Die Karnevalsgesellschaft Möbelwagen tritt beim Kinderfasching im Stuttgarter Rathaus auf. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Am Rosenmontag übernehmen die Stuttgarter Karnevalsvereine das Kommando im Rathaus – es bleibt jedoch friedlich, OB Kuhn schwingt sogar das Tanzbein. Am Nachmittag feiern fröhlich die Kinder.

Stuttgart - Trompeten-Fanfaren, ohrenbetäubendes Getrommel und bunte Kostüme: Pünktlich um 11.11 Uhr haben Delegationen der Stuttgarter Karnevalsvereine am Rosenmontag das Kommando im Rathaus übernommen. Große Mühe hatten sie dabei aber nicht, denn traditionell lädt der Oberbürgermeister die Narren sogar ein. Von einem Rathaussturm kann also nicht die Rede sein. Dementsprechend wirkte Oberbürgermeister Fritz Kuhn auch heiter und entspannt, als ihn Anita Rösslein, Präsidentin der Karnevalsgesellschaft Schwarze Störche sowie Präsidentin des Fest-Komitees Stuttgarter Karneval, in seiner Amtsstube im ersten Stock abholte und Richtung Panoramafenster geleitete.

Als oben die Kapelle abermals einsetzte, schunkelte und klatschte das Stadtoberhaupt auch fleißig mit. „Anderswo müssen wir den Bürgermeister entführen und die Stadtkasse rauben, die in Stuttgart schmücken sogar für uns“, lobte Rösslein. Der Tradition komme er gern nach, „so ist es mir lieber, sonst würde Anita mein Zimmer zerstören“, frotzelte Kuhn und lobte seinerseits die Farben der Schwarzen Störche. „Grün-Schwarz gefällt mir besonders gut.“

Zu Gloria Gaynor lässt Kuhn die Hüften kreisen

Die Tradition einer kleinen Büttenrede ließ sich der OB auch nicht entgehen und reimte: „Anita treibt den Winter aus, mit dem Sturm auf unser Haus. Gern ist sie heut willkommen, von der Saison noch ganz mitgenommen.“ Die Mühe fürs Reimen – den Vers habe er selbst gedichtet, so Kuhn – honorierten die Vereine mit drei kräftigen Helau-Rufen, bevor das diesjährige Stadtprinzenpaar der Karnevalsgesellschaft Möbelwagen die Feierwütigen endgültig in Stimmung brachte.

Robin I. gab den Schlager-Hit „Cordula Grün“ zum Besten, Katja I. brachte mit Gloria Gaynors „I will survive“ sogar den OB dazu, die Hüften kreisen zu lassen. In sein Amtszimmer kehrte Kuhn später reichlich bestückt zurück, denn auf die musikalische Darbietung folgte ein echter Orden-Reigen, begleitet von den Wangen-Küsschen der vielen anwesenden Karnevals-Prinzessinen. Von der First Guggen Band Stuttgart gab es sogar einen nachhaltigen Jahresorden aus Holz. „Der ist zwar braun und nicht grün, das hat aber nichts Politisches zu sagen“, so der Vertreter der Guggen.

Am Nachmittag ist es gänzlich unpolitisch

Ganz unpolitisch ging es dann auch am Nachmittag weiter, als die Kinder ins Rathaus einzogen. Die Astronauten, Maikäfer, Sheriffs und Supermänner sorgten schon vor der Begrüßung für mächtig Lärm. Die erfolgte dann durch Räuber Hotzenplotz, der bürgerlich Maria Haller-Kindler heißt und als städtische Kinderbeauftragte fungiert. Er habe gerade den Oberbürgermeister auf seinem Stuhl gefesselt, weil der die Stadtkasse nicht rausgeben wollte, bekundete Hotzenplotz. Weil im Kindermuseum „Junges Schloss“ derzeit eine Ausstellung über ihn zu sehen ist, spendierte er gleich dazu noch fünf Eintrittskarten.

Den Nachmittag über bot die Karnevalsgesellschaft Möbelwagen dann ein buntes Programm. So konnten Kinder bei einem Kurz-Workshop Tänze einüben oder bei einer Kostümprämierung mitmachen. Die allerkleinsten Narren des Vereins Möbelwagen, die sogenannten Minis, machten den anderen vor, wie gut eingeübte Schrittfolgen aussehen können. „Unser jüngster Mini ist erst zweieinhalb“, so Vereinspräsident Thomas Klingenberg.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: