Die Rumold-Realschule ist 50 Jahre alt. Foto: Patricia Sigerist

Die Rumold-Realschule ist 50 Jahre alt. Verschiedene Zeitzeugen erinnern an die vergangenen Tage. Auch die frühere Rektorin Ingeborg Wehmeyer erzählt aus einer Zeit, als es weder Handys noch Google gab.

Rommelshausen - Der Hawaii-Toast war damals groß in Mode. Auch Trimm-Dich-Pfade waren sehr beliebt. Die Songs der Beatles liefen im Radio rauf und runter, und die Mädchen wollten aussehen wie das dürre Supermodel Twiggy. Das war 1965. In jenem Jahr wurde in Rommelshausen die Rumold-Realschule eröffnet.

Ingeborg Nagl-Kranzinger erinnert sich noch gut an die Zeit vor 50 Jahren. Die Rektorin erzählt, wie sie damals als junges Mädchen gerne kurze knappe Röcke getragen hat. Lange ist das her. Anlässlich des Jubiläums veranstaltet die Rumold-Realschule am 15. Mai ein Schulfest. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Die Schüler beschäftigen sich jetzt mit einer Zeit, die sie nur aus Büchern oder von Erzählungen ihrer Eltern kennen.

Ingeborg Nagl-Kranzinger Foto: Sascha Sauer
Ingeborg Nagl-Kranzinger kam im Jahr 2000 an die Realschule, seit 2001 leitet sie die Bildungseinrichtung. „Seither hat sich gewaltig viel verändert“, sagt sie. Einige dieser Veränderungen sind auf den ersten Blick erkennbar. Etwa der Anbau, in dem die Räume für Naturwissenschaften und Technik sowie die Schulküche untergebracht sind. Er wurde im Jahr 2005 eingeweiht. „Wir mussten damals den Anforderungen der Zeit gerecht werden“, sagt Ingeborg Nagl-Kranzinger.

Die Rektorin erinnert sich noch gut an ihre Anfangsjahre, eine Zeit, in der sie ständig Baupläne studierte und sich mit Raumgestaltung beschäftigte. Und sie packte mit an: Im Neubau verlegte sie gemeinsam mit Schülern, Eltern und Lehrern den Parkettboden. „Das war ein richtiges Event.“ Auch der Schulgarten wurde einige Zeit später eingerichtet.

In ihrem ersten Jahr als Rektorin war Ingeborg Nagl-Kranzinger für 308 Schüler zuständig, momentan sind es 319. „Es ist ein ständiges Auf und Ab, weil die Geburtenjahrgänge unterschiedlich sind“, sagt sie. Einer Debatte über die Folgen des erwarteten Schülerschwunds will sie sich nicht anschließen. Sie habe, so sagt sie, keine Sorge, dass die Rumold-Realschule irgendwann zur Diskussion steht.

Erfolge bei Wettbewerben und Projekten

Während im vergangenen Jahrtausend viele Arbeitsgemeinschaften an der Schule angeboten wurden, sind es jetzt vor allem Wettbewerbe und Projekte, an denen die Kinder und Jugendlichen teilnehmen. Auch Erfolge werden erzielt: „Bei ‚Jugend debattiert’ hatten wir in diesem Jahr sogar einen Schüler in der Landesqualifikation“, sagt Ingeborg Nagl-Kranzinger stolz.

Was hat sich noch in jüngster Zeit verändert? Seit drei Jahren gibt es an der Schule eine andere Taktung. Statt wie bisher 45 Minuten dauert eine Schulstunde jetzt 60 Minuten. Die Lernpsychologie unterstütze diese Zeitraster, sagt Ingeborg Nagl-Kranzinger, die ebenfalls zu den Befürwortern dieser Neuerung zählt.

Der Wegfall der Grundschulempfehlung ist nicht spurlos an der Rumold-Realschule vorbei gegangen. „Das Leistungsniveau ist stärker differenziert als früher“, sagt die Rektorin. Eine Reaktion auf die stärkere Verschiedenheit sind die neu eingeführten Lernatelierstunden für die Fünft- und Sechstklässler. In den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik werden die Schüler je nach Leistungsstärke in Kleingruppen eingeteilt. „Die Schwachen sollen gefördert, die Starken gefordert werden“, erklärt Ingeborg Nagl-Kranzinger.

Ganztagsunterricht ist ein Thema

Auch eine Sozialarbeiterin gibt es mittlerweile. Valerie Paulus bietet Sozial- und Kompetenztraining an, ebenso ist sie Ansprechpartnerin für die Sorgen und Nöte der Schüler. Immer wieder werden Stimmen laut, dass die Rumold-Realschule Ganztagsunterricht anbieten müsste. Ingeborg Nagl-Kranzinger sagt: „Wir können als Schule momentan nicht beurteilen, wie groß der Bedarf an Ganztagsangeboten ist.“ Sie kenne auch viele Eltern, die sich wünschten, dass ihre Kinder weiterhin nachmittags am Vereinsleben teilnehmen.

Und immer wieder gibt es Neuerungen. So sieht der Bildungsplan 2016 vor, dass nach der neunten Klasse Realschüler auf eigenen Wunsch einen Hauptschulabschluss ablegen können. Doch Ingeborg Nagl-Kranzinger konzentriert sich jetzt vor allem auf das Schulfest. Sie ist schon gespannt darauf, was ihre Schüler sich alles einfallen lassen werden, um an die alten Zeiten zu erinnern.

Als die Schüler „Schätzle“ hießen

Stetten - Zeit ist relativ, das bekommt Ingeborg Wehmeyer immer zu spüren, wenn sie auf ehemalige Schüler trifft. „Dann ist mir die Rumold-Realschule plötzlich wieder ganz nah, weil Erinnerungen wachgerüttelt werden“, sagt die ehemalige Rektorin.

24 Jahre lang hat sie die Geschicke der Realschule geleitet, bis sie sich im Jahr 2000 in den Ruhestand verabschiedete. Erst vor wenigen Wochen war sie auf einem Ehemaligen-Treffen des Jahrgangs 1977. Was habe ich mit ihnen erlebt?, fragte sich Ingeborg Wehmeyer. Da sind ihr als erstes die „Denkreisen“ eingefallen, die sie früher mit den Schülern im Deutschunterricht unternommen hat. Wenn man etwas über ein Buch oder einen Autor nicht wusste, dann habe man gemeinsam Überlegungen und Vermutungen angestellt, erklärt sie. „Heute fragt doch jeder Google.“

Ingeborg Wehmeyer Foto: Sascha Sauer
Bei den Ehemaligen-Treffen würden die Schüler immer vom Schullandheim und ihren Streichen erzählen, sagt Ingeborg Wehmeyer. Auch die Eigenarten der jeweiligen Lehrer kämen zur Sprache. Sie selbst sei etwa für den Spruch „Von nix kommt nix“ bekannt. Die heute 77-Jährige hatte in ihrer Zeit als Rektorin viele Gesichter kommen und gehen gesehen. Und sie arbeitete mit Tricks: „Wenn ich damals den Namen eines Schülers nicht wusste, dann habe ich ihn einfach ‚Schätzle’ genannt.“

Die Rumold-Realschule feiert dieser Tage ihr 50-jähriges Bestehen. Damals brauchte die Gemeinde Kernen eine Mittelschule, weil in Waiblingen der Andrang so groß war, dass keine auswärtigen Schüler mehr aufgenommen werden konnten. Am 1. Mai 1965 begann der Unterricht im Alten Schulhaus. 20 Schüler aus Stetten, Rommelshausen und Strümpfelbach bildeten die Eingangsklasse.

Ein Hauswirtschaftsbereich fehlt

Im Jahr 1971 folgte der Umzug in das heutige Schulgebäude. Ingeborg Wehmeyer – damals noch Rektorin der Haldenschule – war als Gast bei der Einweihung eingeladen. „Beim Festbankett stellte ich entsetzt fest, dass es keinen Hauswirtschaftsbereich an der neuen Schule gab.“ Für den Unterricht mussten die Schüler die Küche in der Haldenschule aufsuchen. Später als Rektorin der Rumold-Realschule ärgerte sie sich ständig darüber: „Die Schüler vertrödelten auf dem Weg die Zeit und kamen zu spät.“ Deshalb machte sie sich wiederholt für einen eigenen Hauswirtschaftsbereich stark. Vergebens. „Die Gemeinde wollte kein Geld locker machen“, sagt sie.

Ingeborg Wehmeyer erinnert sich noch gut daran, dass es immer sehr eng zuging, weil das Gebäude ursprünglich als zweizügige Realschule geplant war. Weil aber zeitweise mehr als 500 Schüler die Bildungseinrichtung besuchten, musste ein Pavillon mit Klassenzimmern aufgestellt werden.

Der Realschulabschluss ist noch etwas besonderes

Und wie war das Klima damals an der Schule? Früher sei der Lehrer noch eine Autorität gewesen, sagt die Stettenerin. Ihre Schüler seien vor allem Kinder von selbstständigen Handwerkern und Angestellten gewesen. „Wir hatten auch immer viele Kinder, die eine Empfehlung für das Gymnasium bekommen hatten.“ Der Realschulabschluss sei damals noch etwas Besonderes gewesen, und rund ein Drittel der Schüler hätte nach der Mittleren Reife auf das Gymnasium gewechselt.

Die Rumold-Realschule sei aber auch immer wegen ihres Kulturprogramms beliebt gewesen, sagt Ingeborg Wehmeyer. Zahlreiche Aktionen zählt sie auf – von Kunstausstellungen über Fahrten in Konzentrationslager bis zur Mitwirkung beim Volkstrauertag. Besonders in Erinnerung ist ihr ein Projekt geblieben, in dem Schüler ihre Verwandten zum Zweiten Weltkrieg interviewt hatten.

Hätte Ingeborg Wehmeyer die Wahl, sie würde wieder Rektorin einer Realschule werden, sagt sie. „Bildung ist ein Politikum, wer das nicht versteht, geht unter.“