Romulo Kuranyi meldet für H’ugo’s Insolvenz an Streit um Wasserschaden schlägt in Stuttgart hohe Wellen

Von Uwe Bogen 

Romulo F. Kuranyi in seiner Eisdiele Patricia’s in Degerloch. Foto: Andreas Engelhard
Romulo F. Kuranyi in seiner Eisdiele Patricia’s in Degerloch. Foto: Andreas Engelhard

Der frühere H’ugo’s-Wirt und heutige Eisverkäufer Romulo F. Kuranyi kämpft um seinen Ruf und um viel Geld. Wir beleuchten die Hintergründe der Insolvenz. Der Streit um den Wasserschaden in der früheren Edel-Pizzeria schlägt hohe Wellen.

Stuttgart - In aller Ruhe wollte Romulo F. Kuranyi nun sein selbst gemachtes Bio-Eis in Degerloch verkaufen und in seinem „Bunker“, wie er sein Atelier am Albplatz nennt, neue Kunst machen. Doch die Vergangenheit holt den Bruder des früheren Nationalspielers Kevin Kuranyi ein. Der 28-Jährige, der von Mitte 2015 bis Ende 2017 die Edel-Pizerria H’ugo’s in der City führte, kämpft gegen Versicherungen und Immobilienbesitzer. Er kämpft um seinen Ruf und um viel Geld. Ist es ein Kampf von David gegen Goliath? Sein Steuerberater ist wütend: „Die Großen sagen, an allem ist immer nur der kleine Romu schuld.“

Nun hat der Eis-Verkäufer und Künstler aus Degerloch die Reißleine gezogen. Auf Anraten seiner Berater meldete Romulo Kuranyi Insolvenz für die H’ugo’s GmbH an. Gleichzeitig erhebt er schwere Vorwürfe gegen City Gate, gegen die Besitzer der Immobilie, in der er sich mehr oder weniger erfolgreich als Gastronom versucht hat.

Die „große Chemie-Keule“ im Kampf gegen den Schimmel

Der Wasserschaden im H’ugo’s, um den sich der Streit dreht, sei Sache des Hausbesitzers, so Kuranyi, weil dieser auf den Defekt der Heizungsanlage zurückzuführen sei. City Gate habe nichts unternommen, obwohl er mehrfach darauf hingewiesen habe. „Jeder weiß, dass man bei einem Wasserschaden schnell reagieren muss“, sagt Ralf Gut, Kuranyis Berater, unserer Zeitung, „jetzt verursachen die Folgeschäden sechsstellige Kosten.“ Im Kampf gegen den Schimmel habe man „die große Chemie-Keule“ einsetzen müssen, klagt Ralf Gut.

Seit Monaten streiten die Versicherungen, wer zahlen muss. Die Hauseigentümer behaupten, der Wasserschaden sei durch eine Wassermarmorwand entstanden, die Romulo Kuranyi in seinem Restaurant installiert hatte. Dem widerspricht der ehemalige Wirt heftig. Gutachter hätten den Defekt der Heizungsanlage und der Rohre als Ursache für den Austritt des Wassers lokalisiert. Für die Besitzer erklärte am Mittwoch der Münchner Rechtsanwalt Christian Thomas Stempfle gegenüber unserer Zeitung: „Ursache des Wasserschadens ist nach der City Gate Stuttgart GmbH vorliegenden Sachverständigengutachten eine von der H’ugo’s Stuttgart GmbH aufgestellte dekorative Wasserwand. Die City Gate GmbH trägt für die Insolvenz der H’ugo’s Stuttgart GmbH keinerlei Verantwortung.“

Der neue Wirt weiß nicht, wann er starten kann

In der Auseinandersetzung der Versicherungen von Romulo Kuranyi und City Gate um die Schadensregelierung geht es darum, wie hoch der Anteil des schädlichen Wassers von der Installation an der Wand und von der defekten Heizungsanlage war. Ein Leidtragender dieses Streits ist der Gastronom René Richter, der längst ein Restaurant im früheren H’ugo’s eröffnen wollte. „Seit 1. August beschäftige ich 38 Mitarbeiter“, sagt der gelernte Koch Richter, der von 2011 bis Ende 2017 das Edel-Restaurant Kamp’ner Pesel auf Sylt geführt hat. Noch weiß er nicht, wann er in Stuttgart starten kann, hofft aber, dass dies bis Ende des Jahres gelingt.

Romulo F. Kuranyi sagt, er sei in eine „juristische Zwickmühle“ geraten. Wäre alles nach Plan gelaufen, hätte er nach seinem Ausscheiden aus dem H’ugo’s Ende 2017 mit dem Geld, das der neue Wirt für das Gesamtinventar und die Ausbauten des H’ugo’s zahlen wollte, alle Forderungen von Gläubigern begleichen können. Dem Vernehmen nach ist vereinbart worden, 100  000 Euro von der Ablöse erst dann zu bezahlen, wenn der Wasserschaden behoben ist. Inzwischen ist nach dem Austausch des Estrichs „alles wieder tip-top“, heißt es bei der Richter GmbH.

Alle Investitionen für das H’ugo’s hatte die Familie Kuranyi bezahlt

Romulo Kuranyi beklagt, dass sich obendrein der Hauseigentümer weigere, die Kaution in Höhe von etwa 145 000 Euro zurückzuzahlen. Wichtig ist dem 28-Jährigen, klarzustellen, dass sämtliche Investitionen des H’ugo’s aus Eigenmitteln der Familie Kuranyi gezahlt worden seien, man also keine Kredite zurückzahlen müsse.

Weil der neue Wirt aufgrund des Wasserschadens Folgeverträge von Getränkelieferanten und sonstigen Dienstleistern nicht übernommen habe, würden diese Rechnungen nun bei Romulo Kuranyi auflaufen. Mit dem Insolvenzantrag will er einen Schlussstrich ziehen, um sich wieder in Ruhe um sein Eis und um seine Kunst zu kümmern.

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