Jacob Zoller vom Büro Deuschlehat bei seinen Beobachtungen in der Krebsbachaue die Kiebitze gezählt. Foto: Käthe Ruess

16 brütende Paare und 24 Jungvögel, die flügge wurden – für das Kiebitz-Schutzgebiet in Rohrau fällt die Bilanz positiv aus.

Es sind markante Rufe, die die Kiebitze in der Rohrauer Krebsbachaue ausstoßen, wenn sie mit teils waghalsigen Flugmanövern Angriffe von Greifvögeln auf ihren Brutplatz abwehren. Über Feinde am Boden brauchen sich die Tiere indes keine Sorgen mehr machen. Nachdem ein Fuchs im Jahr 2023 trotz eines installierten Elektrozaunes in das Kiebitzschutzgebiet eingedrungen war und die Brut empfindlich gestört hatte, wurde aufgerüstet: Eine doppelte Zaunlinie mit Netz- und Litzenzaun, mehr Weidezaungeräte für ausreichende Spannung auf der gesamten Zaunlänge und eine GSM-gestützte Überwachung der Spannungsstärke halten Fuchs und Co. jetzt ab.

 

Reichhaltiges Futterangebot

Vielleicht auch deshalb hat es in diesem Jahr „keine Notfalltermine“ gegeben, berichtete Werner Strunk bei einem Pressetermin am Rohrauer Kiebitzschutzgebiet. Neben dem Inhaber des Landschaftsarchitekturbüros LarS sind auch die Gemeinde Gärtringen, insbesondere das Bauhof-Team, das Büro für Tier- und Landschaftsbiologie des promovierten Biologen Jürgen Deuschle, der Rohrauer Landwirt Klaus Sindlinger sowie die Untere Naturschutzbehörde im Böblinger Landratsamt in die Pflege und Instandhaltung involviert. „Die neue Umzäunung hat sich bewährt“, sagt Biologe Jürgen Deuschle. Dieses Jahr hätten die Verantwortlichen bei 16 Brutpaaren 24 Jungvögel gezählt, die flügge geworden seien, zieht er Bilanz. Lediglich im Jahr 2020 hätte man mit 26 Jungtieren mehr Nachwuchs gezählt. Damals habe es 23 Brutpaare in dem nordöstlich von Rohrau gelegenen Gebiet gegeben.

Allerdings seien in diesem Jahr auch außerhalb der geschützten Fläche Brutpaare entdeckt worden, erklärte Deuschle weiter. Daraufhin sei die eingezäunte Fläche entsprechend erweitert worden, um auch diese Tiere zu schützen.

Einen Grund für den Bruterfolg sehen die Kiebitz-Experten im reichhaltigen Futterangebot in diesem Jahr: Die flachen, in dem offenen Gelände vorhandenen Mulden waren angesichts der üppigen Regenfälle gut gefüllt. In diesen Bereichen stochern die Kiebitze nach Nahrung. „Je nasser der Boden, desto weiter oben sind die Regenwürmer“, sagt Jürgen Deuschle.

Als weitere Maßnahme, die zum Erfolg beigetragen hat, wertete Werner Struck die erste Beweidung der Fläche noch vor Brutbeginn durch einige Galloway-Rinder von Klaus Sindlinger. Dadurch sei es gelungen, das starke Vegetationswachstum zu verlangsamen, sagt er.

Das Schutzgebiet zahlt sich aus

Auch weitere Tierarten profitieren von diesem Naturschutzprojekt. Jacob Zoller vom Büro Deuschle, der die Tierwelt im Biotop regelmäßig beobachtet, hat unter anderem Schafstelzen, Uferschnepfen, verschiedene Wasserläufer sowie Bekassinen gesichtet. Auch Laubfrösche und Wechselkröten fühlen sich dort wohl. „Es geht hier nicht nur um den Kiebitz“, betonte Gärtringens Bürgermeister Thomas Riesch (CDU) – auch wenn diese der Gemeinde vier Millionen Punkte auf das Öko-Konto spülen, die sie für naturschutzrechtliche Ausgleichsmaßnahmen bei Neubaugebieten heranziehen kann, ohne auf weitere landwirtschaftliche Flächen zurückgreifen zu müssen.

Die Erfolge auf der Krebsbachaue strahlen auch aus. Da laut Deuschle „Raum und Nahrungsressourcen“ in diesem Kerngebiet endlich seien, würden sich die Vögel auch auf geeigneten benachbarten Flächen niederlassen. Die Kiebitzsichtungen samt beobachteten Bruterfolgen im Nufringer Ried sowie im Maurener Tal auf Holzgerlinger Gemarkung würden dies unterstreichen.