Um eine Rohrer Waldhexe zu werden, bedarf es einer einjährigen Bewährungszeit und einer Prüfung, die es in sich hat. Foto: Ina Schäfer

Wo einst Herzog Ulrich von Württemberg seinen Stallmeister erstach und erhängte, treiben heute die Rohrer Waldhexen ihr Unwesen.

Schönbuch - Die Hutteneiche ist zwar längst gefällt, doch zeugt heute noch ein steinernes Kreuz von dem Mord, der am 7. Mai 1515 im Schönbuch begangen wurde. Herzog Ulrich von Württemberg erstach an jenem Tag seinen Stallmeister Hans von Hutten im Streit um dessen Frau, und hängte ihn anschließend an einer Eiche auf. Jahrhunderte später begann man sich an die Geschichte aus der Stadtteil-Chronik zu erinnern und gründete 1992 die Rohrer Waldhexen, die nun in jedem Jahr zur Fasnet Hans von Hutten und dessen Frau auferstehen lassen.

So erschreckend die Geschichte in der Chronik ist, so erschreckend ist oftmals auch der Auftritt der Narrenzunft um Zunftmeister Heinz Weiß. So treibt die Truppe auf Umzügen in ganz Baden-Württemberg und darüber hinaus – bei Paraden in der Schweiz oder in Frankreich – ihr Unwesen. Selbstverständlich ohne Schwert und ohne Blut. An Eichen wird heute auch niemand mehr aufgehängt. Allerdings werden Frisuren verwüstet, Schnürsenkel geklaut, und auch mal in Fenster geklettert.

Allerdings gibt es strenge Regeln, wie sich Rohrer Waldhexen zu verhalten haben. Darauf hat Zunftmeister Weiß ein Auge: Wenn sich jemand wehrt, lasse man sofort von ihm ab. „Wir bringen nie mehr Leute mit nach Hause als wir sind“, sagt die Waldhexe Klothilde, die eigentlich ein Mann ist. Bei den Rohrer Waldhexen verkörpert der Zunftmeister die Hutteneiche, die anderen Hexen Huttens Frau Ursula, wobei jeder Mann einen altdeutschen Frauennamen trägt und umgekehrt die Frauen einen altdeutschen Männernamen.

Erst wird sich einer Prüfung unterzogen

Das ist nur eine von zahlreichen Traditionen, die der Verein pflegt. Neue Mitglieder sind zwar willkommen, doch beginnt man zunächst als sogenannte Schnupperhexe. Ein Jahr dauert es, bis man bei der Hexentaufe, die zu Beginn der Fasnet am Rohrer See stattfindet, als vollwertiges Mitglied anerkannt wird und seinen Hexennamen bekommt. Das jedoch nicht, ohne zuvor einige Prüfungen bestanden zu haben. So müssen die Nachwuchshexen beispielsweise einen Zaubertrank mit geheimer Rezeptur trinken oder einen Weg gehen, bei dem das Durchkommen „erschwert wird“, wie eine Hexe schmunzelnd sagt.

Das bisher größte Ereignis in der 20-jährigen Vereinsgeschichte war der erste von ihnen veranstaltete Rohrer Fasnets­umzug im Jahr 2003. 40.000 Zuschauer waren dort und 4000 Hästräger, wie die Waldhexen erzählen. Bei den Umzügen treiben sie nicht nur Schabernack, auch Akrobatik gibt es zu sehen – zum Beispiel eine fünfstöckige Hexenpyramide. Die Umzüge sind während der närrischen Zeit lange nicht alles: Die Waldhexen treten unter anderem bei Festen auf, es gibt einen Rathaus- und Schulsturm und natürlich den Hexenball.

Auch sozial engagiert sich die Narrenzunft. Der Verein unterstützt beispielsweise das Senioren- und Pflegeheim Hans-Rehn-Stift sowie den Vaihinger Filderhof mit Kaffee und Kuchen. Im Häs gekleidet besuchen die Waldhexen die Bewohner, um zusammen Fasching zu feiern und die Senioren an Früher zu erinnern.

ROHRER WALDHEXEN

Anschrift: Rohrer Höhe 52, 70565 Stuttgart

Telefon: 74 99 01

Homepage: www.rohrer-waldhexen.de

Zunftmeister: Heinz Weiß

Gründungsjahr: 1992

Mitgliederzahl: 95

Abteilungen: Narrenzunft

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