Svenja Liesau als Ronja in Stuttgart. Foto: Stöß

Auch das neue Stuttgarter Schauspielteam um Intendant Armin Petras bringt ein Kinder- und Familienstück heraus. Am Sonntag kommt Astrid Lindgrens Kinderbuch-Klassiker über das Mädchen, das kein Räuber werden will, im Kammertheater auf die Bühne.

Auch das neue Stuttgarter Schauspielteam um Intendant Armin Petras bringt ein Kinder- und Familienstück heraus. Am Sonntag kommt Astrid Lindgrens Kinderbuch-Klassiker über das Mädchen, das kein Räuber werden will, im Kammertheater auf die Bühne.

Stuttgart - Schon auf den ersten Blick sieht Svenja Liesau aus wie Ronja Räubertochter. Die 24-Jährige, die an diesem Sonntag in der Hauptrolle als Räubertochter im Kammertheater Stuttgart Premiere feiert, leiht sich von Ronja die wilde Frisur, die schmale Figur und die wachen Augen.

Mit einer Zigarette im Mund eröffnet sie das Gespräch. Den Beruf der Schauspielerin habe sie sich wegen der Abwechslung ausgesucht, sagt Liesau. „Ich will nicht immer nur Gretchen spielen. Als Schauspielerin weiß man nie genau, wie der nächste Tag aussieht.“

Nicht nur der nächste Tag kann Unvorhergesehenes mit sich bringen, auch ihre nächsten Rollen kennt Liesau noch nicht. Nach Beendigung ihrer Schauspielausbildung in Berlin spielte sie als Ensemblemitglied des Kammertheaters Stuttgart im RAF-Drama „Die Reise“, in Kleists „Zerbrochnem Krug“ und jetzt als Ronja Räubertochter im gleichnamigen Theaterstück, inszeniert von Robert Neumann.

Der schnelle Rollenwechsel gehöre zum Handwerk, sagt die Schauspielerin; für ihre Rolle als Eve im „Zerbrochnen Krug“ musste sie ganz kurzfristig einspringen. „Das hätte eine absolute Katastrophe werden können, aber meine Kollegen waren ein tolles Auffangnetz und offen für meine Unsicherheiten.“

Das sei es auch, was sie an der Theaterarbeit schätze: „Man gestaltet gemeinsam über mehrere Wochen ein Projekt und hat genug Zeit, sich richtig kennenzulernen. Es ist ein bisschen wie mit der eigenen Familie zu arbeiten.“

Die Unterstützung des Ensembles mache es ihr auch möglich, zusätzlich zu ihrem Beruf ihre zweijährige Tochter großzuziehen. „Wenn ich Abendproben habe, dann passt schon mal jemand aus dem Ensemble auf meine Tochter auf.“ Am Rande der Belastbarkeit sei sie am glücklichsten.

Ihre Tochter lasse sie Kinder besser verstehen, so habe sie sich gut auf ihre Hauptrolle als Ronja Räubertochter vorbereiten können. „Wenn man sich hineinversetzt in diese Kinderwelt, dann merkt man erst, wie viele spannende Dinge es zu entdecken gibt, die man später für die vermeintlich wichtigen aufgibt.“

Dieser frische Blick sei es auch, der sie an Ronja so fasziniere: „In dieser Geschichte sind Kinder die Helden, die am Ende alle retten. Sie sind viel cleverer als die Erwachsenen. Das hat mich als Kind unheimlich beeindruckt und mir Mut gemacht.“

Mit ihrer Darbietung wolle sie Kindern ein Vorbild geben: „Seid selbstbewusst! Hinterfragt eure Eltern und sagt, wenn ihr mit etwas nicht einverstanden seid.“

Ronja zum Beispiel mache gleich zu Beginn der Geschichte deutlich, dass sie nicht Räuberhauptmann werden wolle, auch wenn das seit Generationen in ihrer Familie Tradition ist. „Sie wendet sich gegen ihren Vater, als dieser zum Beweis seiner Männlichkeit den verfeindeten Räuberhauptmann Borka umbringen will. Ronja fragt: Gibt es nicht einen anderen Weg?“

Auf die Frage, was ihre erste Hauptrolle für sie bedeute, denkt Liesau lange nach, bevor sie antwortet: „Ich glaube, dass sich jede Rolle, die ich spiele, wie eine Hauptrolle anfühlen muss, sei es jetzt die Amme oder Julia. Nur das wird dem Theater gerecht.“

Bevor wir uns verabschieden, reißt sie eine Seite aus dem Roman in ihrer Tasche und zeichnet ein Bild von ihrer Tochter. Für einen kurzen Moment legt sie dafür die Zigarette beiseite und sieht selbst ganz kindlich aus.

Premiere des Theaterstücks ist am 19. Januar im Kammertheater Stuttgart. Karten: 07 11 / 20 20 90.

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