Ron-Robert Zieler, hier noch im Trikot von Leicester City, bringt schon bald den Ball für den VfB Stuttgart ins Spiel. Foto: Getty

Der erste namhafte Transfer des VfB Stuttgart ist perfekt. Ron-Robert Zieler kommt aus England – und damit sendet der Aufsteiger ein Signal an Mitch Langerak.

Stuttgart - Ron-Robert Zieler hätte sich noch ein paar schöne Tage machen können – in Velden. Dort am Wörthersee hat Leicester City sein Trainingslager aufgeschlagen, und von Coach Craig Shakespeare soll es in Österreich an die Fußballprofis genau zwei Ansagen gegeben haben. Erstens: Was ihr in eurer Freizeit treibt, ist mir herzlich egal. Zweitens: Ihr müsst nur pünktlich zum Training da sein.

Zu Shakespeares Ehrenrettung ist aber davon auszugehen, dass auch ein Premier-League-Club sich ernsthaft auf die Saison vorbereitet. Und zum Stil des 53-jährigen Engländers bleibt anzumerken, dass er sein Team wohl an der langen Leine führt. Es ist aber gleichsam davon auszugehen, dass Zieler solche Sätze in Grassau nicht zu hören bekommt. Dort hat der VfB Stuttgart sein Trainingslager aufgeschlagen, und der Coach Hannes Wolf hat zum Auftakt mehr als zwei Sätze an die Spieler gerichtet – in allen steckte jedoch eine Botschaft: Hier wird für die Bundesliga geschuftet, und was ihr ansonsten macht, ist mir auch nicht egal.

Doch genau so will es Zieler ja wieder haben. Weshalb der Torhüter die nächsten Tage im Chiemgau verbringt. Einen kleinen Umweg musste er allerdings in Kauf nehmen und nach allgemeiner Einschätzung ebenso eine gehörige Gehaltseinbuße. Denn vor einem Jahr war er vom Bundesliga-Absteiger Hannover 96 nach Leicester zum englischen Überraschungsmeister gewechselt, was den Niedersachsen 3,5 Millionen Euro einbrachte und ihm einen Kontrakt bis 2020, in dem ein üppiges Millionensalär verankert ist.

Drei Jahre Vertrag, vier Millionen Ablöse

Nun kehrt der 28-jährige Schlussmann zu einem Bundesliga-Aufsteiger zurück, und bei seiner Stippvisite in Stuttgart hat er am Dienstag den Medizincheck absolviert und den nächsten Kontrakt unterschrieben. Drei Jahre Vertragslaufzeit, vier Millionen Euro Ablösesumme. Das sind die Kernzahlen der künftigen Zusammenarbeit, die Zieler zur neuen Nummer eins beim VfB befördern. Obwohl – halt! Offiziell wird die sportliche Leitung den großen Konkurrenzkampf zwischen dem neuen und dem alter Keeper ausrufen.

„Wir haben mit Mitchell Langerak und Jens Grahl schon viel Qualität auf der Torwartposition – und Ron-Robert Zieler wird die Gruppe noch deutlich verstärken“, sagte der Manager Jan Schindelmeiser. Doch das Signal an Langerak ist eindeutig, obwohl der seinen Urlaub vorzeitig für beendet erklärt hat, um am Trainingslager im Oberbayerischen teilzunehmen. Dem Australier wurde trotz seiner starken Rückrundenleistungen nicht zugetraut, den Posten zwischen den Pfosten so auszufüllen, wie es sich Wolf und Schindelmeiser vorstellen. Denn Lan­gerak ist tatsächlich dann am besten, wenn er auf der Torlinie kleben oder sich den heranstürmenden Gegnern vor die Füße werfen kann. Strafraumbeherrschung und das Spiel mit den Füßen zählen nicht zu seinen Stärken.

Das sagt Jan Schindelmeiser zur Verpflichtung von Ron-Robert Zieler:

Zieler kann die Rolle eines modernen Torhüters ausfüllen

Aber diese zwei Eigenschaften vervollständigen nun mal das Anforderungsprofil eines modernen Torhüters, der seit einigen Jahren gerne als der elfte Feldspieler verstanden wird. Und Zieler kann diese Rolle ausfüllen. So gut, dass ihn Bundestrainer Joachim Löw 2014 mit nach Brasilien zur WM nahm und der dritte Mann als Weltmeister nach Deutschland zurückkehrte. Von den Britischen Inseln ist zudem die Anekdote herübergeschwappt, dass sich Claudio Ranieri vor einem Jahr das Torwartspiel Zielers im Training anschaute und schon am zweiten Tag einen Assistenten zu dem Neuen schickte – mit dem dezenten Hinweis: „Wir haben gesehen, dass du gut Fußball spielen kannst, aber bitte spiel den Ball nicht kurz heraus, sondern schlag ihn möglichst weit nach vorne.“

Zieler hat sich als gewissenhafter Profi natürlich an die Anweisungen seines damaligen Chefs gehalten. Trotz seines Eifers hat er es jedoch nicht geschafft, den Dänen Kasper Schmeichel zu verdrängen. In der Hinrunde kam der gebürtige Kölner zwar noch zu neun Ligaeinsätzen, in der Rückrunde jedoch zu keinem mehr – was den Torhüter, der einen Teil seiner Ausbildung bei Manchester United genossen hat, ins Grübeln brachte. Zumal sich die Verantwortlichen in Leicester nicht zu seinen Perspektiven äußern wollten.

Zieler hat klargemacht, dass er zum VfB will

In der vergangenen Woche hat Zieler jedoch klargemacht, dass er weg will – und zwar zum VfB. „Die Gespräche waren sehr überzeugend. Daraus ist das Gefühl entstanden, dass sich etwas entwickeln kann“, sagte Zieler, der vor allem spielen will. In Stuttgart dürfte er die Gelegenheit bekommen – und dazu die Möglichkeit, der jungen Mannschaft Halt zu geben. Mit seinem wenig spektakulären, aber sehr soliden Torwartspiel. Und mit seiner Persönlichkeit, die als unaufgeregt beschrieben wird.

Hier geht es zu unserem großen VfB-Transferticker.

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