Der Rosenbergplatz verändert sich gerade. Neu am Platz ist Emmas Enkel, ein digitaler Supermarkt mit Café. Foto: Björn Springorum

Der Platz hat eine erstaunliche Wandlung hinter sich und macht dem Bismarckplatz Konkurrenz. Neben dem I love Sushi und der Boulangerie ist dort nun Emmas Enkel zu Hause.

S-West - Es ist noch gar nicht so lange her, da war der Rosenbergplatz vor allem eine Kreuzung mit wenig schmückender Tankstelle. Das ist er immer noch. Es ist aber längst nicht mehr das, was man als erstes mit dem Platz am oberen Ende der Schwabstraße in Verbindung bringt. Der Lieferservice I Love Sushi, das französische Bistro Le Tonneau, das ceylonesische Restaurant La Bamboo oder die frankophile Feinbäckerei La Boulangerie sind nur einige der Läden, die ihn in den letzten Jahren von einem Durchgangsort zu einem Hang-Out-Spot machten, wie man so schön sagt.

Die Nachbarn aus dem Viertel liefern die frischen Produkte

Seit dieser Woche hat der Platz mit Emmas Enkel eine weitere Attraktion. Der erste vollautomatisierte Supermarkt der Stadt, realisiert vom Start-Up Smark (der auch das kleinere Kessellädle an der Bebelstraße betreibt) und bestückt vom Supermarktriesen Real. Dazu hat sich das im Süden bestens bekannte Café Herbertz von der Immenhoferstraße mit einer zweiten kleinen Filiale erstmals in den Westen vorgewagt. Man will schließlich dabei sein bei so einer innovativen Neueröffnung. Und zugegeben: Emmas Enkel macht es seinen Kunden wirklich leicht. Bestellt wird vorher per App oder am Terminal und lässt sich die Produkte ausspucken, frische Waren werden direkt vor Ort mit dem QR-Code-Leser gescannt. Funktioniert wirklich so einfach wie es klingt.

Obwohl Real dahintersteckt, achtet der luftige Roboter-Supermarkt auf Regionalität, viele der 500 Produkte kommen aus der Umgebung. Zudem wird auch der Rosenbergplatz selbst in das Geschehen eingebunden. Dominique Gueydan etwa steuert Brot, Brötchen und Baguette aus seiner Boulangerie ums Eck bei. „Ich finde das Prinzip gut“, verrät er. „Die Leute heute möchten flexibler sein. Das gilt auch fürs Einkaufen. Zudem haben viele Menschen Nachtschicht.“ Auch er sieht sich durchaus mal über die Straße gehen und sich nach Feierabend ein kaltes Pils aus dem Automaten ziehen.

Lange war die Ecke ziemlich tröge

Für ihn ist Emmas Enkel nur das letzte Beispiel für das Facelift des Rosenbergplatzes. „Als wir vor 13, 14 Jahren den ersten Laden eröffneten, war kaum etwas los hier oben“, erinnert er sich. „Doch mittlerweile kommen die Leute nicht mehr nur aus der direkten Nachbarschaft. Der Platz ist richtig lebenswert geworden.“ Karin Büttner von I Love Sushi sieht das ganz ähnlich. Seit fast zehn Jahren wird hier Sushi gerollt und Frischfisch filetiert. „Es geht wirklich aufwärts hier“, sagt sie. Zwar gab es damals schon das La Bamboo, eh ihr Geheimtipp für die Küche Sri Lankas, und das Bistro Le Tonneau, ansonsten bestand aber kein triftiger Grund, sich an diesem Ort herumzutreiben.

Büttner zufolge trägt jetzt auch Emmas Enkel zur Aufwertung des Quartiers bei. „Wir hatten schon vor einigen Jahren mal kurz die Idee, hier oben einen Späti zu eröffnen. Aber durch das Alkoholverkaufsverbot ab 22 Uhr ließen wir diese Idee schnell wieder fallen.“ Jetzt nimmt der vollautomatische Supermarkt diese Rolle quasi ein – und ist für Karin Büttner zugleich der Vorreiter für viele weitere Läden dieser Art. „Das ist die Zukunft“, stellt sie fest und wetzt das Messer. Sie lacht: „Wir überlegen auch schon, unsere Fahrer durch Drohnen zu ersetzen.“

Die Händler wünschen sich einen Kreisverkehr

Gut, das mag ein Scherz gewesen sein; der Rest ist Realität. Doch anstatt über etwaige wegfallende Arbeitsplätze zu schimpfen, hebt Büttner lieber den Einsatz des Neulings für die Nachbarschaft hervor. „Emmas Enkel versucht, alle hier aus der Ecke mit ins Boot zu holen“, sagt sie erfreut. „Die Boulangerie, die Brotfreunde Grau, das Grüne Eck. Auch uns haben sie gefragt, aber bei frischem Fisch ist das natürlich immer so eine Sache.“

Der neue Nachbar macht also vieles richtig, wie es scheint. Dann kann es ja weitergehen mit der Aufhübschung des Platzes. Und wo wir gerade dabei sind, äußern Guyedan und Büttner jeweils einen kleinen Optimierungsvorschlag. Der Franzose würde sich über einen Kreisverkehr anstelle der Kreuzung freuen, damit der Verkehr flüssiger läuft und weniger Abgase entstehen. Und Sushi-Lady Büttner träumt von einem Rosenbergplatz ohne Glascontainer. Also, wenn das alles ist, dann muss dort oben im Westen ja schon einiges richtig gut laufen.

Bezirksvorsteher Reinhard Möhrle würde so einen Supermarkt zwar nicht direkt brauchen. „Ich kaufe nicht nachts oder am Sonntag ein“, sagt er schmunzelnd. Er gehe auch gerne zum Wochenmarkt, auch um ein bisschen zu schwätzen. „Aber mit dem Café ist das ja auch bei Emmas Enkel gegeben“, sagt Möhrle. Und, das Einkaufsverhalten verändere sich, gerade bei jungen Leuten. Da müsse man eine gute Infrastruktur bieten – wo man eben Tag und Nacht einkaufen kann. „Und wenn so etwas geht, dann im Stuttgarter Westen“, sagt Möhrle abschließend.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: