Rund 300 Menschen haben sich versammelt – sie mussten vorzeitig abziehen. Foto: Holowiecki

Wegen des Sturms musste kurzfristig der Rosenmontagsumzug durch Stuttgart-Sillenbuch abgesagt werden. Hunderte Faschingsfans waren enttäuscht, vor allem wohl aber auch der Bürgerverein, der allein noch wegen dieser Veranstaltung existiert.

Sillenbuch - Der Sturm Bennet hat den Sillenbuchern den Rosenmontag verhagelt. Der traditionelle Kinderumzug durch den Ort musste kurzfristig gestrichen werden, „zum ersten Mal, so viel ich weiß“, sagte der stellvertretende Bezirksvorsteher Hans Peter Klein sichtlich betrübt, „aber die Sicherheit geht absolut vor“. Er habe sich nach Rücksprache mit der Polizei dazu entschieden, nachdem von der Kirchheimer Straße, durch die die Kinder gezogen wären, herabstürzende Metallteile gemeldet worden waren.

Schätzungsweise 250 bis 300 Verkleidete, die sich am frühen Nachmittag vor dem Bezirksratshaus eingefunden hatten, hatten das Nachsehen. Nach dem obligatorischen Ballonverteilen, dem beliebten Bonbonregen der Verwaltungsmitarbeiter und einem extra langen Ständchen der Guggenmusiker Burgfäger war erst einmal Schluss. Wer weiterfeiern wollte, musste auf eigene Faust zum Clara-Zetkin-Heim und zum Jugendhaus ziehen. Dort endet traditionell die Kindersause, die der Bürgerverein Riedenberg-Sillenbuch ausrichtet, mit einer Faschingsfete und Bewirtung.

Besonders für den Verein besonders bitter

Gerade für den Verein muss die Absage besonders bitter sein. Längst ist der Rosenmonatsumzug die letzte Aufgabe des Klubs, bestätigt Corinna Schröder-Hafemann, die Vorsitzende. Drei Personen kümmern sich im Kern darum, dass die Kinder im Bezirk Fasching feiern können. Und sonst? Themenführungen gebe es seit dem Tod des Ortshistorikers Hans-Georg Müller nicht mehr. Ehemals habe sich der Bürgerverein punktuell für Sillenbucher Themen engagiert, etwa für den Erhalt der Post oder in Sachen Lärmaktionsplan, erklärt sie, heute nicht mehr. Ein Grund ist sicher die Altersstruktur. Von den rund 70 Mitgliedern seien etwa drei Viertel 70 Jahre und älter, sagt Corinna Schröder-Hafemann.

Mit Zulauf rechnet sie nicht mehr. „Wir haben in Sillenbuch andere Vereine“, sagt sie, und als Berufstätige mit Familie fehle ihr die Zeit, ein Werbekonzept zu erstellen. Schon den Status quo zu erhalten, sei aufwendig. Die Idee, die Veranstaltung in andere Hände zu geben, komme immer wieder auf, bestätigt sie. Genehmigungen einholen, Veranstalterhaftpflicht abklären, Feuerwehr, Jugendfarm und andere Akteure ins Boot holen: Wer solle das alles machen? Privatleute? „Das geht über einen Verein leichter.“

Kein Bangen wegen der Finanzierung mehr

Immerhin: Das Bangen um die Finanzierung des traditionellen Umzugs ist vorbei, seitdem der Bezirksbeirat ihn in die Liste der Veranstaltungen aufgenommen hat, die bevorzugt gefördert werden. Zudem erstattet das Gremium seit 2018 die Kosten, die für Straßensperrungen und Haltstellenverlegungen anfallen, komplett. Corinna Schröder-Hafemann spricht von einer großen Erleichterung. „Zumindest finanziell ist der Umzug gesichert. Wie das personell ist, das ist was anderes“, sagt sie. „Ob der Verein eine Zukunft hat, weiß ich nicht.“ Gleichwohl sagt sie: Ihr Antrieb zum Weitermachen ist der Rosenmontagsumzug. „Ich fände das sehr schade, wenn das einschlafen würde.“

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