Vor dem Haus, in dem Albrecht Goes gelebt hat, erinnerte Willi Keuler (mit Buch) an den Theologen und Autor. Foto: Ralf Recklies

Willi Keuler hat erstmals einen Spaziergang zu Wohn- und Wirkungsstätten von Dichtern und Denkern geführt.

Stuttgart - Auf den Spuren von Friedrich E. Vogt, Golo Mann, Hellmuth Karasek und anderen Denkern kann wandeln, wer durch Stuttgart-Rohr spaziert. Unter der Leitung Willi Keulers hat dies an Karfreitag ein gutes Dutzend Interessierter auf Einladung der Naturfreunde Rohr getan.

Willi Keuler beschränkte sich bei der kurzweiligen Tour nicht darauf, nur jene Rohrer Bürger vorzustellen, deren Namen eine große Strahlkraft besitzen. Er erinnerte auch an den Dichter Hans Baum, der laut Keuler „eine komische Gestalt, aber sehr liebenswert“ gewesen ist. Baum, der „mit seiner Knickerbockerhose und einer Art Barett sowie einer Gitarre in der Hand“ laut Keuler vielen älteren Bürgern noch gut in Erinnerung ist, hat viele Gedichte geschrieben. Diese hat er oft Rohrer Personen gewidmet, oder aber er hat in ihnen Zeitgeschehnisse verarbeitet. Auch Willi Keulers Vater Wilhelm, ein Schneidermeister, wurde einst von Hans Baum besungen.

Mit seiner Heimat hat sich auch der Theologe Albrecht Goes immer wieder beschäftigt. Er hat von 1954 bis zu seinem Tod am 23. Februar 2000 in Rohr gelebt und schon in den 60er-Jahren mit einem Aufsatz die bauliche Entwicklung auf der damals noch weitgehend unberührten Rohrer Höhe prognostiziert. „Goes ist häufig im Rohrer Wald spazieren gegangen“, erinnert sich Keuler. Vor dessen einstigem Wohnhaus an der Straße Im langen Hau lässt Keuler mit dem Auszug eines Goes-Textes aus dem Buch „Unterwegs zu Stuttgarts Dichtern“ von Bernd Möps auch eine Persönlichkeit aufleben, die viele Jahre die Fernsehzuschauer begeistert hat: Hans Rosenthal. In seiner Geschichte „Der Kauz“, so trägt es Keuler vor, habe Goes über den jüdischen Entertainer geschrieben, der mit der Hilfe von drei jungen Frauen in Berlin den Nazi-Terror überlebt hat.

Turbulenzen mit den Nachbarn

Während Goes ein überzeugter Rohrer war, war der Stuttgarter Teilort für Golo Mann einst vermutlich nur Schlafstätte. Mann, der von 1960 bis 1965 an der Technischen Universität als Professor tätig gewesen ist, habe sich Rohr wohl nur aus einem Grund als Wohnort ausgesucht: „Von hier ist man schnell am Flughafen und wieder weg“, mutmaßte Keuler schmunzelnd.

Nur für begrenzte Zeit lebte auch der Autor Hellmuth Karasek in Rohr. In der Häckerstraße wohnte der Literaturkritiker, der seine journalistische Laufbahn 1960 bei der Stuttgarter Zeitung begonnen hat, mit seiner ersten Frau und ihrem Kind in einer Eineinhalb-Zimmer-Wohnung. Diese Zeit hat Karasek jedoch nicht in bester Erinnerung, wie ein Text belegt. In diesem schreibt er von allerlei Turbulenzen mit den Nachbarn und der eigenen Frau.

Friedrich E. Vogt, der 1995 auf dem Rohrer Friedhof seine letzte Ruhe gefunden hat, ist nach Einschätzung Willi Keulers „Stuttgarts berühmtester Heimatdichter“. Vogt, der „a große Freid an d’r Mundart“ gehabt habe, lebte zuletzt in Dürrlewang. Zwei Texte aus Vogts Spätwerk trug Keuler in bestem Schwäbisch vor und erntete dafür – wie für den gesamten Rundgang – viel Anerkennung.

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