Auf diesem Flurstück sollen Wohnungen für Flüchtlinge entstehen. Foto: Patricia Sigerist

Die Gemeinde Kernen hat angekündigt, auf einem gemeindeeigenen Grundstück ein Haus für fast 100 Flüchtlinge zu bauen. Anwohner wollen jetzt eine Bürgerinitiative gründen. Sie fürchten sich vor Zustände wie in der Bronx.

Verwunderung, Verunsicherung und Angst sind die Reaktionen in der Nachbarschaft auf die Ankündigung der Gemeinde Kernen, auf einem gemeindeeigenen Grundstück zwischen der Robert-Bosch- und Erwin-Bahnmüller-Straße in Rommelshausen ein Haus für fast 100 Flüchtlinge zu bauen (wir haben berichtet). Unmittelbar Betroffene haben angekündigt, eine Bürgerinitiative zu gründen, „um die Wohnqualität im Quartier zu erhalten“, heißt es in der Ankündigung.

Die Anwohner wehren sich

„Wir leiden schon stark unter dem Lkw-Verkehr ins Gewerbegebiet, das Projekt wäre eine weitere Zumutung für uns. Wir wehren uns“, sagt Jürgen Muth, der mit seiner Frau Erna Muth-Lang den aufkeimenden Widerstand im Gebiet organisiert. Sie seien nicht gegen Flüchtlinge, die aus politischen Gründen oder wegen Krieg ihre Heimat verloren hätten. „Sie verdienen unsere Hilfe. Wir sind aber gegen den Standort in der Robert-Bosch-Straße.“ Als erstes hat das Ehepaar deshalb Briefe geschrieben. Die Nachbarn – rund 30 Parteien im näheren Umfeld – haben sie über die Baupläne und den Protest dagegen informiert. Aber auch Bürgermeister Stefan Altenberger, sein Beigeordneter und Bauamtsleiter Horst Schaal sowie die Gemeinderäte haben Post aus der Robert-Bosch-Straße bekommen – mit einer Auflistung von Gründen gegen Flüchtlingswohnungen in der Robert-Bosch-Straße.

Die Nachbarn fürchten Lärmbelästigungen

Die Liste ist lang. Unter anderem führen die Nachbarn Lärmbelästigungen ins Feld. Sie fürchten häufige Polizeieinsätze in dem Gebäude und „damit in unserem Wohnquartier, wie das offenbar auf dem Gelände Hangweide aktuell der Fall ist“. Vor allem aber sorgen sie sich, dass durch die Baupläne der Wert der teilweise „nagelneuen Nachbargebäude erheblich gemindert wird“ und es keine Kredite oder Kreditverlängerungen mehr für die Eigentümer der Wohnungen in den Nachbarhäusern durch die Banken geben könne. Gegebenenfalls werde auch ein späterer Verkauf nicht mehr möglich sein, sollte aus dem Flüchtlingsheim irgendwann ein dauerhaftes Obdachlosenheim werden. „Wir wollen hier nicht die Bronx von Kernen werden“, schreibt Jürgen Muth.

Das Flurstück 6525 liegt auf einem noch weitgehend unbebauten Puffer zwischen einem Gewerbe- und einem Wohngebiet und im Bereich des Bebauungsplans Erwin-Bahnmüller-Straße. Der Platz am Rand des Gewerbegebiets sei als Standort ideal, erklärt Altenberger. „Aber egal, wo wir etwas planen, es werden Ängste und Reaktionen kommen“, sagt der Schultes und verweist auf die Bürgerinformationsveranstaltung zum Thema am Donnerstag, 5. März, in der alten Kelter.

Laut Schultes ist kein Flüchtlingsheim geplant

Aber schon davor will der Schultes klarstellen, dass kein Flüchtlingsheim geplant ist. „Es entstehen Wohnungen für die Anschlussunterbringung von Asylbewerbern.“ Es werde auch nur der erste Bauabschnitt realisiert, mit Unterkünften für etwa 40 Flüchtlinge. Sollte das Gebäude irgendwann nicht mehr für diesen Zweck benötigt werden, würden anschließend auch keine Obdachlosen einziehen. „Es werden Gemeindewohnungen für Alleinerziehende und Rentner, die es auf dem freien Wohnungsmarkt schwer haben.“ Warum die Nachbarn eine Wertminderung fürchten, ist Altenberger schleierhaft. „In der Seestraße haben wir eine Obdachlosenunterkunft, da gibt es drumherum teure Häuser.“