David Dornier, der Direktor des Dornier Museums, im Cockpit der einstigen Lufthansa-Maschine Landshut in Friedrichshafen, wo das 1977 entführte Flugzeug restauriert und dann ausgestellt werden soll Foto: dpa

Das Lufthansa-Flugzeug „Landshut“, das 1977 von Terroristen entführt wurde, gibt noch immer ein trauriges Bild ab. Weil der Bund Geld zugesagt hat, kann jetzt die Restaurierung der Maschine beginnen.

Friedrichshafen - Ein Jahr schon liegen die Feierlichkeiten am Flughafen in Friedrichshafen zurück, dort, wo seit acht Jahren auch das private Dornier-Museum seinen Sitz hat. Ende September war eine Antonov aus Brasilien, die einzige Frachtmaschine der Welt, die den Rumpf der einstigen Lufthansa-Maschine Landshut in sich aufnehmen kann, dort gelandet. Die erschöpften Gesichter der Passagiere, die 1977 im somalischen Mogadischu von einem GSG- 9-Kommando befreit worden sind, haben sich in das kollektive Gedächtnis der Deutschen gegraben. Die Landshut, die zum Sinnbild des Höhepunkts der RAF-Gewalt in Deutschland wurde, ist über Jahrzehnte vor sich hingerostet.

Es gab vor Jahresfrist Musik und Sekt bei der Ankunft der Maschine, die Besucher wurden ausdrücklich um Spenden für das Ausstellungsprojekt gebeten. Doch seither steht das ausgemergelte Stahlgerippe der Landshut, die Tragflächen demontiert, in einem Hangar der Dornier-Familie. Ein Anblick voller Trostlosigkeit. Dabei hätte die Maschine nach dem Willen des Museumschefs David Dornier schon im kommenden Jahr für Museumszwecke rekonstruiert sein sollen. Später korrigierte sich der Enkel des begnadeten Flugzeugkonstrukteurs Claude Dornier auf 2022. Inzwischen ist wohl auch dieser Termin obsolet. Der Museumschef sagt, seine Prognosen seien ein Fehler gewesen. „Ich werde nicht mehr sagen, wann es fertig sein wird.“

Die gute Nachricht: die Arbeit an einem Ausstellungskonzept beginnt

Eine Aussage, so traurig wie das Bild, das die Landshut abgibt – wenn der Museumschef, zugleich der Vorsitzende der Dornier-Stiftung, die das Museum bezuschusst, nicht doch auch gute Nachrichten hätte. Die Kunsthistorikerin Barbara Wagner und der Politikwissenschaftler Jannik Pfister beginnen damit, an einem Ausstellungskonzept zu arbeiten, und zwar eines, das „in den nächsten zwanzig Jahren zu sehen sein wird“, so Wagner.

Die offene Frage lautet, was den Besuchern geboten werden soll. Mehr jedenfalls als nur eine in den Zustand von 1977 zurückversetze Maschine, sagt Pfister. „Die Geschichte der RAF und der Umgang mit ihr“ müssten miterzählt werden. Auch die Todesnacht von Stuttgart-Stammheim, in der sich die RAF-Gründer, nachdem sie vom Scheitern der Flugzeugentführung un damit ihrer Freipressung gehört hatten in ihren Zellen töteten. Zunächst beginne die Suche nach Exponaten. Er fände es großartig, sagt Pfister, wenn zum Beispiel die Kosmetikkoffer, in denen die palästinensischen Terroristen einst die Handgranaten in die Maschine geschmuggelt hätten, wieder auftauchten.

Das Interesse der Behörden falsch eingeschätzt

David Dorniers anfängliche, allzu optimistische Prognosen zur Landshut-Ausstellung fußten letztlich auf einer falschen Einschätzung der Begeisterung für das Projekt in Politikkreisen. Jedenfalls erwies sich seine Erwartung, Bund und Kommune müssten für dieses „nationale Projekt“ umgehend und umfangreich Geld lockermachen, als falsch. Die Stadt Friedrichshafen versagte dem Museum umgehend eine Unterstützungszusage; es sei der Bund gefordert, beschied der parteilose Friedrichshafener Oberbürgermeister Andreas Brand wiederholt. Dornier räumt rückblickend ein Risikospiel ein, das er eingegangen sei. Als die Landshut angekommen sei, habe seine Stiftung keinerlei Vertrag mit dem Bund gehabt, gibt er inzwischen zu.

Mittlerweile existiert zumindest eine schriftliche Absichtserklärung zwischen der Stiftung und dem Berliner Staatsministerium für Kultur und Medien (BKM). Im August bestätigte ein Sprecher des BKM, man werde die Gehälter des gerade eingestellten wissenschaftlichen Personals in Friedrichshafen, die Restaurierung der Maschine sowie den Bau eines Hangars zahlen, geschätzt zehn Millionen Euro. Für die Betriebskosten – Dornier taxiert sie auf jährlich 200 000 Euro – kommt der Bund nicht auf. Der Beitrag seiner Familie sei das Grundstück für den Hangar, sagt der Museumschef. In den Anfangsjahren, so kalkuliert er, werde das Besucheraufkommen die Mehrkosten einspielen.

Der Bund übernimmt keine Betriebskosten

Die Zeit will er nutzen, um sowohl in Berlin als auch im Friedrichshafener Rathaus weiter Lobby für die Landshut zu machen. Er habe gelernt, sagt Dornier, dass der Bund aus Gesetzesgründen keine Geld für die Betriebskosten freimachen könne. Alternativ stellt er sich eine „Anschubfinanzierung“ vor, einzuzahlen in einen noch zu gründenden Museumsfond. Auch in das Friedrichshafener Rathaus setzt er aber noch Hoffnung.

Eine verlässliche neue Geldquelle für das Dornier-Museum wäre wohl auch für den Familienfrieden gut. Silvius Dornier, Vater von David Dornier, setzte 2005 die Technikausstellung am Friedrichshafener Flughafen durch. Das jährliche Defizit des Kulturtempels führt offenbar immer wieder zu Diskussionen innerhalb der Familie.

Der Deutsche Herbst

Geschichte
Die Entführung der Landshut im Oktober 1977 durch palästinensische Terroristen waren öffentliche Tage der Angst. Das Ziel war die Freipressung der RAF-Gründer, die in Stammheim einsaßen. Der Kapitän der Landshut, Jürgen Schumann, verlor sein Leben, die 91 Passagier an Bord konnten befreit werden. Zugleich hatten RAF-Terroristen den Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer gekidnappt. Er wurde nach der Befreiung der Flugzeugpassagiere ermordet.

Programm
Mit einem regelmäßigen „Landshut-Talk“ will das Dornier-Museum das Inter­esse an der Museumsidee wachhalten. Für die nächste Gesprächsrunde am Dienstag, 16. Oktober, haben laut Museum der FDP-Politiker Gerhart Baum sowie der Grüne Hans-Christian Ströbele ihr Kommen zugesagt.

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