Rollstuhl-Basketball Ein Lehrbeispiel für Inklusion

Von sec 

Rollstuhl-Basketball macht den Kindern Spaß Foto: Baumann
Rollstuhl-Basketball macht den Kindern Spaß Foto: Baumann

An der Margarete-Steiff-Schule in Stuttgart spielen behinderte und nicht-behinderte Kinder gemeinsam Rollstuhl-Basketball. Geht das zusammen?

Stuttgart - Laute Rufe schallen durch die Sporthalle der Margarete-Steiff-Schule. Ein Basketball hüpft quer über das Spielfeld, ein gutes Dutzend Kinder versucht ihm hinterherzujagen. Eine Szene, wie sie wahrscheinlich täglich im Sportunterricht vorkommt. Doch eines ist hier anders – die Kinder sitzen alle in Rollstühlen. Fabian Schönleber steht währenddessen am Spielfeldrand und schaut den Kindern aufmerksam zu. Der Sportlehrer vom Gemeinschaftserlebnis Sport (GES) ist Initiator der einzigen inklusiven Rollstuhl-Basketball-AG in Stuttgart. „Ich wollte schon immer was mit dem Thema Inklusion machen“, erzählt Schönleber, „und Rollstuhlbasketball bietet sich perfekt dafür an, da im Rollstuhl alle die gleichen Voraussetzungen haben.“

Das ist das Besondere an diesem Projekt: Sowohl körperlich behinderte Schüler der Margarete-Steiff-Schule wie auch nicht­behinderte Schüler der Freien Evangelischen Schule treiben zusammen Sport. „Man merkt keine Unterschiede. Alle spielen miteinander“, freut sich Schönleber. Seit diesem Schuljahr wird die Rollstuhl-Basketball-AG vom GES in Kooperation mit der Margarete-Steiff-Schule und der Freien Evangelischen Schule angeboten.

Bis es endlich so weit war, mussten jedoch einige Hürden überwunden werden. Denn die speziellen Rollstühle für Basketball sind teuer. Da sie mit einem Kipp- und Fußschutz versehen werden müssen, kostet jeder Rollstuhl 1500 Euro. Über einen Projektmittelfonds von der Stadt Stuttgart, mit dem Kinder- und Jugendprojekte gefördert werden, sowie dem Etat des GES und Crowd-Funding, einer Art Spendensammeln, konnte die AG realisiert werden. „Inzwischen haben wir 13 Rollstühle angeschafft“, berichtet der Schulleiter der Margarete-Steiff-Schule, Peter Otto. Und die werden auch alle benötigt – denn die Resonanz auf das Angebot ist sehr gut. So gut, dass es auch im neuen Schuljahr mit der AG weitergehen soll.

„Der Spaß steht im Vordergrund“

„Den Kindern macht das richtig Spaß, sie gehen total gerne zum Rollstuhl-Basketball“, bestätigt Kerstin Brendle, die Konrektorin der Schule. Auch der Schulleiter ist vom Angebot begeistert: „In der Freizeit gibt es für Behinderte relativ wenig Möglichkeiten, sich sportlich zu betätigen“, erklärt Otto, „deshalb ist die AG eine tolle Gelegenheit, da Bewegungsförderung an unserer Schule eine ganz wichtige Rolle spielt.“

Jeden Dienstag treffen sich Schüler der beiden Schulen zum gemeinsamen Training und Spiel – und egal ob mit Behinderung oder ohne, alle Kinder haben die gleichen Chancen. „Der Spaß steht bei uns im Vordergrund“, sagt Schönleber, „aber es gibt auch eine soziale Komponente. Wir wollen bei den Kindern Verständnis füreinander schaffen.“ Und der Plan scheint zu funktionieren: Alle Kinder sind im Spiel integriert und mit Feuereifer dabei. „Ich finde Rollstuhl-Basketball ist eine tolle Erfahrung“, sagt Jonathan, ein Schüler der Margarete-Steiff-Schule. Und auch für Astia von der Freien Evangelischen Schule, die in ihrer Freizeit selbst Basketball spielt, ist die inklusive AG etwas Besonderes. „Es macht richtig Spaß, mit den Behinderten gemeinsam Basketball zu spielen“, sagt die Schülerin. Und das ist ja schließlich ein Ziel der Inklusion.

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