Die Brückenstraße soll umgestaltet werden. Foto: Georg Linsenmann

Auf großes Interesse ist eine Veranstaltung zum Rosensteintunnel im Saal des Gemeindehauses Sankt Martin in Bad Cannstatt gestoßen. Dabei ging es vor allem um Entwicklungsmöglichkeiten der Neckarvorstadt im Zuge der Verkehrsentlastung nach Fertigstellung des Tunnels. Ein zentraler Punkt: die Brückenstraße.

Bad Cannstatt - Wie sehr der Blick in die Zukunft die Bewohner des Quartiers beschäftigt, hat der Andrang im proppenvollen Saal gezeigt. Und nachdem die Pläne vorgestellt waren, hatten die Zuhörer zahlreiche Fragen und Anmerkungen. Vorgestellt wurden die Planungen von Andreas Hemmerich vom Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung. Deutlich wurde dabei noch einmal die massive Belastung durch die Bundesstraße B10, die täglich rund 55 000 Fahrzeuge über die Pragstraße führt, zudem an der Kreuzung mit der Neckartalstraße „das größte Nadelöhr der Stadt“ bietet. Neben schlechter Luft sorgt dies, wie eine Folie zeigte, auch für eine Höchstbelastung mit Lärm, teils bis tief ins Quartier hinein.

Die Stadt rechnet mit 40 000 Fahrzeugen weniger

All dies soll sich entscheidend bessern, wenn 2020 der Rosensteintunnel eröffnet wird. Die Stadt rechnet damit, dass dann 40 000 Fahrzeuge weniger die Pragstraße benutzen. Diese wird dann nur noch zwei Fahrspuren auf der Seite der Quellenstraße haben, auf Wilhelma-Seite wird ein Grünstreifen für Fußgänger und Radfahrer entstehen. Noch größer wird die Veränderung vor der Wilhelma selbst, wo bis zum Leuzebad durch den Rückbau der Neckartalstraße viel Gestaltungsfläche entsteht. Eine Entwicklung, die nun auch mit dem Projekt „Stadt am Fluss“ verknüpft wird: „Dafür ist ein Wettbewerb in Planung“, berichtete Hemmerich.

Bushaltestelle Martinskirche Foto: Georg Linsenmann

Die Stadt will, so der Planer, „möglichst viel Verkehr in den Tunnel packen“. Damit das funktioniert, soll möglicher Ausweichverkehr durchs Innere der Vorstadt unattraktiv gemacht werden, was ein ganzes Bündel an „Begleitmaßnahmen“ zeitigt. Nicht zuletzt der Rückbau der Altenburger Steige auf einen Fahrstreifen, die so als Alternativ-Route über den Hallschlag Richtung Zuffenhausen entfallen soll. Der Wilhelmastraße wird ebenfalls ein Fahrstreifen genommen, die Schönestraße mit Baumstandorten entschleunigt. Maßnahmen, die auch den in der Versammlung beklagten Lastwagen-Verkehr ausbremsen sollen. Diesbezüglich keine Lösung hatte Hemmerich allerdings für die Haldenstraße.

„Die wichtigste Maßnahme betrifft die Brückenstraße“, betonte Hemmerich. Aktuell konzentriert sich die Planung auf die Bushaltestelle an Sankt Martin. Diese soll auf die Fahrbahn verlegt und barrierefrei gemacht werden: „Um hier den Widerstand zu erhöhen, damit der Rosensteintunnel benutzt wird“, betonte Hemmerich auf einen Zwischenruf mit dem Hinweis, dass dies Stau verursachen werde. Außerdem wird bei der Kirche der Gehweg verbreitert.

Die Wilhelmsbrücke für Autofahrer sperren?

Mehrere Beiträge nannten diese Planung unzureichend, worauf Hemmerich einräumte: „Es wäre richtiger, die gesamte Brückenstraße anzugehen. Aber wir denken derzeit intensiv in diese Richtung.“ Auch die alte Forderung, im Zuge der Maßnahmen die Wilhelmsbrücke für Autofahrer zu sperren, griff er positiv auf: „Es wäre unter Umständen denkbar, die Brücke nur noch von Fußgängern und Radfahrern benutzen zu lassen.“ Zweimal wurden die Gesamtplanungen explizit gelobt: „Der Rosensteintunnel ist eine tolle Geschichte für uns.“ Skepsis wurde aber geäußert hinsichtlich der zeitlichen Umsetzung im Quartier: „Wenn es dumm läuft, ist wegen Geldmangel in 20 Jahren noch nichts geschehen“, meinte ein Beteiligter, worauf Hemmerich betonte: „Es ist unstrittig, dass die Brückenstraße gemacht werden muss.“

Wiederholt ins Spiel brachte der Moderator Manfred Niewöhner von der Initiative „Gemeinsam für die Neckarvorstadt“ die Forderung, das Quartier als Sanierungsgebiet auszuweisen: als Stimulanz für öffentliche und private Investitionen. Und Aufreger des Abends wurde der Wegfall des Ladengeschäftes in der Brückenstraße 16 im Zuge der Gebäudesanierung durch die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft SWSG. Ein offensichtlich wichtiges Stück fußläufiger Nahversorgung. Die Wogen versuchte Bezirksvorsteher Bernd-Marcel Löffler zu glätten: „Wir sind zusammen mit der Wirtschaftsförderung auf der Suche nach Ersatz.“ Zum Aufreger wäre möglicherweise auch der Hinweis auf den Wegfall des Polizeipostens zum Jahresende geworden. Ein Thema, das aber angesichts der fortgeschrittenen Zeit unterging.

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