Der Übergang am Radweg bei Pleidelsheim an der Straße zwischen Pleidelsheim und Freiberg ist für Räder gesperrt. Foto: Christian Kempf

Ein Rohr verhindert an einem Pleidelsheimer Radweg (Kreis Ludwigsburg) die Straßenquerung. Radler sind genervt, die Rathauschefin sorgt sich um die Sicherheit. Nun gibt es eine Lösung.

Auf dem Radweg zwischen Benningen und Pleidelsheim haben sich zuletzt teils haarsträubende Szenen abgespielt. An der Stelle, wo die Landesstraße 1129 zwischen Pleidelsheim und Freiberg überquert werden muss, versuchten Radler verzweifelt und fluchend, ihre Bikes über ein dickes Rohr zu wuchten. „Das ist ja unmöglich“, schimpfte ein Mann zum Beispiel am Montag, als er es endlich auf die andere Straßenseite geschafft hatte. Andere schüttelten ungläubig den Kopf, dass sie eine solche Barriere überwinden sollten.

 

Stein des Anstoßes ist ein frei liegendes Rohr, das die Überfahrt blockiert. Dabei handelt es sich um ein Stück einer neuen Erdgasleitung, die die Syna verlegen möchte. Bisher sei die Verbindung unterhalb der Brücke über den Neckar angebracht, erklärt die Pleidelsheimer Bürgermeisterin Sabrina Lee. Die Trasse solle aber künftig unter dem Fluss hindurch verlaufen, was heutzutage aus Sicherheitsgründen Standard sei.

Das hört sich leichter an, als es in der Praxis offenbar umzusetzen war. Das von der Syna beauftragte Unternehmen sei bei den Arbeiten an einer Gesteinsschicht mit ihren Gerätschaften jedenfalls nicht weitergekommen, berichtet Lee. Das Projekt habe zunächst abgebrochen werden müssen.

„Absperrung wird regelmäßig weggeschoben“

Die Syna will das Erdgasrohr in den Sommerferien verlegen. Foto: Christian Kempf

All das habe sich noch im alten Jahr abgespielt. Seitdem liege das lange Rohr in dem Grünstreifen neben der Landesstraße. Der bisherige Übergang über den Radweg wurde gesperrt, eine Umgehung ausgeschildert, die nur wenige Meter mehr an Fahrstrecke beansprucht. „Ein Teil der Radfahrer hat das aber nicht angenommen. Regelmäßig wird die Absperrung weggeschoben, weil die Radler den kürzesten Weg nehmen wollen“, sagt Sabrina Lee.

„Es muss auf jeden Fall etwas unternommen werden.“

Sabrina Lee, Bürgermeisterin von Pleidelsheim

Das Landratsamt habe mittlerweile die Geschwindigkeit auf der Straße von 70 auf 50 gesenkt, zudem ein „Achtung Radfahrer“-Schild anbringen lassen. Nach dem Geschmack von Sabrina Lee reicht das aber nicht aus. Ein Bürger habe angeregt, eine Rampe anbringen zu lassen, um das Rohr nicht zu beschädigen und es besser überwinden zu können. Aber dadurch gewinne man vielleicht zu viel Schwung, lande unkontrolliert auf der Straße. Die Rathauschefin kann sich deshalb eher eine weitere Temporeduzierung vorstellen. „Es muss auf jeden Fall etwas unternommen werden. Das ist eine Gefahrenstelle und eine viel befahrene Straße, auf der sich Radfahrer so kurz wie möglich aufhalten wollen“, sagt die Bürgermeisterin.

Zumal die Leitung auch nicht in den nächsten Tagen unter dem Neckar verlegt werden kann. Der Bau habe neu beantragt werden müssen, weil die wasserrechtliche Genehmigung mit Beginn des neuen Jahrs ausgelaufen sei, sagt Sabrina Lee. Eine Prüfung von der Generaldirektion des Wasser- und Schifffahrtsamts könne aber nicht vor Ende Juni erfolgen. „Ich weiß nicht, warum das so ist. Es ist aber unfassbar“, sagt Lee. Obendrein müsse die Syna noch ein Spezialunternehmen finden, das sich durch das Gestein bohren kann, um die Leitungen zu verlegen – und diese damit von dem Radweg wegzubekommen.

Die Situation schien folglich verzwickt und eine rasche Lösung nicht in Sicht. Doch dann wurde der gordische Knoten doch noch durchtrennt. Das Landratsamt Ludwigsburg vermeldete am Mittwochnachmitttag, dass es eine kurze und schmerzlose Alternative gibt. „Mit dem Leitungsunternehmer wurde vereinbart, die Leitung an der Querungsstelle zu trennen, sodass vorübergehend ein freier Durchgang von etwa drei bis vier Metern entsteht“, erklärte Franziska Schuster, Pressesprecherin des Landratsamts in Ludwigsburg. „Eine zusätzliche Geschwindigkeitsbeschränkung ist nicht erforderlich, eine Rampe dann ebenfalls nicht“, fügte sie hinzu.

Übergang zum Wochenende wieder frei

Teilweise versuchen Radfahrer, ihre Bikes über das Rohr zu wuchten. Foto: Christian Kempf

„Wir sind sehr froh, dass diese Zwischenlösung gefunden wurde und das Gefahrenpotenzial gemindert wird“, sagt die Rathauschefin Sabrina Lee.

Das Rohr werde im Moment durchtrennt, ergänzte Luana Schnabel, Pressesprecherin der Syna am Mittwochnachmittag. Anschließend müsse der Bereich neu ausgeschildert werden. Spätestens zum Wochenende werde man dann den regulären Übergang wieder nutzen können. „Wir planen, die Gasleitung in den Sommerferien endgültig zu verlegen, um den Schulradweg aktuell nicht zu blockieren“, erklärt Schnabel.