Roman Novitzky – Tänzer, Choreograf, Fotograf Der kostbare Augenblick

Von Nikolai B. Forstbauer 

Gefeiert als Erster Solist des Stuttgarter Balletts, gefeiert als Choreograf – nun holt die Ruoff-Stiftung in Nürtingen den Fotografen Roman Novitzky auf die Kunstbühne: Eröffnung ist am Sonntag, 6. Mai, um 11 Uhr.

Stuttgart - Hildegard Ruoff lässt sich nicht mit lauten Tönen blenden. „Ein Mensch muss mich interessieren“, sagt sie, „eine Arbeit muss mich interessieren.“ Das braucht mitunter Zeit. Aber wenn sich Ruoff für eine Sache und für einen Menschen entschieden hat, „wird man unheimlich reich beschenkt – mit Aufmerksamkeit“. Die 2017 viel zu früh ­verstorbene Stuttgarter Objekt- und Bühnenkünstlerin Rosalie hat es so ­erlebt – 2016 hatte Hildegard Ruoff sie zu einer „Werkstatt-Ausstellung“ eingeladen, zu einem Einblick in die Bildwelt hinter den großen Rosalie-Auftritten.

„Der tanzende Blick“ heißt die Ausstellung von Roman Novitzky in Nürtingen

Aus der Aufmerksamkeit folgt für Hildegard Ruoff Interesse an und Engagement für einen Dialog mit und über Bilder. „Da kann ich sehr konsequent sein“, sagt die ­Lenkerin der Fritz-und-Hildegard-Ruoff-Stiftung in Nürtingen. Und überraschen. Etwa mit der Ausstellung „Der tanzende Blick. Roman Novitzkys Stuttgarter Ballett“, die an ­diesem Sonntag, 6. Mai, um 11 Uhr in den Räumen der Stiftung in Nürtingen (Schellingstraße 12) eröffnet wird.

„Das interessiert mich“, sagt die Hüterin des künstlerischen Lebenswerkes des Bildhauers, Malers und Zeichners Fritz Ruoff (1906-1986) knapp. „Wir glauben doch alle, wir wissen, wie Tanz aussieht, wie er wirkt, was ­Ballett ausmacht. Und dann erleben wir über diese hoch­­spannenden Arbeiten von Roman ­Novitzky, was noch alles zu ­entdecken ist. Das ist ­großartig.“

Nun tritt der Tänzer und Choreograf auch als Fotograf ins Rampenlicht

Roman Novitzky ist im Stuttgarter Ballett mit seiner Kamera nahezu überall dabei – im Ballettsaal ebenso wie bei den Vorstellungen im Stuttgarter Opernhaus und Schauspielhaus oder auf den weltweiten Tourneen. Und auf einer Tournee begann denn vor Jahren auch jener Weg, der Roman Novitzky nun auch in der Kunst der Fotografie ins Rampenlicht führt.

Stuttgarts Ballettintendant Reid Anderson: „Das ist ziemlich einzigartig“

„Tänzer, Choreograf, Fotograf – es kommt ganz selten vor, dass jemand in all diesen Bereichen talentiert ist“, sagt Reid Anderson, Intendant des Stuttgarter Balletts. „In der Welt des Musicals“, so Anderson weiter, „würde man so jemanden einen ,triple ­threat’ nennen – jemand, der sehr gut singen, ­tanzen und schauspielern und vor allem die ganze Show zusammenhalten kann.“ Und Reid Anderson präzisiert: „So einer ist ­Roman Novitzky. Er ist immer bereit, hart zu arbeiten, willig, alles auszuprobieren und hat dann auch noch das Talent, das Wissen, den Instinkt und vor allem die notwendige Demut, seine Arbeit – egal in welchem Bereich – erfolgreich durchzuführen. Das ist ziemlich einzigartig!“

Novitzkys Fotopanorama als Spiegel der Arbeit von Reid Anderson

Das Wort Demut ist wichtig. „Roman ­Novitzky“, skizzierte Andrea Kachelrieß, Ballettkritikerin unserer Zeitung, 2017, „ist einer, der die Mitte in sich gefunden hat, der als Tybalt oder Paris nicht nach dem Romeo schielt, der souverän Prinzessinnen auf den ‚Schwanensee‘-Ball begleitet, ohne sich nach der Prinzenrolle zu verzehren. Ein ­Tänzer, auf den sich auch Choreografen wie Mauro Bigonzetti oder Edward Clug gern verlassen.“ Aber auch Marco Goecke ist hier zu nennen – und so spiegelt der Dialog des Tänzers, Choreografen und Fotografen ­Roman Novitzky mit dem Stuttgarter Ballett zugleich in besonderer Weise die Arbeit von Reid Anderson.

Roman Novitzky nähert sich vorsichtig

Novitzky nähert sich vorsichtig, umsichtig, verschweigt in seinen Aufnahmen auch nicht die Möglichkeit, dass er sich falsch entschieden haben könnte, dass er den Bruchteil einer Sekunde früher oder später hätte auslösen müssen. Ebenso wenig verschweigt Novitzky die enorme Anstrengung hinter der gefeierten Ballett-Leichtigkeit. Doch gerade das erzeugt in eigenwilligem Widerspruch die bildnerische Eigenkraft. Novitzky, skizziert Andrea Kachelrieß, „fängt ­Momente ein, die sich ohne seine Kamera ­sofort verflüchtigen würden. Sie geben ­seinen Bildern eine besondere, kostbare Stimmung.“

Figuration wird zum Gegenspiel der Linien

Nicht selten wird aus den Szenerien ein pures Linienspiel – immer noch ist da Friedemann Vogel im Ballettsaal, immer noch Alicia Amatriain in „Bolero“ allein auf der Bühne. Aber zugleich durchmessen Vogels Arme den Raum, wird Amatriains Körper zur schneidenden Vertikale. „Das interessiert mich natürlich besonders“, sagt Hildegard Ruoff. Und: „Jetzt bin ich einfach ungeheuer neugierig auf das, was hier entsteht.“

Eröffnung am 6. Mai um 11 Uhr

Die Ruoff-Stiftung in Nürtingen (Schellingstraße 12) zeigt von diesem Sonntag, 6. Mai, an als erste öffentliche Kunsteinrichtung ein Panorama des fotografischen Werks von Roman Novitzky. In Bratislawa geboren, tanzt Novitzky seit 2009 beim Stuttgarter Ballett, seit 2015 als Erster Solist.

Roman Novitzky ist auch als Choreograf etabliert. Für den aktuellen Ballettabend „Die fantastischen Fünf“ steuerte er das Eröffnungsstück „Under the Surface“ bei.

Seit rund sechs Jahren begleitet Novitzky den Tanz auch hinter der Kamera. „Der tanzende Blick. Roman Novitzkys Stuttgarter Ballett“ summiert erstmals diese Bildwelt. Eröffnet wird die Schau an diesem Sonntag um 11 Uhr. Es spricht Andrea Kachelrieß, Ballett­kritikerin unserer Zeitung

Auf Wunsch von Roman Novitzky geht der Gesamterlös aller in der Ausstellung verkauften Fotoarbeiten an die Stuttgarter Olgäle-Stiftung für das kranke Kind e. V.

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