Roland Emmerich (zweiter von rechts) bei den Dreharbeiten zu „Midway“ Foto: Alan Markfield

Roland Emmerichs neuer Film „Midway“ handelt von einer entscheidenden Seeschlacht im Zweiten Weltkrieg. Im Gespräch verrät die schwäbische Antwort auf Steven Spielberg, warum es gerade jetzt an der Zeit ist, diesen Stoff aufzugreifen.

Stuttgart - Roland Emmerich ist einer der erfolgreichsten Regisseure aller Zeiten. Auch sein Weltkriegs-Epos „Midway - Für die Freiheit“ dürfte wieder ein Kinohit werden. Dass er nicht nur Katastrophe kann, hat der gebürtige Sindelfinger, schon unter Beweis gestellt. Diesmal gilt es dem Kampf gegen die Feinde der Demokratie.

Warum haben Sie sich dazu entschieden in der heutigen Zeit einen Film über die Midway-Seeschlacht im Zweiten Weltkrieg zu drehen?

Ich wollte den Film schon vor zwanzig Jahren drehen. Damals war ich noch bei der „Sony“ unter Vertrag. In der US-Firmenvertretung war man begeistert von der Idee, aber die Konzernzentrale in Japan wollte so einen teuren Film nicht machen, weil ihr Land die Schlacht verloren hatte. Wenige Jahre später kam dann auch noch Michael Bay mit „Pearl Harbor“ – da musste man lange warten, bis man ein Projekt mit einem ähnlich gelagerten Thema realisieren konnte. Gerade jetzt mit dem wieder aufkeimenden Nationalismus und Rechtsradikalismus ist es keine schlechte Idee einen solchen Film zu machen. Denn im Grunde erzählt „Midway“ von jungen Soldaten, die ihr Leben aufs Spiel setzen, um Freiheit und Demokratie gegen Faschismus verteidigen.

Aber werden sich die nationalistisch gesonnenen Amerikaner nicht gerade durch diese Reinszenierung einer siegreichen Schlacht bestätigt sehen?

Nein, das glaube ich nicht. Wir haben den Film schon vor Publikum getestet und die Zuschauer fanden es gerade gut, dass der Film nicht so superpatriotisch daher kommt und am Ende nicht groß gejubelt wird, sondern die Opfer auf beiden Seiten betrauert werden. Ich kann und will Krieg nicht verherrlichen. Im Drehbuch waren ein oder zwei Jubelszenen drin und ich habe gleich gesagt, dass ich die nicht drehen werde, weil mir das falsch vorkam.

Gibt es auch schon Reaktionen aus Japan zu dem Film?

Das einzige Land, an das wir die Verwertungsrechte nicht vorab verkaufen konnten, war Japan. Dann haben wir den Film nach der Fertigstellung allen japanischen Verleihern gezeigt. Da kam es zu einem regelrechten Bieter-Kampf, bei dem wir zweieinhalb Mal so viel bekommen, wie wir ursprünglich wollten. Die Vertreter der japanischen Filmverleihe haben gesagt, dass die Japaner es mögen werden, wie sie dargestellt sind und der Film ehrlich zur Geschichte ist. Wir halten uns eng an die Wahrheit und versuchen beiden Seiten gerecht zu werden. Es war uns wichtig, dass die Japaner im Film nicht nur Kanonenfutter sind, sondern dass man versteht, warum sie das alles machen wollten und woran es gescheitert ist.

Der Film beginnt mit dem Angriff auf Pearl Harbor. Welche Bedeutung hat dieser Angriff heute noch in der US-Geschichtsschreibung?

Pearl Harbor hat in den USA immer noch eine supergroße Bedeutung. Es ist der erste und einzige militärische Angriff auf US-Territorium. Deshalb wurde die Terrorattacke auf das World Trade Center 2001 oft auch als das „moderne Pearl Harbor“ bezeichnet. Uns war es sehr wichtig Pearl Harbor zu zeigen, um zu verstehen, warum die Amerikaner in den Krieg eingetreten sind. Man sieht auch sehr deutlich, wie schlecht die Amerikaner auf diesen Angriff vorbereitet waren.

Haben Sie Veteranen getroffen, die an der Schlacht beteiligt waren?

Wir haben versucht ein oder zwei von ihnen zu treffen, aber die waren schon sehr alt und gebrechlich. Es gibt jedoch irre viele Spezialisten, die ihr ganzes Leben zu der Schlacht von Midway geforscht haben. Im Internet gibt es ein Forum, den sogenannten „Midway-Round-Table“. Das sind ehemalige Militärs oder Hobbyforscher, die sich tief in das Thema eingearbeitet haben. Deren Rat haben wir oft in Anspruch genommen. Midway war ja ein Wendepunkt im Krieg und eine sehr komplizierte Schlacht. Wir wollten zeigen, wie kompliziert Krieg ist, welche komplexen, strategischen Entscheidungen da getroffen werden und wie alles in der Vorbereitung Hand in Hand arbeitet.

Sie haben sich im letzten Präsidentschaftswahlkampf ganz klar gegen Trump positioniert. Wie hat sich Hollywood in der Ära Trump verändert?

In Hollywood hat sich eigentlich wenig geändert. Da wird jede Show benutzt, um den Präsidenten zu kritisieren. Seit Trump ist Hollywood eigentlich noch mehr nach links gerückt. In meinem persönlichen Leben hat sich wenig verändert, aber natürlich hat sich Amerika unter Trump stark gewandelt. Wenn man in den Nachrichten sieht, was an der Grenze zu Mexiko vor sich geht – das ist wirklich erschreckend. Menschen werden in Käfige gesteckt. Kinder sterben in Abschiebelagern. Immigranten ertrinken im Fluss. Solche Bilder machen mir Angst. Die Amerikaner haben mit Trump einen Betrüger zum Präsidenten gemacht, der das US-Wahlsystem ausgetrickst hat und ins Weiße Haus einziehen konnte, obwohl er 3 Millionen weniger Stimmen als Hillary Clinton hatte. Donald Trump ist ein krankhafter Narzisst, der alles machen wird, um in seiner Machtposition zu überleben.

Werden Sie auch mal wieder einen Film in Deutschland drehen?

Ich habe ja „Anonymus“ im Studio Babelsberg gedreht. Deren Betreiber kenne ich ja ganz gut und die sagen immer zu mir: „Aber nächstes Mal drehst du wieder bei uns“. Aber meinen nächsten Film werde ich erneut in Montreal drehen. Das ist einfach günstiger. Auch günstiger als in den USA. Für die computergenerierten Effekte müsste ich dort nach Atlanta gehen, wo die ganzen Marvel-Filme produziert werden. Da ist die Konkurrenz um Studio-Ressourcen einfach zu groß.

Was ist Ihr nächster Film?

Das ist „Moonfall“. Es geht um den Mond, der ja von vielen Mythen und Geheimnissen umgeben ist. Im Film gerät der Mond aus der Umlaufbahn und droht nach 30-40 Tagen auf die Erde zu fallen

Ab und an schaffen hiesige Filmemacher den Sprung nach Hollywood. Was schätzt man dort an deutschen Regisseuren?

Das ist sicherlich ganz individuell. Bei mir mögen die Produzenten wahrscheinlich, dass ich sehr kontrolliert und billiger arbeite als alle anderen. Das finde ich auch richtig. Warum soll man mit zu viel Geld arbeiten, wenn es auch mit weniger geht. Zum anderen bin ich ein Spezialist für große Blockbuster-Produktionen und es gibt außer vielleicht Steven Spielberg keinen Regisseur, der einen Film wie „Midway“ in 65 Tagen dreht.

Die sprichwörtliche schwäbische Sparsamkeit zahlt sich also auch in Hollywood aus?

In meinem Privatleben bin ich ganz und gar nicht sparsam. Da gebe ich mein Geld aus, als gäbe es kein Morgen. Ich leiste mir z.B. ein Boot mit sechsköpfiger Besatzung in Griechenland, einfach weil das für mich der beste Ausgleich zu meiner Arbeit ist.

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