Die Schutzgemeinschaft Rohrer Weg hat ihren Kalender für 2018 herausgebracht. Zudem sucht der Verein noch nach einem eigenen Streuobstwiesengrundstück.

Möhringen - Fast schon trotzig blickt die Wacholderdrossel hinter den orangefarbenen Beeren hervor. Norbert Michel hat den Vogel mit seiner Kamera eingefangen. Der Möhringer ist Hobbyfotograf und Mitglied der Schutzgemeinschaft Rohrer Weg. Er hat die Bilder für den Streuobstwiesenkalender 2018 beigesteuert. „Einige der Motive entstanden zufällig, etwa die Drossel oder die Feldhasen. Wenn man wilde Tiere fotografiert, kann man nicht viel planen“, sagt Michel. Auch die Frau mit dem langen roten Mantel, die auf dem Dezemberblatt durch den unberührten Schnee stapft, habe er nicht extra vor die Linse geholt. „Solche Bilder sind Glückssache“, sagt der Fotograf.

In zwölf Aufnahmen spiegelt sich die ganze Bandbreite des Lebensraums Streuobstwiese wider. Brütende Spechte, verschneite Äste, ein Leiterwagen im Schatten eines Apfelbaums, den Picknicker dort abgestellt haben; das Gesicht der Streuobstwiese ändert sich mit den Jahreszeiten. Der Erlös aus dem Verkauf des Kalenders dient der Pflege und dem Erhalt der Streuobstwiese am Rohrer Weg.

2017 war kein gutes Jahr für die Obstbäume

Die Schutzgemeinschaft setzt sich gegen die Zerstörung der Streuobstwiesen und Felder am Rohrer Weg und für den Erhalt alter Obstbäume ein. Mehrmals im Jahr finden Schnittkurse auf dem Gelände westlich der Udamstraße statt. Die Volkshochschule und der Naturschutzbund Stuttgart bieten botanisch-ornithologische Spaziergänge über die Wiesen an. Im Herbst sammeln Kinder das heruntergefallene Obst ein und pressen frischen Apfelsaft. Zudem nimmt die Schutzgemeinschaft Obst an, aus welchem die Firma Mayer den Stuttgarter Apfelsaft herstellt.

Das Jahr 2017 allerdings war kein gutes für die Apfelbäume. „Der späte Frost im Frühjahr hat viele Blüten erfrieren lassen“, erklärt Michel. Der Ertrag der Streuobstwiese am Rohrer Weg war so gering, dass die Schutzgemeinschaft kein Obst an die Fruchtsaftfirma weitergeben konnte. Sorgen um die kommende Saison macht sich Michel aber nicht. „Schwankungen gibt es immer. Es gibt eben Jahre mit vielen Äpfeln und solche mit wenigen.“

Der Wunsch nach einem eigenen Grundstück

Vier Grundstücke am Rohrer Weg hat die Schutzgemeinschaft gepachtet. Ein lang gehegter, bislang unerfüllter Wunsch ist ein eigenes Grundstück auf der Streuobstwiese. „Wir würden uns freuen, wenn wir ein eigenes Stückle hätten“, sagt Michel.

Die Schutzgemeinschaft pflanzt beziehungsweise finanziert Obstbäumchen am Rohrer Weg. Bevorzugt werden alte, hochstämmige Apfel- und Birnensorten. „Vor vier Wochen erst haben wir neun Bäume gepflanzt, im Frühjahr waren es drei“, sagt Michel. Er schätzt, dass der Verein seit seiner Gründung 2003 bereits 100 Bäume gepflanzt hat. Interessierte Streuobstwiesenbesitzer und -pächter können von der Schutzgemeinschaft kostenlos Bäumchen erhalten.

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