Passagenzugang über die Theodor-Heuss-Straße Foto: Leif Piechowski

Was wird aus der Calwer Passage? Welche Pläne hat der neue Besitzer mit dem Kulturdenkmal? Die Piëch Holding, die die Immobilie von der Württembergischen gekauft hat, hält sich bedeckt.

Stuttgart - Seit die Calwer Passage den Besitzer gewechselt hat, sind fast drei Wochen vergangen. Für die Ladeninhaber in der Passage sind es drei lange Wochen. „Ich würde schon gerne mal wissen, wie es in Zukunft weitergeht“, sagt Heike Wasserbäch, Inhaberin des Ledermodengeschäftes, „außerdem kommen täglich Kunden und fragen: Müssen Sie hier raus?“

Heike Wasserbäch muss jedes Mal passen und wünscht sich sehnlichst eine Nachricht vom neuen Eigentümer, der Piëch Holding. Der Investor hatte den Gebäudekomplex von der Württembergischen gekauft und plant Neuerungen. Klar ist bisher nur, dass man sich zum Ziel gesetzt hat, die Calwer Passage in Absprache mit der Stadt und dem Denkmalamt wieder zu einer attraktiven Einkaufsdestination zu entwickeln. Nur in welchem Ausmaß sich die Neukonzeption auf die Händler und das gesamte Erscheinungsbild auswirkt, ist noch geheime Kommandosache.

Nicht alle Teile der Calwer Passage stehen unter Denkmalschutz

Ein Sprecher der Piëch Holding verweist darauf, dass die Immobilie noch in Besitz der Württembergischen sei und erst im August in die Hände der Holding übergeht. Außerdem warte man praktisch täglich auf die Entscheidung des Denkmalamtes.

Doch dort wundert sich die Leiterin Ellen Pietrus über diese Aussage des neuen Besitzers. „Es steht keine Entscheidung an“, sagt sie und verweist bei Detailauskünften an den Baubürgermeister. Matthias Hahn bestätigt: „Eigentlich steht fest, dass die Calwer Passage unter Denkmalschutz steht, die entsprechende Anwohnerbenachrichtigung ist an die Württembergische unterwegs.“

Tatsächlich steht in der Nachricht jedoch mehr als nur die Tatsache des bestehenden Denkmalschutzes. Es geht ums Eingemachte – nämlich die Abgrenzung der geschützten Fläche vom Rest des Gebäudes. „Über das Gebäude, das an die Theodor-Heuss-Straße angrenzt, kann man baulich frei verfügen“, erklärt Matthias Hahn, „auch die Organisation der Ladeneinheiten ist dem Besitzer überlassen.“

Ladenbesitzer wollen Klarheit

Soll heißen: Ob die Piëch Holding es bei der kleinteiligen Struktur mit 15 Shops belässt oder ob sie eine große Fressgasse daraus macht, ist ihr überlassen. Nicht angetastet werden darf jedoch die Stahl- und Glaskonstruktion, die das Erscheinungsbild der Passage prägt. Hierbei gibt es genaue Vorschriften des Denkmalamtes. Der geschützte Teil des Kulturdenkmals befindet sich aber nur auf der Seite zur Theodor-Heuss-Straße hin – und auch nur von den Schaufenstern aus 8,40 Meter in die Läden hinein. Die weiteren sechs Meter könnten also abgerissen oder komplett neu gestaltet werden. Dies legt auch den Schluss nahe, dass die Piëch Holding genau da ansetzt. Auch Baubürgermeister Hahn hält es für möglich, dass aus dem Gebäudeteil hin zur Theo etwas ganz Neues entsteht. Oder aber dass er komplett weichen muss.

Damit ist Heike Wasserbäch freilich nicht geholfen. Auch wenn ihr Lederwarenladen auf der Seite hin zur Calwer Straße, also komplett im denkmalgeschützten Bereich, liegt. Aber das ist keine Garantie für eine gesicherte Zukunft. Und genau darüber hätte sie gerne Auskunft. „Etwas Klarheit wäre schön.“ Damit ist jedoch erst Ende Juli oder Anfang August zu rechnen. Es ist der Termin der offiziellen Übergabe von der Württembergischen an die Piëch Holding.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: