Die Fassade des Römerkastell in Hallschlag bleibt erhalten Quelle: Unbekannt

Investoren können Stadtteilzentrum in ehemaliger Reiterkaserne nicht bauen, wie sie wollen.

Stuttgart - Die Investoren, die in der ehemaligen Reiterkaserne ein Stadtteilzentrum für den Hallschlag einrichten wollen, müssen zurückstecken. Der Denkmalschutz hat vereitelt, dass ein 32 Meter breites Loch in die historische Fassade des Kulturdenkmals gerissen und mit Römertürmchen dekoriert wird.

Das alte Kasernengelände oberhalb der Cannstatter Neckarvorstadt kam dem Architekten Boris Bulling stets wie ein Bollwerk vor - kein gutes Omen, wenn man die Menschen vom Hallschlag in ein Stadtteilzentrum in der ehemaligen Kaserne locken will. Daher schlug Bulling im November 2007 im Auftrag der Investoren und Superkran-Besitzer Martin und Klaus Scholpp eine Art von Anschlag auf das Kulturdenkmal vor: An der Hallschlagstraße solle eine 32 Meter breite Schneise durch die Kasernenfassade geschlagen werden. Das konnte die Denkmalschützer und die Stadtverwaltung nur auf die Palme bringen.

550 Stellplätze sind zuviel

Drei Jahre später meldeten sie am Dienstag im Rathaus, dass das Schlimmste verhindert sei. Man habe sich auf einen 19 Meter breiten Durchbruch im Erdgeschoss geeinigt. Darüber würden Fassade und Dach erhalten. Das Ganze sei auch schon mit der Oberen Denkmalbehörde, dem früheren Landesdenkmalamt, abgestimmt.

Bulling wird voraussichtlich aber neue Probleme bekommen. Die Zahl von fast 550 Stellplätzen, die er bei der Weiterentwicklung des Film- und Medienzentrums zum Stadtteilzentrum auf dem Areal erreichen will, erscheint den Stadtplanern „zu hoch“.

Im Sommer soll gebaut werden

Der Discounter, mit dem man im Rathaus rechnet, weil Bulling "Supermarkt" in den Masterplan für das Kasernengelände schrieb, "kommt nicht in Frage", sagt Städtebaubürgermeister Matthias Hahn. "Menge und Kubatur der Pavillons" auf dem Kasernengelände, die Bulling für Bäcker, Metzger und andere Anlaufstellen der Hallschlagbevölkerung vorsieht, seien "noch abstimmungsbedürftig und bisher zu groß", urteilt die städtische Denkmalschützerin. Der einstige Exerzierplatz müsse noch erkennbar bleiben. Ein geplanter "Natursee" dürfte nicht die Zeugnisse des einstigen Römerkastells gefährden, die unter dem Gelände der später entstandenen Reiterkaserne schlummern. Und Bürgermeister Hahn fragt sich sogar, wie hier auf Dauer ein Natursee ohne natürlichen Wasserzulauf funktionieren soll. Die Glasanbauten, die Bulling zum einstigen Kasernenhof hin an die Hinterfassaden der Gebäude fügen wollte, sind dem Denkmalschutz und den Stadtplanern auch ein Dorn im Auge. Hier müsse man sich am konkreten Bedarf orientieren und nicht schon vorher im großen Stil bauen - genauso bei der Vergrößerung von Fenstern an den Vorderfassaden. Bulling möchte jedes zweite Fenster weiter nach unten vergrößern. Die Stadtverwaltung wendet ein, das sei zu viel und sei auch unnötig, wenn hinterher doch nur Regale des Supermarkts hinter den Scheiben stehen.

Für Konfliktpotenzial ist also auch nach der Einigung über den Mauerdurchbruch gesorgt. Dazu kommt, dass die Stadtverwaltung nach dem Geschmack der Stadträte über das Projekt besser informieren sollte. Die Verwaltung mauere förmlich, klagte Marita Gröger (SPD) im Umwelt- und Technik-Ausschuss, dabei gehe es um das Schicksal eines "herausragenden Stuttgarter Kulturguts". Das neue Konzept mit mehr Pavillons und mehr Stellplätzen beurteilte sie als ausgesprochen diskussionsbedürftig.

Im Sommer soll gebaut werden

Ihr CDU-Kollege Philipp Hill sah sich außerstande zu beurteilen, ob es sich nun um eine Verbesserung oder Verschlechterung der früheren Pläne handelt. Ohne bessere Unterlagen wisse man auch nicht, ob die Zahl der Stellplätze überzogen sei. Der Ansatz des Entwurfs sei jedenfalls gut. Peter Pätzold (Grüne) erkannte freilich Minuspunkte. Aus Marktplätzen seien in dem Konzept Parkplätze geworden, das großzügige Entrée zum Kasernenhof werde geopfert.

Zum Schwur soll es im ersten Quartal 2011 kommen. Dann sollen die Stadträte die öffentliche Auslegung des Bebauungsplanentwurfs beschließen - und dabei entscheiden, wie die Stellschrauben angezogen werden. Spätestens im Sommer 2011 möchten Bulling und die Investoren bauen. Die Verzögerungen der letzten drei Jahre habe der Denkmalschutz verursacht, sagt Bulling. Er räumt aber ein, dass das ursprüngliche Ansinnen für die Denkmalschützer dann doch zu herb war. Den Vorwurf von Bürgermeister Hahn, dass "die Bauherrenseite gelegentlich einen zuckeligen Weg verfolgte" und der "sehr kreative Architekt mit wechselnden Varianten überraschte", mag Bulling trotzdem nicht stehen lassen. Der Rahmen sei für ihn immer wieder enger gezogen worden. Er habe reagieren müssen.

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