäftsführer einen harschen, teils cholerischen Führungsstil vorgeworfen. Die Kreisgeschäftsführung des Roten Kreuzes streitet diese Vorwürfe ab.
Beispiellose Zahl an Weggängen beim Roten Kreuz in Böblingen
Zur hohen Fluktuation auf der Führungsebene, über die unsere Zeitung Mitte März berichtet hatte, äußert sich Maier vorsichtig, aber deutlich: „Um den Mitarbeitern Sicherheit und eine Struktur zu geben, ist es wichtig, dass Führungskräftestrukturen stabil sind und bleiben." Eine Stabilität, die derzeit offensichtlich fehlt. Seit dem Amtsantritt von Hesl Ende 2021 kam es zu einer beispiellosen Zahl an Rochaden und Weggängen auf nahezu allen Führungspositionen.
„Wir nehmen eine Verunsicherung wahr.“
Michael Maier, Betriebsratsvorsitzender
Das Verhältnis zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung beschreibt Maier diplomatisch: „Wir befinden uns in einer Phase der Konsolidierung." Hinter dieser gewählten Formulierung verbirgt sich offenbar mehr. Denn auf die Frage, ob sich der Betriebsrat respektiert und gut eingebunden fühle, wird Maier konkret: „Aktuell sehen wir Potenzial für eine noch frühzeitigere Einbindung des Betriebsrats in strategische Entscheidungen."
Das Gremium wolle den Dialog mit der Geschäftsleitung so gestalten, „dass die Expertise des Gremiums noch konsequenter wertgeschätzt und genutzt wird, um gemeinsame Lösungen für das Unternehmen und die Belegschaft zu finden", so Maier. Zwischen den Zeilen kann dies durchaus als Kritik verstanden werden: Der Betriebsrat fühlt sich zu spät oder unzureichend informiert. Dass die Mitbestimmung wichtig ist, betont der Betriebsratsvorsitzende mehrfach.
„Eine funktionierende Mitbestimmung ist keine Selbstverständlichkeit", sagt er. Ohne ein Gremium fehle „oft ein wichtiges Korrektiv, das frühzeitig auf Probleme hinweist, bevor sie eskalieren." Genau dies scheint beim Roten Kreuz in den vergangenen Monaten passiert zu sein: Probleme eskalierten, bevor sie gelöst werden konnten. Besonders brisant: Im Bereich der DRK-Altenpflege mit elf Heimen gibt es derzeit keinen Betriebsrat.
Kein Betriebsrat in der Altenpflege beim Deutschen Roten Kreuz
„Eine Mitarbeitervertretung ist immer sinnvoll", sagt Maier dazu. Warum es dort kein Gremium mehr gebe, entziehe sich seiner Kenntnis. Gerade in den Pflegeheimen kam es in den vergangenen Jahren zu massiven personellen Veränderungen. Kaum eine Heimleitung ist heute noch so besetzt wie vor fünf Jahren. Der Fall der ehemaligen Heimleiterin Liana Hovsepyan zeigt exemplarisch, welche Folgen das haben kann.
Nach fünf Monaten unter Doppelbelastung brach sie zusammen und erhielt am Tag ihrer Rückkehr zur Arbeit die Kündigung. Eine Mitarbeitervertretung hätte hier möglicherweise frühzeitig intervenieren können. Die Äußerungen des Betriebsrats machen deutlich: Die Krise beim Roten Kreuz ist noch nicht ausgestanden. Während die Geschäftsführung die Vorwürfe weitgehend zurückweist und von notwendigen Veränderungsprozessen spricht, zeichnet die gewählte Mitarbeiter-Vertretung der Belegschaft ein anderes Bild.