Löcher und Rostfahnen bestimmen derzeit das Bild der Stuttgarter Stadtbibliothek. Foto: Max Kovalenko

Die vor knapp acht Jahren eröffnete Stadtbibliothek am Mailänder Platz ist ein Besuchermagnet. Aber auch ein technisches Sorgenkind. Allein 2018 sind 200 000 Euro für Instandsetzungsmaßnahmen nötig gewesen. Und dabei wird es nicht bleiben.

Stuttgart - Die Schäden sind nicht zu übersehen. Löcher, aus denen braune Spuren nach unten ziehen. Überall Rostflecken. Die Fassade der erst im Oktober 2011 eröffneten Stadtbibliothek am Mailänder Platz zeigt sich von oben bis unten in einem unschönen Kleid. Und das nicht zum ersten Mal. Bereits gut zwei Jahre nach der Eröffnung hatten erstmals die Handwerker anrücken müssen, um Rost zu entfernen. Damals hatte die zuständige Baufirma die Kosten übernommen. Auf Kulanz, wie man bei der Stadt betont.

Dieses Mal werden die rund 25 000 Euro, die für die erneute Sanierung anfallen, am Hochbauamt hängen bleiben. „Wir wollen die Rostfahnen entfernen lassen, aber das ist logistisch schwierig“, sagt Rathaussprecher Sven Matis. Denn dafür braucht es Hubarbeitsbühnen und Industriekletterer, die die Fassaden reinigen und reparieren. Die Fahrzeuge können aber derzeit wegen der benachbarten Baustelle nur schwer vorfahren, außerdem sind die infrage kommenden Unternehmen ausgelastet. „Das Hochbauamt rechnet damit, dass die Fassade im Frühherbst gereinigt wird“, sagt Matis.

Bei der Stadt betont man, dass der Rost die Fassade nur optisch beeinträchtigt. Er entsteht, weil die Kieselsteine im Beton Erz beinhalten. Beton- oder Glaselemente sollen nicht komplett ausgetauscht werden müssen. Davon gibt es je 80 Stück auf jeder Seite des neunstöckigen Gebäudes.

Großer Besucherzuspruch

Vom Publikumszuspruch her ist die neue Bibliothek ein voller Erfolg. Die Besucher strömen nur so und nähern sich inzwischen der Zwei-Millionen-Marke – pro Jahr. Ursprünglich hatte man das Gebäude nur für eine Million ausgelegt. Der Ansturm hat von Anfang an für Probleme gesorgt. So ist die Mediensortieranlage überfordert. Und die Aufzugsituation ist schnell eskaliert – selbst verschuldet von der Stadt. Ursprünglich waren in dem rund 80 Millionen Euro teuren Bau des südkoreanischen Stararchitekten Eun Young Yi drei Fahrstühle vorgesehen. Einen strich man aus Kostengründen – und musste ihn kurz nach der Eröffnung teuer nachrüsten. Immer wieder sind danach Leute in den Aufzügen stecken geblieben, weil die Steuerungstechnik nicht richtig funktioniert hat.

Zumindest dieses Problem soll sich jetzt abgeschwächt haben. „Es gibt kaum noch Ausfälle“, sagt Direktorin Katinka Emminger. Anfang des Jahres sei bei den Besucheraufzügen eine neue Steuereinheit eingebaut worden. Seither fahren sie besser. Allerdings muss der Hersteller noch weitere Einstellungen und Programmierungen vornehmen. Zudem liefen regelmäßig Tüv-Prüfungen und Wartungen.

Zugangstüren werden ausgetauscht

Auch an einem weiteren Problem wird aktuell gearbeitet. Die Drehflügeltüren an den vier Eingängen haben immer wieder für Ärger gesorgt. Bei starkem Wind ließen sie sich kaum öffnen, einmal klemmte sich eine Besucherin sogar die Hand ein und musste ärztlich behandelt werden. Die Stadt hat daraufhin einen der Zugänge probeweise durch eine automatische Schiebetür ersetzt. Das Ergebnis ist so gut, dass jetzt alle vier Zugänge umgerüstet werden. Die Eingangstüren West und Nord sind bereits umgebaut, seit einigen Tagen laufen die Arbeiten am Eingang Ost. Die sogenannte „Bibliothek für Schlaflose“ mit einem begrenzten Angebot auch nachts, die dort im Windfang untergebracht war, ist deshalb bis Ende September nicht nutzbar. Der Umbau aller vier Türen schlägt mit 800 000 Euro zu Buche. Er soll bis Jahresende erledigt sein.

Doch auch über diese bekannten größeren Probleme hinaus verschlingen Bausubstanz und Technik einiges an Geld. „Im vergangenen Jahr wurden über 200 000 Euro für Instandsetzungsmaßnahmen wie Malerarbeiten, Bodenbelagsarbeiten sowie Instandsetzung und Optimierung der Haustechnik investiert“, sagt Rathaussprecher Matis. Man achte darauf, dass die Bauunterhaltung außerhalb der Öffnungszeiten erledigt wird. Damit die vielen Besucher nicht auch davon noch etwas mitbekommen, wenn sie vor den Aufzügen warten.

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