Die Stuttgarter Clublegende Laura Halding-Hoppenheit und der Berliner Filmemacher Rosa von Praunheim waren über 40 Jahre lang befreundet. Foto:  

Clublegende Laura Halding-Hoppenheit berichtet von der Beisetzung Rosa von Praunheims, die sie tief berührt hat. Der Abschied bewegt die queere Community, auch in Stuttgart.

Laura Halding-Hoppenheit hat sich aus Berlin gemeldet. Die Stuttgarter Aktivistin war zur Beisetzung von Rosa von Praunheim gereist – einem Filmemacher, Künstler und Aktivisten, der über Jahrzehnte hinweg nicht nur ihr Leben, sondern die gesamte queere Community geprägt hat.

 

Für die Reise nahm Halding-Hoppenheit Strapazen auf sich. Mit dem Nachtzug fuhr sie von Stuttgart nach Berlin, stieg am Dienstag gegen 1 Uhr nachts ein und kam morgens um 8 Uhr an. Zwei Nächte habe sie so gut wie nicht geschlafen. Dennoch sei sie sehr froh, dass sie bei der Beisetzung dabei war.

Rosa von Praunheims letzte Regie: 400 trauern bei Filmbeerdigung

Die Zeremonie habe Rosa von Praunheim bis ins Detail selbst geplant, erzählt die langjährige Chefin des Stuttgarters Kings Clubs. Es habe keine Reden gegeben, dafür war ein Kamerateam anwesend: Die Beerdigung wird Teil seines letzten Films „Sex und Tod“. Rund 400 Menschen seien gekommen, viele hätten bitterlich geweint.

„Ich bin unheimlich traurig“, sagt die Stuttgarter Stadträtin. Mit Rosas Tod sei „ein Teil von mir weggegangen – ein Stück meiner Jugend, meines Kampfgeists“. Seit rund 40 Jahren habe sie Seite an Seite mit ihm in der Schwulenbewegung gekämpft. Dass diese gemeinsame Zeit nun vorbei sei, werde ihr erst nach und nach bewusst. Gleichzeitig betont sie: „Er wird weiterleben – mit seinen Filmen und seinen Ideen.“ Auch wenn alles leer, traurig und dunkel erscheine, müsse das Leben weitergehen, schon für die Community und für die Menschen, die ihm vertraut hätten.

„Mit viel Sex“: Rosa von Praunheims Humor bei der Trauerfeier

Typisch Rosa von Praunheim sei gewesen, dass selbst bei der Trauer sein Humor präsent war. Auf die Frage, wie man alt werde, habe er einmal geantwortet: „Mit viel Sex.“ Passend dazu trägt sein letzter Film den Titel „Sex und Tod“. Schauspielerin Katy Karrenbauer erzählte bei der Trauerfeier, dass Rosa sie bei einem ihrer letzten Treffen gefragt habe, wann sie zuletzt Sex gehabt habe. Als sie antwortete, das sei schon lange her, habe er nur gesagt: „Wie schade für dich.“

Harald Glööckler genießt das Single-Leben mit Hund Ikarus

Harald Glööckler fühlt sich als Single wohl. Foto: Jens Kalaene/dpa

In Berlin traf die Club-Ikone, die der Generation Ü 80 angehört, außerdem ihren alten Freund, den Modedesigner Harald Glööckler. Er habe einen neuen Hund namens Ikarus, wolle keinen Mann mehr an seiner Seite und genieße seine Freiheit als Single, berichtet sie. Glööckler sei viel unterwegs – zwischen Basel, Zürich, München und Berlin – und voller Tatendrang. „Er hat viel Kraft und große Lust auf das Leben“, sagt Halding-Hoppenheit.

Am Mittwochvormittag stieg Laura Halding-Hoppenheit in den Zug nach Stuttgart. Viele bewundern ihre Kraft, diese Reise in ihrem Alter auf sich zu nehmen – trotz Schlafmangels und emotionaler Belastung. Ihre Verbindung zu Rosa von Praunheim war eng: Er widmete ihr den Film „Laura – Das Juwel von Stuttgart“.